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Kreativ bewerben – aber wie?

13.03.2012

Von: Susanne Kott

Liebe Studierende,

in diesem Monat erfahren Sie von mir Interessantes zum kreativen Bewerben. Pünktlich zum Frühlingsbeginn gebe ich Ihnen Tipps mit auf den Weg, Ihre Bewerbung zu entstauben, ihr neues Leben einzuhauchen und mit unkonventionellen Bewerbungen zum richtigen Praktikum oder Job zu gelangen.

Einige Fragen zu kreativen Bewerbungen werden mir in der Bewerbungsberatung immer wieder gestellt. Im Folgenden finden Sie diese – mit meinen Erläuterungen sowie Empfehlungen aus der Praxis – wieder. 

Wenn Sie sich intensiver mit dem Thema beschäftigen möchten, dann besuchen Sie doch im Sommersemester 2012 meinen Workshop „Kreativ bewerben – Gekonnt aus dem Rahmen fallen“ oder nutzen Sie unsere individuelle Bewerbungsberatung. Wir unterstützen Sie gern im Bewerbungsprozess. 

„Die beste Methode, eine gute Idee zu bekommen, ist, viele Ideen zu haben!“ (Linus Pauling)

 

Was heißt „Kreativ bewerben“ und für wen ist es sinnvoll? 

Jeder verbindet mit kreativen Bewerbungen andere Assoziationen. Im Internet findet man unter dem Begriff aufwendig gestaltete Infografiken als Lebensläufe. Für deren Gestaltung man entweder Grafiker oder Mediendesigner sein muss. Oder man findet im World Wide Web sowie in den Bewerbungsbüchern, mit wenigen Ausnahmen, nur langweilige und nicht sehr ästhetisch gestaltete Beispiele dazu. Empfehlungen zu folgen, den zukünftigen Personaler mit Flaschenpost oder Bewerbungen in Blumensträußen zu bombardieren ist auch nicht das Wahre.

So gibt es keine Musterlösung, kein einheitliches Erfolgsrezept. Sie müssen Ihr eigenes zusammenstellen. 

  • Seien Sie originell.
  • Seien Sie selbstbewusst.
  • Heben Sie sich von der Masse ab.

Es gibt nicht „die kreative Bewerbung“. Eine kreative Bewerbung kann sich durch die Wahl der Formulierung, des Materials, der Farbe, des Formats, der Versandoption und des Layouts auszeichnen.

Individualität, Passgenauigkeit zum Unternehmen und den bewussten Verzicht auf langweilige Floskeln sind aber Eigenschaften jeder kreativen Bewerbung. Persönlich gestaltete Unterlagen zeigen schließlich, dass sich der Bewerber wirklich für den Job interessiert. 

Wichtig ist auch, dass Ihre ganze Präsentation Einheitlichkeit in Form und Inhalt vermittelt. Sie als Person, als Marke sollten erkennbar sein. Sie möchten sich ja nicht irgendwo bewerben, sondern auf eine Stelle, die Sie anspricht, die zu Ihnen passt. Definieren Sie also vor der Bewerbung genau Ihr Berufsziel und Sie landen schneller und gezielter einen „Treffer“.

Wie kreativ darf man sein?

Kreative Bewerbungen ziehen die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich, schon lang nicht mehr nur in der Kreativwirtschaft. Bedenken Sie: Ihre Bewerbung ist immer auch eine erste Arbeitsprobe. Kreativität ist eine der Soft Skills, die Personaler gerade von Absolventen erwarten. Nutzen Sie die Chance und zeigen Sie dies schon in Ihrer Bewerbung.

Der Grad der Kreativität hängt vor allem von dem angestrebten Beruf ab. So sieht eine kreative Bewerbung eines Grafikers anders aus als eine kreative Bewerbung eines Betriebswirtschaftlers. Seien Sie vorsichtig mit übertriebener Kreativität. Ihre Bewerbung sollte übersichtlich und aussagekräftig bleiben. Der Inhalt bleibt immer das Wichtigste. Es wäre schade, wenn dieser von einem aufdringlichen Layout erschlagen wird.

Wichtig ist, dass Sie ein Gespür für den Empfänger entwickeln. Helfen kann Ihnen dabei die Präsentation des Unternehmens im Internet, die Gestaltung der Stellenausschreibung oder idealerweise ein erstes persönliches Gespräch mit einem Fach- oder Personalverantwortlichen Ihres Wunschunternehmens. So können Sie besser einschätzen, was das Unternehmen von Ihnen erwartet.

Was macht nun eine kreative Bewerbung aus?

Folgende vier Aspekte charakterisieren meiner Meinung nach sehr gut, was eine kreative Bewerbung ausmacht. 

1. „One-to-one marketing“ – der Adressat ist entscheidend

Sie unterbreiten dem potenziellen Arbeitgeber ein Angebot. Zuerst müssen Sie sich bewusst machen, wen Sie ansprechen und wer Ihre Zielgruppe ist. Hierfür gilt es, vor der Bewerbung viel Recherchearbeit zu leisten. Auch Sie müssen als Bewerber erkennbar sein. Beantworten Sie sich im Bewerbungsprozess diese Fragen:

Was macht Sie aus? Wie sind Sie?

Wofür braucht man Sie? 

Was spricht den potenziellen Arbeitgeber an?

Was würden Sie in Ihrem zukünftigen Arbeitsverhältnis tun?

Könnten Sie einem Laien erklären, was Sie tagtäglich bei Ihrer zukünftigen Tätigkeit zu tun hätten.

Aus der Beratungspraxis weiß ich, dass es den Studierenden oft nicht leicht fällt diese Fragen zu beantworten. Verstellen Sie sich in Ihrer Bewerbung nicht und stellen Sie die Aspekte heraus, die für den Adressaten Ihrer Präsentation von Bedeutung sein können.

2. Persönlichkeit zeigen

Verfassen Sie Ihre Bewerbung individuell und kopieren Sie keine Vorlagen. Gute kreative Bewerbungen strahlen Persönlichkeit aus und sind einzigartig. Nehmen Sie Ihren Lebenslauf mal genauer unter die Lupe. Wie können Sie Ihre Bewerbung personalisieren? 

Ihre Interessen und/oder Ihr Engagement können am Ende im Lebenslauf stehen. So erhält dieser optisch ein Fundament. Beschreiben Sie diese ruhig genauer, da Sie mit einem Interesse und Engagement auch Kompetenzen erwerben. Mit persönlichen Statements können Sie Ihren Werdegang kommentieren und einerseits den roten Faden in Ihrem Lebenslauf betonen. Andererseits helfen Ihnen Ihre Statements, eventuelle Lücken oder Brüche in Ihrem beruflichen Werdegang zu erklären oder zu relativieren. Vermitteln Sie Persönlichkeit und einen Wiedererkennungswert durch Einheitlichkeit in Form und Inhalt. Ihre Bewerbung sollte in sich geschlossen sein. Ein steifer Lebenslauf und ein lockeres Anschreiben. Das wäre ein Bruch. Verwenden Sie die gleiche Schriftgröße und Schriftart. Platzieren Sie Stilelemente bewusst auf jeder Seite. Zum Beispiel in Form einer farbigen Kopfzeile, Ihren Namen als Logo oder einen kleinen Kasten mit gut proportionierten Zusatzinformationen. Entwickeln Sie ein „corporate design“ für Ihre Bewerbung.

3. Besonders sein

Personaler nehmen sich für gewöhnlich nicht viel Zeit für die Durchsicht der Bewerbungsunterlagen. Für Bewerber heißt das: Auffallen und Neugierde wecken. Schon beim ersten Blick auf die Bewerbung sollte man Lust haben, sie zu lesen. Versuchen Sie es doch mal mit einem Eycatcher in Ihrer Bewerbung. Mit einem gut platzierten Detail, wie einem unkonventionellen Foto – vielleicht mit Bezug zur Stelle – und einem eigens entwickelten Slogan auf Deckblatt oder in der Betreffzeile Ihres Anschreibens, gewinnt Ihre Bewerbung an Profil. Überlegen Sie sich ein ungewöhnliches Format oder benutzen Sie, gut platziert, eine Quellcode-Schrift für Bewerbungen in der IT-Branche. Auch eine liebevoll gestaltete Mappe mit Arbeitsproben kann ein Hingucker sein. Mit dem Anschreiben sollten Sie es schaffen, Ihren Leser inhaltlich zu fesseln und zu überraschen. 

4. Floskeln vermeiden

Verstecken Sie sich nicht hinter inhaltsleeren Floskeln und haben Sie keine Angst vor klaren Formulierungen. Zeichnen Sie besser ein scharfes Bild von sich. Machen Sie sich zu einer Marke mit bestimmten Eigenschaften und Fähigkeiten, mit einer ganz bestimmten Berufsausbildung und -erfahrung.

Einen guten Einstieg in das Bewerbungsschreiben zu finden, fällt vielen Studierenden nicht leicht. Die Formulierung „Mit großem Interesse habe ich von Ihrer Stellenausschreibung erfahren und bewerbe mich hiermit bei Ihnen“, kennt wohl jeder. Wenn Ihnen nichts anderes einfällt, dann beginnen Sie doch sofort mir Ihrer aktuellen Tätigkeit: „Momentan befinde ich mich im 8. Semester des Studienganges…“. Das ist für Personaler viel interessanter als Variante eins. Dass Sie sich bewerben ist dem Arbeitgeber bestimmt schon aufgefallen.

Vermeiden Sie auch bei der Darstellung Ihrer Soft Skills Floskeln. Was bedeutet Kommunikationsstärke im konkreten Zusammenhang, was Durchsetzungskraft? Leisten Sie keine mühsame Abstimmungsarbeit für eine Formulierung, um für verschiedene potenzielle Arbeitgeber gleichermaßen interessant zu wirken. Kompromisse verwischen Konturen!

Vielleicht sind Sie ja kommunikationsstark, da Sie Zwischentöne im Dialog erfassen und Unstimmigkeiten sofort erkennen und aus dem Weg räumen. Und die Eigenschaft wird Ihnen vielleicht bei Ihrer angestrebten Tätigkeit zugutekommen. Vielleicht heißt Durchsetzungskraft für Sie: ein Projekt gegen zunächst große Widerstände im eigenen Haus erfolgreich zu realisieren, gleichermaßen die (wirtschaftlichen) Interessen der Firma wie das Kundenbedürfnis im Blick zu behalten oder einfach Ziele beharrlich zu verfolgen.

Was sind – neben schriftlicher- und Online-Bewerbung – andere Formen kreativer Bewerbung?

Postkarte, Flyer und Visitenkarte – Initiativbewerbungen

Wenn Sie selbst die Initiative ergreifen und sich ohne vorherige Ausschreibung bei Unternehmen bewerben, reicht oft eine Kurzbewerbung zum Aufbau eines ersten wertvollen Kontaktes. Ein Beispiel dafür wäre, eine Bewerbung im Postkarten- oder Flyerformat zu versenden. So sticht Ihre Bewerbung aus der Masse heraus. Das Verschicken einer Postkarte oder eines Flyers bietet sich immer dann an, wenn Sie sehr viele Bewerbungen initiativ beziehungsweise blind verschicken wollen. Auf der Postkarte können Sie dann beispielsweise Ihre beruflichen Stationen oder wichtigsten persönlichen Eigenschaften kurz darstellen. Am besten integrieren Sie dann noch eine originelle Frage sowie einen eigenen Slogan als Einstieg oder Abschluss der kreativen Bewerbung.

Flyer eignen sich ausgezeichnet für den Besuch von Jobmessen. Visitenkarten sind, gut gestaltet, ein Extra in Ihrer Bewerbungsmappe und ebenfalls sehr nützlich für Ihren nächsten Messebesuch. 

Eine persönliche Vorstellung auf Messen oder direkt bei dem Unternehmen ist als erste Kontaktaufnahme ein Vorteil für Sie. Nutzen Sie die Chance und werden Sie aktiv. 

Die Internetbewerbung im Web 2.0

Gefunden werden statt suchen ist eine der neueren Bewerbungstrends – zum Beispiel auf der Networking-Plattform Xing.de. Auch hier gilt es das Profil ansprechend und individuell zu gestalten, um aus der Masse herauszustechen und potenzielle Arbeitgeber neugierig zu machen. Die Aktualität Ihrer Daten sowie regelmäßige Logins sind hierbei das A und O.

Mit einem eigenen Blog können Sie Ihre Kreativität und Ihr Expertenwissen zu ausgewählten Themen unter Beweis stellen. Dieser sollte aber ebenso aktuell sein. Gerade viele junge Menschen versuchen Unternehmen auch mit einem eigenen Bewerbungsvideo zu überzeugen. Bewerber, die sich im Video überzeugend präsentieren, können ihre Bewerbung ganz nach vorn „katapultieren“. Noch ist der psychologische Effekt unschlagbar und fast jeder Personaler schaut sich neugierig und interessiert solch ein Bewerbungsvideo an. Diese kreative Eigenpräsentation kann eine ideale Ergänzung zu ansonsten perfekten Bewerbungsunterlagen sein. Allerdings müssen das Video und die übrigen Unterlagen ein stimmiges Gesamtbild ergeben.

Ich wünsche Ihnen viel Freude und Schaffenskraft beim Entwickeln neuer Ideen für Ihre Bewerbung – durch eine fantasievolle und originelle Herangehensweise. Finden Sie zum Beispiel mithilfe der Kreativitätstechnik des Brainstormings Argumente, die Sie von anderen Mitbewerbern abgrenzen. Oder finden Sie beim Mind-Mapping mit dem Schlüsselbegriff Freizeitinteresse Assoziationen zu Ihrem angestrebten Beruf. Werden Sie kreativ und sammeln Sie Ideen und Inspiration. Gern auch durch einen Besuch im Career Office.

Ihre Susanne Kott

 

Projektmitarbeiterin Career Office der HTWK Leipzig
Mail: susanne.kott (at) r.htwk-leipzig.de
Phone: 0341 30766321
Geutebrück-Bau Zi. 109

 

Literaturempfehlungen und Links

Beutelmeyer, Werner/ Seidl, Conrad: Die Marke ICH. So entwickeln Sie ihre persönliche Erfolgsstrategie , Redline GmbH, 2003

Foster Jack/ Corby Larry: Einfälle für alle Fälle. Erfinden, Kreieren, Ausdenken und andere Möglichkeiten, Ideen in die Welt zu setzen, Ueberreuter Wirt., F. , 1996

Hofert, Svenja: Praxismappe für die kreative Bewerbung. Wie Sie auffallen und überzeugen, Eichborn , 2008

Hofert, Svenja: Jobsuche und Bewerbung im Web 2.0. Wie Sie das Internet als Karrieresprungbrett nutzen, Eichborn, 2009

Neumann, Jörg: Formulieren ohne Floskeln. Geschäftskorrespondenz mit Pep und Persönlichkeit, Redline GmbH, 2002

Weinberger, Annja: Flyer. Optimal texten, gestalten, produzieren, Stiebner Verlag GmbH, 2010

wilaarbeitsmarkt.de/files/biku_2011_23_richtig_oder_kreativ_bewerben.pdf, 7.März 2012, 13:43

applicant.com/20-more-mind-blowing-creative-resumes/ 5.März 2012, 15:32

www.grafiker.de/kreativ-news/09052011/kreative-bewerbungen-von-designern 5.März 2012, 15:31

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