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Wie sich Großmessen auf die Digitalisierung vorbereiten

Podium.online im Interview mit Dr. Roland Fleck (Geschäftsführer der NürnbergMesse) über die Embedded World

23.11.2016, Verfasser: HTWK Leipzig
V.l.n.r: Dr. Roland Fleck, Prof. Gesine Grande, Prof. Matthias Sturm (Foto: HTWK Leipzig)

V.l.n.r: Dr. Roland Fleck, Prof. Gesine Grande, Prof. Matthias Sturm (Foto: HTWK Leipzig)

Mikrorechentechnik-Professor Matthias Sturm (EIT) berät schon seit vielen Jahren die Nürnberger Messe bei der Ausrichtung der „Embedded World“, eine jährliche Fachmesse und Konferent für eingebettete Systeme. Im Vorfeld der 2017er Messe besuchte der Geschäftsführer der NürnbergMesse Dr. Roland Fleck die HTWK Leipzig.

Podium.online: Herr Dr. Fleck, es ist das erste Mal, dass wir einen Geschäftsführer der NürnbergMesse an unserer Hochschule begrüßen können. Ist die embedded world – Exhibition & Conference der Grund dafür?

Dr. Fleck: Sicherlich ist die embedded world – Exhibition & Conference der Hauptgrund für meinen heutigen Besuch bei Ihnen an der HTWK Leipzig. Auch in meiner Eigenschaft als derzeitiger Vorsitzender der GDG – Gemeinschaft Deutscher Großmessen – freue ich mich, erstmals an Ihrer Hochschule zu Gast zu sein. In dieser Funktion wird mir immer stärker bewusst, dass die deutsche Messewirtschaft derzeit insbesondere vor zwei zentralen Herausforderungen steht: Erstens die Digitalisierung der Wirtschaft und zweitens die Einstellung auf die doch sehr unterschiedliche ökonomische Entwicklung in verschiedenen Weltwirtschaftsregionen.

Gerade beim Thema „Digitalisierung“ sehe ich zahlreiche Anknüpfungspunkte für die embedded world: Sie ist eine der wichtigsten Veranstaltungen im IT- und Electronics-Portfolio der NürnbergMesse. Sie ist neben einer SPS IPC Drives, einer Sensor+Test oder der it-sa – Die IT-Security Messe – ein Erfolgsmotor am Messestandort. Eng verbunden mit meiner Reise zu Ihnen nach Leipzig ist damit jedoch auch, und darauf freue ich mich natürlich sehr, das Gespräch mit Professor Sturm, der uns seit vielen Jahren bei der embedded world als Vorsitzender des Messebeirates tatkräftig unterstützt. Er war und ist uns ein wertvoller Ratgeber und Visionär der die embedded world maßgeblich geprägt hat. Nicht zuletzt aufgrund seiner fachlichen Expertise hat sich die embedded world seit 2003 zum weltweit größten und wichtigsten Treffpunkt der Embedded-Systembranche entwickelt.

Dass eine Messe- und Kongressveranstaltung der hohen Dynamik der Embedded-Systembranche gewachsen ist, ja sogar Impulse und Trends setzen kann, ist nicht selbstverständlich und schon gar kein Zufall. Das Zusammenspiel hochmotivierter und engagierter Mitstreiter macht diesen großen Erfolg erst möglich. Dazu gehören Sachkompetenz, Mut, Inspiration, Entschlossenheit und ein gemeinsames Ziel. Zweifellos war die Kombination aus Fachkonferenz und Ausstellung von Anbeginn eine gute Entscheidung. Denn diese Branche braucht den Wissensaustausch mehr als jede andere. Gemeinsam mit dem WEKA-Verlag bieten wir den Embedded-Systementwicklern in Nürnberg die Plattform, die sie brauchen, um auch zukünftigen Herausforderungen gewachsen zu sein. Das belegen auch die Messekennzahlen: 2003 mit 353 Ausstellern und 8.801 Besuchern gestartet für die kommende Veranstaltung vom 14. bis 16.03.2017, rechnen wir mit rund 1.000 Ausstellern und erneut gut 30.000 Fachbesuchern. Das ist eine sehr gute Entwicklung einer Fachmesse und sucht ihresgleichen.

Welche Rolle spielt dabei unsere Hochschule?

Das Thema Embedded-Systemtechnologien ist komplex und technisch anspruchsvoll. Wenn man sich die Entwicklung der Embedded-Systeme im vergangenen Jahrzehnt betrachtet stellt man fest, dass diese die Grundlagentechnologie für nahezu jede technische Anwendung geworden ist. Die embedded world ist hier nicht nur das Schaufenster einer Branche sondern vor allem Triebfeder und das Zuhause einer der am schnellsten wachsenden Technologiezweige überhaupt. Durch diese rasanten, technischen Entwicklungen verändert sich natürlich auch unser gesamtes Leben. Nehmen wir nur Smart Mobility, oder besser autonomes Fahren sowie modernste Medizintechnik – beides ist ohne den Einsatz von Embedded-Systemen heute nicht mehr möglich.

Damit wir immer den aktuellsten Bezug zur Technik haben, bedarf es dabei renommierter Experten. Einer davon ist Professor Sturm von Ihrer Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik. Er hat uns seit der Gründung der embedded world stets unterstützt, die richtigen strategischen, Entscheidungen zu treffen und auch immer wieder eigene Ideen für die Weiterentwicklung der Veranstaltung beigetragen.

Können Sie einige dieser Beiträge mit einem Beispiel benennen?

Bevor ich auf die inhaltliche Zusammenarbeit eingehe, lassen Sie mich kurz den embedded world STUDENT DAY ansprechen, der unmittelbar von Professor Sturm und einem unserer Mitarbeiter, Bertold Brackemeier, initiiert wurde. Basierend auf einem breit angelegten Sponsoring, bei dem wir uns als NürnbergMesse maßgeblich beteiligen, sind wir in der Lage, jeweils am dritten Veranstaltungstag der embedded world über 1.000 Studierende mit Bussen von ihren Hochschulstandorten aus dem gesamten Bundesgebiet, aus Österreich und der Tschechischen Republik kostenfrei nach Nürnberg zu holen.

Ziel war es, den Studierenden die Branche der Embedded-Systementwickler nahe zu bringen. Der STUDENT DAY bietet hochkarätige Vorträge, die Chance Entwickler zu treffen und Kontakte für Graduierungsarbeiten zu knüpfen und vielleicht zum ersten Mal seine zukünftigen Arbeitgeber kennen zu lernen. Es haben bereits weltweit bekannte Koryphäen wie Professor Steve Furber, Professor Dr. Dr. Dr. h.c. Franz-Josef Radermacher oder Jakob Applebaum eine Vorlesung gehalten, deren Inhalte von den Teilnehmern regelrecht aufgesogen wurden. Inzwischen ist der embedded world STUDENT DAY in der Hochschulwelt so bekannt, dass wir aufgrund der großen Nachfrage die Kontingente aus den einzelnen Hochschulen leider begrenzen müssen. Das enorme Interesse zeigt eindeutig den hohen Stellenwert der Veranstaltung. Es freut uns sehr, dass wir hier die Next Generation der Embedded-Community unterstützen können.

Was können Studierende der HTWK Leipzig tun, um beim STUDENT DAY berücksichtigt zu werden?

Am einfachsten schnell sein, denn wir belegen die Plätze auch nach dem Anmeldedatum. Die Fachschaften sollten die Interessenten bündeln und sich dann an uns wenden.

Was ist das Erfolgsrezept der embedded world?

Schlüssige und kompakte Messekonzepte sowie die Konzentration auf wesentliche Inhalte sind die zentralen Erfolgsgaranten. Die Experten aus aller Welt schätzen den fachlich intensiven und qualitativ hochwertigen Dialog und die Möglichkeit, das persönliche Netzwerk international zu pflegen und auszubauen. Das wichtigste ist, dass unsere Aussteller und Fachbesucher genau das vorfinden, was sie erwarten und für ihre Arbeit benötigen: Lösungen.

Und genau hier liegt der Unterschied zu vielen anderen Veranstaltungen: Die embedded world ist eine Arbeitsmesse im besten Sinne des Wortes. Hier treffen sich überwiegend Entwickler, um über aktuelle Fragen zu diskutieren, um Lösungen zu finden und um neue Trends zu erkennen. Genau an dieser Stelle ist die embedded world Conference eine herausragende Komponente für den Erfolg der Gesamtveranstaltung. Und dies umso mehr, als dass sie nicht nur Trends aufzeigt, sondern diese auch zu setzen vermag.

So wurde beispielsweise das Thema Embedded-Security vor mehreren Jahren auf der Konferenz thematisiert, weit vor den Enthüllungen rund um Edward Snowden. Heute ist allen Entwicklern in der Branche bewusst, dass es ein funktionierendes System ohne Security nicht geben kann. Als Vorsitzender des steering boards der embedded world Conference leistet Professor Sturm auch hier, gemeinsam mit den zahlreichen anderen Mitstreitern eine ganz ausgezeichnete Arbeit. Die Ausstellung wie auch die Konferenz genießen international einen sehr guten Ruf und sind fester Bestandteil in den Kalendern nicht nur der Entwickler, sondern zunehmend auch im Management der ausstellenden Unternehmen. Bei aller Bescheidenheit glaube ich, dass die embedded world in Nürnberg nicht ohne Grund die Nummer 1 der Messe- und Kongressveranstaltungen zum Thema Embedded-Systeme ist.

Was werden Sie bei Ihrer heutigen Begegnung beraten?

Natürlich geht es der NürnbergMesse und somit auch bei der embedded world darum, bestehende Aussteller und Besucher zufrieden zu stellen und neue Zielgruppen zu erschließen, schließlich sind wir ein Unternehmen. Durch Professor Sturm haben wir aber auch gelernt, dass wir als Messegesellschaft auch eine Verantwortung für die friedliche und ressourcenschonende Anwendung von Embedded-Systemen tragen. Unser Beitrag ist dabei ein langfristiges Engagement in die Bildung junger Menschen. Das Aufzeigen der moralischen Verantwortung bei der Entwicklung und dem Einsatz von Embedded-Systemen liegt uns hierbei besonders am Herzen. Wir haben viele Ideen, die wir heute diskutieren werden. Aber ich freue mich natürlich auch die Hochschule kennen lernen zu können.

Vielen Dank für das Interview.

Ich danke Ihnen für die Einladung und freue mich auf den Tag bei Ihnen.

Letzte Änderung: 28.8.2017
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