Der Lober und die „Spur der Steine“
Fachbegleitende Untersuchungen zur Gewässerausbauplanung des Flusses Lober in Delitzsch
13.02.2012, Verfasser: HTWK LeipzigAn der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK Leipzig) führt das Institut für Wasserbau und Siedlungswasserwirtschaft (IWS) momentan Versuche zur Optimierung des erforderlichen Sohlsubstrats (Material, aus dem das Flussbett besteht) beim Ausbau des Flusses Lober in Delitzsch durch.
Ziel des Ausbaus ist der Anschluss des Flusses an den oberen Grundwasserleiter, um die Folgen des Grundwasserwiederanstiegs im Stadtgebiet Delitzsch zu begrenzen. Nach Einstellung der die Stadt umgebenden ehemaligen Braunkohlentagebaue und der damit einhergehenden Beendigung der Grundwasserabsenkung kam es mit dem Wiederanstieg des Grundwassers zur Beeinflussung der vorhandenen Gebäudesubstanz.
Um die Folgeerscheinungen wie die Vernässung von Kellern und Grundmauern zu minimieren, soll der im Stadtgebiet verlaufende Lober in der Sohle an den Grundwasserleiter angeschlossen und dadurch der Grundwasserstand abgesenkt werden. Der damit verbundene Ausbau des Gewässers muss 3 Hauptforderungen erfüllen. Das zu verwendende Sohlsubstrat soll durch ausreichende Durchlässigkeiten die Durchleitung des Grundwasserstromes zum Gewässer gewährleisten; das Substrat muss bei Hochwasser lagestabil sein, und die Nachhaltigkeit bezüglich der Vermeidung einer Verschlammung und damit erneuten Abdichtung der Sohle ist zu sichern.
Das Institut geht der Frage nach, welches Material für das Flussbett am besten geeignet ist. Die Untersuchung ist Teil der Maßnahmeplanungen der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) zur Gefahrenabwehr durch Grundwasserwiederanstieg im Stadtgebiet Delitzsch. Die Planungen laufen in enger Abstimmung zwischen dem Projektträger LMBV und der Unterhaltungspflichtigen für Gewässer 1. Ordnung, der Landestalsperrenverwaltung Sachsen.
Die LMBV begann 2010, den bergbaubeeinflussten Lober mit der genannten Zielstellung auszubauen. In diesem Zusammenhang müssen als eine wesentliche Vorleistung zunächst die jahrelang abgelagerten dichten Flussschlämme beseitigt werden. Sie verhindern, dass dem Fluss Grundwasser zuströmen kann. Durch die damit vorhandene Entkopplung von Grund- und Oberflächenwasser verstärkte sich der Prozess des Grundwasserwiederanstiegs.
Nach der Entschlammung des Gewässers erfolgt der Ausbau unter der Zielstellung der technischen Umsetzung der 3 Hauptforderungen und gemäß der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie.
Ein wichtiger Aspekt ist die Ausgestaltung des neuen Flussbettes. Die hierfür optimale Zusammensetzung der Kornverteilung des Sedimentes wird gegenwärtig an der HTWK Leipzig erprobt: Wie viel feiner, wie viel grober Kies, Splitt oder Sand ist ideal? Die Ingenieure simulieren das Flussbett durch ein nachgebautes Modell: "Dort leiten wir dann Wasser mit der im Lober herrschenden Geschwindigkeit durch und überprüfen, bei welcher Zusammensetzung auch bei einem Hochwasser am wenigsten Gestein fortgespült wird. Die Berechnung nur im Computer ist dafür zu ungenau, und eine Reparatur am echten Fluss wäre zu teuer. Hier geht es um gewaltige Investitionen, da muss jedes Detail stimmen", gibt Tilo Sahlbach, Projektleiter am IWS, zu bedenken.
Nach Abschluss der Ausbaumaßnahme wird ein spürbares Absinken des Grundwasserstandes im Bereich des Lober in Delitzsch erwartet. "Mit einem neuen, durchlässigen Flussbett wird sozusagen der Ursprungszustand wieder hergestellt, und der Lober transportiert das überschüssige Grundwasser ab", so Professor Hubertus Milke vom IWS. Die Bauarbeiten im südlichen Teilabschnitt sind bereits abgeschlossen; bis spätestens 2014 sollen auch die verbleibenden Bauabschnitte fertig gestellt sein.
Das „Institut für Wasserbau und Siedlungswasserwirtschaft“ (IWS) wurde 2002 gegründet und ist ein An-Institut der HTWK Leipzig (Fakultät Bauwesen). Das IWS ist als Schnittstelle zwischen Praxis und Forschung Ansprechpartner für Ver- und Entsorger, Wasserwirtschaftsbehörden und Ingenieurbüros der mitteldeutschen Region und darüber hinaus. Es leistet Forschungsarbeit zu den Bereichen numerische und physikalische Modellierungen, Hochwassermanagement, sowie Siedlungswasserwirtschaft.
Bilder werden Vertretern der Presse auf Anfrage gern zur Verfügung gestellt.
Ansprechpartner:
Prof. Dr.-Ing. Hubertus Milke, Institut für Wasserbau und Siedlungswasserwirtschaft, HTWK Leipzig
Telefon: +49 (0)341/3076-6230
E-Mail: milke (at) iws.htwk-leipzig.de
zuletzt aktualisiert am 14.03.2012E-Mail an den Autor senden



