PM: HTWK-StudentInnen demonstrieren vor Hochschulrat
Gesellschaftliche Aufgabe von Hochschulen betont
09.12.2011, Verfasser: StudentenratStudentInnen der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) in Leipzig überraschten die für gestern angesetzte Sitzung des Hochschulrats, um noch einmal auf ihre Positionen zum Hochschulentwicklungsplan hinzuweisen. Nach dem Plan, den das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (SMWK) den sächsischen Hochschulen vorlegte, sollen allein bis 2015 14 Stellen an der HTWK gestrichen werden, davon sind 5 Stellenkürzungen an der naturwissenschaftlichen Fakultät IMN geplant, weitere hochschulweite Streichungen stehen ebenfalls ins Haus.
Die StudentInnen wollen das nicht hinnehmen und schlossen mit der heutigen Kundgebung vor den verdutzten Hochschulratsmitgliedern an ihre zahlreichen Demonstrationen und Kundgebungen gegen die geplanten Streichungen an.
René Jalaß, Referent für Hochschulpolitik im StuRa der HTWK betonte das Kritikpotenzial des Hochschulwesens und seine Bedeutung für die Gesellschaft:
„Man rufe sich in Erinnerung dass selbst in autoritären Systemen Hochschulen und Universitäten stets kritische Instanzen waren. Von ihnen wurden mündige Denkerinnen und Denker hervorgebracht. Die finanziellen Beschneidungen und die Zwangsökonomisierung solcher Bildungseinrichtungen - nicht nur der HTWK - stellen schlicht eine Degradierung ihrer gesellschaftlichen Bedeutung dar.“
Jalaß betonte, dass die Entscheidungen, die der HEP den damit betrauten Gremien abnötigt, lediglich „ein weiteres Glied in einer Kette der Kürzungsanordnungen“ sein wird. „Es wäre naiv, zu glauben“, so Jalaß weiter, „dass es damit getan sei. Es werden weitere Irrlichter der Staatsregierung folgen, wenn nicht grundlegend die Finanzierung gesichert wird. Entweder steigen die Hochschulleitungen dieses Landes endlich aus diesem Irrsinn aus und verweigern sich kollektiv den Sparzwängen, oder wir begraben die Idee einer Hochschule, die dafür Sorge trägt, dass sich die Gesellschaft ihrer selbst bewusst wird und bleibt. Eine Hochschule ist kein Berufsbildungswerk, das schnell und reibungslos Arbeiterinnen und Arbeiter auf den Markt spült. Der Würgegriff der Staatsregierung ist nur so lange stark genug, wie sich die Hochschulen ihm beugen.“
Auch die studentischen VertreterInnen der am stärksten betroffenen Fakultät Informatik/Mathematik/Naturwissenschaften (IMN), der Fachschaftsrat IMN, kamen bei der Aktion zu Wort. Für die Fachschaft sprach der Masterstudent Marko Kastner. Er erklärte, warum die Kürzungen an dieser Fakultät aus Sicht der Studierenden nicht hinnehmbar sind:
"Mit der Schließung der Mathematik an der HTWK verliert auch Sachsen einen der wichtigsten Studiengänge. Und ja, es wird dazu kommen, wenn die Stellenstreichungen so wie im HEP der HTWK festgeschrieben, umgesetzt werden. Der HEP der HTWK schreibt fest, dass jungen Menschen die Möglichkeit genommen werden soll an einer Fachhochschule Mathematik zu studieren. Deshalb sagen wir: Wer Mathe will, muss Mathe dürfen! – und das auch mit einer Fachhochschulreife."
Nach Kastners Ausführungen hätte selbst der Senat der HTWK den gesamten Hochschulentwicklungsplan abgelehnt. Abstimmungen über Teile dieses Plans setzten ein falsches Zeichen gegenüber dem SMWK. Die Hochschule solle eine selbstbestimmte Hochschule sein.
Kastner weiter:
"Zeigen wir dem SMWK, dass seine illusionären Streichungspläne nicht umsetzbar sind und unsere Hochschullandschaft zerstören. Warum sollen wir die erste Hochschule sein, die selbst zur Schlachtbank geht? Unser direkter Nachbar, die Universität Leipzig hat sich noch nicht gebeugt. Dort wurde noch längst kein Plan verabschiedet und es wird auf Zeit gespielt. Warum sollten wir uns beeilen wollen? Lassen sie uns sehen was passiert, denn auch die Politik ist im Wandel. Zum Wohle aller sächsischen Hochschulen darf die HTWK nicht den ersten Schritt in die falsche Richtung machen indem sie den Bildungsabbau genehmigt."
zuletzt aktualisiert am 13.12.2011E-Mail an den Autor senden

