Fragen zum Thema Stellenkürzung
Wozu dieses Dokument?
Warum erarbeitet das Rektorat Stellenkürzungsplanungen, obwohl der SMWK-Entwurf des Sächsischen Hochschulentwicklungsplans im Kabinett der Staatsregierung noch nicht beschlossen wurde?
Zum politischen Hintergrund der Verknüpfung von HEP und Stellenstreichung: das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (SMWK) verbucht es als einen politischen Erfolg seiner Verhandlungen mit dem Staatsministerium der Finanzen, dass an den Hochschulen bis Ende 2015 „nur“ 3,75 % der Stellen abzubauen sind (bis 2020 8 %). Diese Linie liegt unterhalb des vorgesehenen gesamten Abbaus im öffentlichen Sektor des Landes Sachsen und unterhalb des für Sachsen insgesamt erwarteten Rückgangs an Studienanfängern wegen des demografischen Wandels. Als Gegenleistung hat sich das SMWK (klassische Sandwichposition) verpflichtet, diese „Stärkung“ im Rahmen eines HEP zur Profilierung und Ausdifferenzierung der sächsischen Hochschulen zu nutzen. Dabei ist die bisher praktizierte Umsetzung durch das SMWK höchst fragwürdig, denn aus politischer Rücksichtnahme werden trotz der höchst unterschiedlichen Nachfragesituation alle Hochschulen „gleich behandelt“ – verbunden mit der dringenden Auflage, die Hochschulen mögen die sie gleichmäßig betreffenden Stellenkürzungen profilierend mit lokalen Akzenten umsetzen. Es soll zu einer Stärkung und fachlichen Ausdifferenzierung der sächsischen Hochschullandschaft kommen. 2015 sollen die Hochschulen hinsichtlich ihrer Profilierung evaluiert werden. Daran orientiert soll die zweite Phase des Stellenabbaus umgesetzt werden. Als Erfolg kommuniziert das SMWK, dass bis 2020 dann „nur“ 8 % der Stellen in Frage stehen. Es gibt bislang keinerlei Andeutung der Ministerin für eine Abkehr vom „Rasenmäher“.
Was tut das Rektorat zur Abwendung der Stellenkürzungen?
gabenkonsolidierung nachvollziehbar erscheinen. Auch der Bildungssektor wird hierbei Beiträge leisten müssen. Ob dies jedoch einen Stellenbau von 8 % bis 2020 rechtfertigt, muss weiterhin Gegenstand der politischen Diskussion sein. Hierbei ist die gesamte Hochschulöffentlichkeit aufgefordert, sich einzubringen – Adressat des Protests muss der Landtag als Träger des Haushaltsrechts sein.
Gleichwohl fordert das Rektorat kontinuierlich vom SMWK eine differenzierte Betrachtung der sächsischen Hochschulen bei der Umsetzung der beschlossenen Kürzungsziele bis 2015. Die stabile Nachfragesituation in Leipzig, der MINT-Schwerpunkt der HTWK Leipzig, die gegebene starke Auslastung aller Strukturen und die – inzwischen vom SMWK bestätigte – Unterausstattung mit Professuren und Mitarbeiterstellen im sächsischen Hochschulvergleich finden bisher keine Berücksichtigung. Die unkoordinierte, „hochschulautonome“ Umsetzung der Kürzungsvorgaben treibt inzwischen Blüten: bereits 2011 führte die wiederum gestiegene Nachfrage von Studienbewerbern an der HTWK Leipzig bei ca. 300 weniger angebotenen Studienplätzen als im Vorjahr (Abbau von Überkapazität zur Verbesserung des Betreuungsverhältnisses entsprechend Zielkorridor Hochschulpakt) dazu, dass in allen Studiengängen der NC-Wert sinkt, 1.600 Bewerbungen mehr als im Jahr 2010 erhielten deshalb keine Zulassung. Gleichzeitig führt die unkoordinierte Umsetzung in den Hochschulen zum Beispiel dazu, dass „Angewandte Mathematik“ nun in ganz Sachsen gefährdet ist.
Dass es auch anders geht, zeigt die vom SMWK angestrebte Konzentration der Bauingenieure und Architekten an den Standorten Dresden und Leipzig. Dieser gestalterische Ansatz im HEP-Entwurf wird seitens des Rektorats ausdrücklich begrüßt und unterstützt. Hier wird aktiv und mit maximalem guten Willen nach Lösungen zur Umsetzung dieser strategischen Entscheidung gesucht, die auf den Prinzipien der Wahrung der Hochschulautonomie, praktizierter Augenhöhe zum SMWK und nachvollziehbarem Interessensausgleich (Win-Win-Situation) beruhen müssen.
Inzwischen finden die Bemühungen des Rektorats bei einzelnen politischen Akteuren Gehör, sodass die Bündelung weiterer Bereiche denkbar erscheint. Zum Verständnis: diese Gedanken zielen auf die Konzentration von im Arbeitsmarkt stark nachgefragten Sparten mit zu geringer Bewerberzahl in den Zentren Dresden und Leipzig, zum Ausgleich würden die Disziplinen mit großer Bewerbernachfrage und Absolventenüberangebot in die dezentralen Standorte gelenkt.
Warum werden die Stellenkürzungen vom Rektorat nicht proportional auf alle Fakultäten verteilt?
Es wurden durchaus alle Möglichkeiten für solidarische Beiträge aus allen Fakultäten geprüft. Dadurch konnten auch nennenswerte Beiträge für das Kürzungsziel identifiziert werden. Da es sich hierbei zum Großteil um bereits für den Hochschulplan 2010 vorgehaltene Stellen handelt, sind die Auswirkungen auf den Studienbetrieb durch eine entsprechende Kapazitätsanpassung weitgehend „beherrschbar“.
Der verbleibende Kürzungsumfang sollte möglichst in einem zu identifizierenden Studiengang gebündelt werden – eine „Amputation“ statt mehrerer Einschnitte, die die Leistungsfähigkeit an verschiedenen Stellen schädigen. Damit drückt sich zugleich das politische Signal aus, dass an der Hochschule nach 20 Jahren Stellenkürzungen bei gleichzeitiger Verdopplung der Studierendenzahl nichts mehr „herausgeschwitzt“ werden kann. Im Ergebnis werden ca. 2 der 9 zu kürzenden Professuren nicht entsprechend einer proportionalen Verteilung auf alle Fakultäten umgesetzt, sondern im Studiengang einer Fakultät zusätzlich konzentriert. Aus diesem Grund wird die Fakultät IMN mit einem überproportionalen Beitrag zum Stellenabbau beteiligt. Der proportionale Beitrag von 3 Stellen wird disproportional um weitere zwei Stellen erhöht.
Warum sollen so viele Professorenstellen wegfallen?
Unter diesen Umständen muss sich die HTWK Leipzig für den Wettbewerb der sächsischen Hochschulen und in ihrer Position als technisches Zentrum in der Wissenschaftsregion Leipzig neu aufstellen. Politischer Druck und entsprechende Lenkungswirkung werden erst einsetzen, wenn regionaler Bedarf offensichtlich nicht mehr abgedeckt ist.
Um bis zum Jahr 2015 das Verhältnis Professoren- zu Mitarbeiterstellen den anderen sächsischen Hochschulen anzugleichen, bleibt keine andere Wahl: Es werden schmerzhafte Einschnitte in der Professorenstärke der HTWK Leipzig vollzogen, die sich ausdrücklich überproportional auf die Studienplatzkapazität in den betroffenen Studiengängen auswirken sollen.
Warum sind von den Kürzungen so wenige Stellen aus Dezernaten, Rektorats- und Kanzler¬bereichen sowie zentralen Einrichtungen betroffen?
Insbesondere der Kanzlerbereich war bereits in den vergangenen Jahren durch überproportionale Anteile an Stellenkürzungen der Hochschule beteiligt, was in einer Unterausstattung der zentralen Dienste im sächsischen Vergleich resultiert. Gleichzeitig sind die bestehenden Strukturen bereits jetzt an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gelangt, da in erheblichem Maße neue Aufgaben für diese Bereiche hinzugekommen sind (Hochschulautonomie und Hochschulrat, Neue Hochschulsteuerung, Drittmittel- und Stellenaufwuchs durch wachsendes Forschungsaufkommen, wachsende leistungsabhängige Budgetanteile, Serviceorientierung, Berufungsverfahren). Eine Kürzung, die die Leistungsfähigkeit dieser Bereiche weiter einschränkt, geht unmittelbar zu Lasten der gesamten Hochschule und bindet Kräfte in den Fakultäten, anstatt Synergieeffekte durch zentralisierte Services zu heben.
Warum stammen 8 der 9 zu streichenden Professuren aus dem MINT-Bereich?
Die Identifikation von 8 Professorenstellen im MINT-Bereich war nicht Ziel, ist aber das Ergebnis der sachlichen und strategischen Überlegungen des Rektorats. Einer der maßgeblichen Zwänge ist der Umfang der überhaupt bis 2015 frei werdenden Stellen. Mit den Wurzeln der HTWK Leipzig in der Technischen Hochschule treten Altersabgänge hauptsächlich in deren Disziplinen auf, während die nach 1992 gegründeten Bereiche der Angewandten Sozialwissenschaften, der Wirtschaftswissenschaften und der Medien vereinzelte Abgänge aufweisen.
Wie kommt das Rektorat darauf, dass diese Strategie trotz der Kürzungen zu einer stabilen bzw. wachsenden Zahl von AbsolventInnen im MINT-Bereich führen kann?
Des Weiteren wurde die Stärke der HTWK Leipzig im Bereich der sehr technisch orientierten, bestens bewerteten Wirtschaftsingenieurstudiengänge in der hochschulweiten Strategiediskussion herausgearbeitet. Hier trifft die Arbeitsmarktnachfrage auf stabiles Bewerberinteresse mit hohen Ausbaureserven, insbesondere unter weiblichen Bewerberinnen. Durch die Synergien gemeinsam genutzter Module lassen sich hier potentiell neue attraktive Studienangebote inhaltlich ausgestalten und auch leichter durch Kapazität untersetzen. Durch wirtschaftswissenschaftliche Ausbildungsinhalte lassen sich technische Studienanteile reduzieren. Zur Umsetzung dieser Strategie müssen freie Kapazitäten der Fakultät Wirtschaftswissenschaften für die Bedienung generiert werden – dies kann durch Synergien, ggf. mit bestehenden WI-Studienangeboten, geleistet werden oder durch entsprechende Umschichtung von Kapazität aus anderen Studiengängen. Der (systemrelevante!) Profilbeitrag der Fakultät Wirtschaftswissenschaften besteht in deren Mitwirkung in solchen WI-Studiengängen und begründet nicht zuletzt den moderaten Anteil der Fakultät an den Stellenstreichungen.
Wie soll diese angestrebte Verringerung der Abbrecherquote ohne Vernachlässigung des Qualitätsanspruchs erreicht werden?
- Durch eine Beschränkung der Studienkapazität auf das sachsenweit übliche Maß wird bereits das rechnerische Betreuungsverhältnis kurzfristig und anhaltend verbessert. Die HTWK Leipzig wird weiterhin nur einem Bruchteil der Studienbewerber einen Studienplatz anbieten können. Jedem, der aufgenommen wird, sollen beste Chancen für einen Studienerfolg offenstehen. Dass auch in den höheren Semestern annähernd genauso viele Studierende ankommen, wie sich eingeschrieben hatten, bedeutet für die MINT-Studiengänge einen zu gestaltenden Paradigmenwechsel.
- Die insgesamt stabile Anzahl an Studienanfängern ist wie oben beschrieben gespeist durch einen höheren Anteil der Studienanfänger unter den Abiturienten/HZB-Erwerbern. Diese Diversität der Studienanfänger stellt die unter 1. genannte Strategie in Frage. Bleibt es bei der unmoderierten „Gleichbehandlung“ der sächsischen Hochschulen durch das SMWK, sind zwei unterschiedliche Szenarien denkbar: Die Hochschulen in der Fläche senken ihre Kapazität deutlich langsamer als die erwartbar sinkende Nachfrage. Durch besonders gute Betreuung wird in nicht ausgelasteten Ingenieurstudiengängen ein Großteil der ohne weitere Hindernisse aufgenommenen Bewerber zum 1. akademischen Abschluss geführt. Dieses Szenario trifft für den Studienort Leipzig nicht zu, denn es wird stets eine erschöpfende Studiennachfrage vorliegen. Deshalb besteht die Aufgabe der Hochschulen in Leipzig und Dresden darin, so attraktiv zu sein, dass durch NC und weitere Kriterien diejenigen Bewerber bereits vor Studienbeginn selektiert werden, die beste Voraussetzungen für einen Studienerfolg mitbringen. Selbstverstärkende Effekte für dieses Szenario bestehen in der weiteren Absenkung der Kapazität durch sinkende Schwundquoten, Umlagerung von Kapazität in weiter zunehmende Masterangebote und sich selbst generierende Nachfrage wegen der Auslesesituation.
- Durch das Projekt StudiFit werden in den kommenden Jahren gezielt Ursachen für unbegründeten Studienabbruch identifiziert und Maßnahmen zu deren Überwindung entwickelt (Coaching, Mentoring, Tutoren, Justierung von Hürden, Auswahllenkung).
Welche Alternativen zur Schließung der Studiengänge AMB/AMM wurden vor der Empfehlung des Rektorats geprüft?
- Den Profilbeitrag der Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften zum neuen Profil der HTWK Leipzig kann man bezogen auf das Lehrangebot grundsätzlich hinterfragen. Demgegenüber besteht an der Fakultät nur eine geringe Stellenkürzungsmöglichkeit bis 2015. Im Falle einer Kürzung wäre zugleich die Größe der Fakultät unterkritisch und damit deren eigenständige Existenz erheblich in Frage gestellt.
Hieraus resultiert die dringende Empfehlung des Rektorats an die Fakultät, die Zeit bis 2015 für die Herausarbeitung eines eigenen Profilbeitrags zu nutzen und dafür interfakultäre Bündnisse anzustreben. Da alle Profillinien der Hochschule mehr oder weniger stark eine neue Verortung des Menschen/der Gesellschaft zur Technik zum Gegenstand haben, bieten sich hierfür zahlreiche Ansatzmöglichkeiten. - Der Profilbeitrag der Fakultät Wirtschaftswissenschaften ist bezüglich der Internationalisierungsstrategie der Hochschule und vor allem im Kontext der auszubauenden WI-Studiengänge als systemrelevant einzuschätzen, eine Kompensation der bestehenden Bedienleistungen durch Honorarkräfte und die Universität Leipzig ist illusorisch.
- Die weiteren Dopplungen liegen mit Mathematik und Informatik an der Fakultät IMN – nun voll im MINT-Bereich liegend – vor, siehe dazu speziell die folgenden Fragen.
Warum wird empfohlen, den Studiengang AMB/AMM zu schließen?
Warum ist das Rektorat gegen eine Aufteilung der Stellenkürzungen auf je zwei Professuren in den Bereichen Mathematik und Informatik?
Das Rektorat steht einer kreativen Auseinandersetzung der Fakultät mit dem Ziel, trotz der Kürzungen weiterhin einen Abschluss in der Angewandten Mathematik zu ermöglichen, aufgeschlossen gegenüber. Eine tragfähige Lösung kann jedoch nicht aus dem Rektorat kommen, diese Arbeit muss die Fakultät leisten. Die Lösung muss aber weiter gehen als eine fakultätsinterne Gleichverteilung der Kürzungen auf die Mathematik und die Informatik. Alle Vorschläge, die sich mit Hilfe von Synergien zwischen den Studiengängen Angewandte Mathematik, Informatik und Medieninformatik umsetzen lassen, werden begrüßt. Bei dieser Lösung muss eine Umstrukturierung des Studiengangs AMB/AMM noch vor Ablauf seiner bestehenden Akkreditierung erfolgen, die aktuelle Vorbereitung der Studiengänge INB und MIB auf ihre Reakkreditierungsverfahren ist dafür eine gute Gelegenheit.
Wieso werden die Fakultäten mit der Bedingung des Rektorats „erpresst“, erst nach Benennung der zu kürzenden Stellen andere Professuren ausschreiben zu dürfen?
Dies ist die einzige Möglichkeit, mit der das Rektorat einerseits gegenüber dem SMWK steuerbar bis zum Januar 2012 die zu kürzenden Stellen melden kann, und andererseits nicht in die Autonomie der Fakultäten eingreift, damit diese unverzüglich alle verbleibenden Stellen besetzen können. Die Fakultäten drücken mit der Vorlage einer entsprechenden Konzeption nicht ihre Zustimmung zur Stellenkürzung aus. Sie unterwerfen sich den Spielregeln, die für die Zuweisung von Professuren an eine Fakultät durch das Rektorat einer Hochschule vorgesehen sind – anders funktioniert es nicht.
Ist der Studienabschluss für die derzeit immatrikulierten Studierenden in den Studiengängen AMB/AMM gefährdet?
Nein, der zeitliche Auslauf der zu kürzenden Stellen bietet die Möglichkeit, dass alle Studierenden regulär ihr Studium beenden. Auch eine Weiterführung des Studienangebots AMM bis zur Immatrikulation 2015 (regulärer Abschluss AMB11) erscheint aus Sicht des Rektorats möglich. Dringend wünschenswert wäre die vorherige Ablösung des Studiengangs AMM durch ein mit der Informatik integriertes Masterstudienangebot.
zuletzt aktualisiert am 19.12.2011E-Mail an den Autor senden

