Info.Motion 2005
„Impressionen aus London - Oxford - Edinburgh“
- Charing Cross Road – ein Irrgarten buchhändlerischen Wettbewerbs?!
- The British Library
- Reading Agency
- City Business Library (1 Brewers' Hall Garden, London EC2)
- Oxdord University Press
- Brookes University Oxford
- FINANCIAL TIMES
- Armchair Bookshop
- Napier University Edinburgh
- Ottakar’s – a love for books
- Literary Pub Tour in Edinburgh
- Writers` Museum
Charing Cross Road – ein Irrgarten buchhändlerischen Wettbewerbs?!
Wohl kaum eine Straße ist für ihre Buchkultur so bekannt, wie Londons Charing Cross Road. Im Herzen der Weltmetropole gelegen führt sie vom Tottenham Court zum Charing Cross/Trafalgar Square. Was sie aber so besonders macht, sind die unzähligen Buchhandlungen, die dort ihren Platz gefunden haben. Im Mai 2005 führte uns die Studienreise „info.motion“ dorthin. Aber nicht etwa zum stöbern und Schnäppchen jagen, sondern einige sehr interessante Fachdiskussionen mit den Geschäftsführern der Filialen „Foyles“ und „Blackwells“.
Die wesentlichen Erkenntnisse die wir aus diesen Gesprächen mitnehmen konnten erstrecken sich von der Buchpreisbindung über die Bedingungen die für eine Anstellung als Buchhändler notwendig sind, bis hin zu den unterschiedlichsten geschichtlichen Entwicklungen der Konkurrenten.
Während „Foyles“ sich in der Vergangenheit auf die Bildung spezialisierte und auch heute noch über ein ausgeprägtes Sortiment in diesem Bereich verfügt, liegt „Blackwells“ Stärke eher in der Medizin. Aus diesen Kernkompetenzen ergeben sich natürlich auch spezifische Zielgruppen, die wohl als Stammkunden bezeichnet werden können. Daneben werden aber auch durch das breite wie auch tiefe Angebot an Literatur weitere Bevölkerungskreise, wie Touristen, Studenten und lese interessierte angesprochen.
Da in Großbritannien bekannter maßen keine Buchpreisbindung existiert, ist der Konkurrenzkampf zwischen den Wettbewerbern härter, als vergleichsweise in Deutschland. Um aber marktfähig zu bleiben zu können, versuchen die Filialisten über verschiedenste Sonderaktionen potentielle Käufer anzulocken. So werden neben den üblichen saisonbedingten Events, wie der Beginn des akademischen Jahres oder verschiedene Feiertage, auch andere Niedrigpreis-Konditionen angeboten. Die gebräuchlichste Form dessen schlägt sich in „buy 2 get 3“ Verkäufen nieder. Natürlich wird dabei versucht die Vorgaben der Verlage zu berücksichtigen, um auch ihnen eine Existenz zu sichern. Eine schwierige Gradwanderung zwischen Absatz, Umsatz und Gewinn, die durch weitere Vertriebszweige, wie Supermarktketten verschärft wird. Außerdem wird ein Etablieren gegenüber anderen Anbietern durch ein recht dünnes und nur bedingt vorhandenes Bestellsystem erschwert. Das heißt, während Barsortimente wie Libri oder Umbreit uns eine Buchsendung binnen 24 Stunden ermöglichen, werden im United Kingdom die literarischen Werke größtenteils von den Verlagen selbst geliefert, was längere Wartezeiten nach sich zieht. Wer hier also immer ein gepflegtes und aktuelles Lager zu bieten hat, könnte als Gewinner vom Wettbewerbsplatz ziehen.
Einen weiteren Faktor, der im starken Kontrast zu deutschen Verhältnissen steht, bilden die Bedingungen, unter denen das Personal im Buchgeschäft eingestellt wird. Wir kennen zwei Formen der buchhändlerischen Ausbildung. Zum einen die schulische und zum anderen die akademische. Beide sind in England weitestgehend unbekannt. Was da einen guten „Verkäufer“ ausmacht sind Talent und die Leidenschaft des Lesens. Wirtschaftliche Kenntnisse, wie zum Beispiel der Umgang mit Warenwirtschaftssystemen eignen sich die Angestellten durch „learning by doing“ an.
Somit kann man also sagen, dass wieder einmal der Ausspruch „Andere Länder, andere Sitten!“ seine Bestätigung findet, aber dennoch viele Wege nach Rom bzw. zum Buchverkauf führen.
Antje Bachmann
The British Library
Die British Library als eine der weltweit größten Bibliotheken stand mit an oberster Stelle auf unserer Agenda in London. Phil Maddon, der uns durch die Bibliothek führte, gab uns einen beeindruckenden Einblick in deren Arbeits- und Funktionsweisen.
Die Sammlung der Bibliothek von insgesamt 170 Millionen Objekten, wie z. B. Büchern, Manuskripten, Landkarten, Zeitungen u. v. m., umfasst jede Sprache sowie Schriftstücke jeden Zeitalters. Unter diesen sahen wir z.B. das Notizbuch von Leonardo da Vinci, sowie die Magna Carta aus dem Jahre 1215. Außerdem das Manuskript von Lewis Carroll´s „Alice im Wunderland“ und das Original von Gutenbergs 42-zeiliger Bibel.
Abgesehen von diesen Objekten, wird der Bestand für die Ausleihe im 4geschossigen Keller gelagert. Alles zusammen in Regalen mit einer Gesamtlänge von 200 Meilen, welches einem internationalen Fußballfeld entsprechen würde. Da der Platz jedoch nicht mehr ausreicht, arbeitet die British Library mit dem Dokumenten Zulieferservice in Boston Spa Yorkshire zusammen.
Aufgrund ständig steigender Anzahl an vorrätigen Objekten und dem begrenzten Raum planen sie eine automatische Regalhaltung und digitalisieren bereits einen Teil der Medien.
Die 6 Geschosse oberhalb sind aufgeteilt in 11 Leseräume mit einer Kapazität für insgesamt 1000 Personen. Im Übrigen ist die Bibliothek für jeden zugänglich ohne Eintritt. Im Moment sind 150000 Mitgliedsausweise vergeben.
Eine weitere Möglichkeit für Mitglieder, jedoch noch in der Testphase, ist das Web-Ordering, bei dem man die Verfügbarkeit der Bücher und Vorbestellung automatisch selbst vornehmen kann.
Doreen Vogel
Reading Agency
Ms Penny Shapland, Head of Resources bei der Reading Agency in London kam nach unserem Besuch in der British Library zu uns und informierte über die Aktivitäten der agency. Etwas Vergleichbares gibt es in Deutschland (noch) nicht. Die Innovation und der Ideenreichtum, der sich hinter diesen Aktivitäten verbirgt ist enorm. Immer wieder neue Projekte erreichen neue Leserschaften. Das funktioniert natürlich nur in dem Zusammenspiel und durch die unkomplizierte Kooperation von Verlagen, Buchhandlungen und Bibliotheken. Die Reading Agency agiert dabei als das Verbindungsglied, welches koordinierend die Projekte betreut und eben auch neue Impulse und Anregungen liefert. Aber entscheidend ist, dass die britischen Verlage die zukünftige Bedeutung der Bibliotheken erkennen, was das folgende Zitat belegt:
„We’ve spent too long consigning libraries to the past, when suddenly it’s becoming clear that they have a big part to play in our future. Across our industry a spirit of partnership is opening up new possibilities for books.” (Anthony Forbes-Watson, Chief Executive of Penguin Group)
Wer Interesse hat, sich darüber zu informieren, der schaue auf die Homepage – vielleicht könnte man ja auch die eine oder andere Idee in Deutschland verwirklichen: www.readingagency.org.uk
City Business Library (1 Brewers' Hall Garden, London EC2)
Am Dienstagnachmittag besuchten wir die City Business Library im Zentrum Londons. .Die City Business Library ist eine der führenden öffentlichen Wirtschaftsbibliotheken in Großbritannien.. Die Bibliothek stellt aktuelle Informationen über Firmen, Produkte, Absatzmärkte, Industriezweige und Wirtschaft allen interessierten Benutzern kostenlos zur Verfügung. Dazu gehören neben der wirtschaftsspezifischen Fachliteratur, Jahresberichte von Firmen, nationale und internationale Wirtschaftsbranchenverzeichnisse, statistische Jahrbücher sowie Handelsverzeichnisse. Außerdem werden zahlreiche CD-ROMs, Zeitschriften und Tageszeitungen zur aktuellen Information über das Wirtschaftsgeschehen angeboten. Der Nutzer kann kostenlos in fachspezifischen Datenbank und dem Internet recherchieren. Ein besonderes Angebot der Bibliothek ist der Rechercheservice. Firmen, Anwaltskanzleien oder Privatpersonen können Rechercheaufträge erteilen. Sie werden per Fax, Telefon oder Email mit Marktforschungsdaten, Zeitungsartikeln, Lieferanten- und Herstelleradressen sowie anderen geforderten Informationen versorgt.
Kirstin Baumgarten
Oxdord University Press
Am Mittwoch, dem 11.05.2005, fuhr die Gruppe morgens mit dem Zug von London nach Oxford. Dort angekommen, führte der erste Weg zur Oxford University Press (OUP), einem der ältesten Verlage der Welt.
Pünktlich um 11 Uhr empfing Martin Maw die Studenten am Eingang des im Stile eines Colleges erbauten Verlagshauptgebäudes in der Great Clarendon Street. Er führte die Gruppe sogleich in das hauseigene Museum, wo sie ein einstündiger interessanter und detaillierter Vortrag zur Geschichte des Hauses erwartete.
Martin Maw schilderte die Anfänge des Buchdrucks in England, wo das erste Buch 1476 gedruckt wurde. Nur zwei Jahre später druckte Theodoric Rood das erste Buch in Oxford. Der eigentliche Beginn der Verlagstätigkeit erfolgte jedoch im Jahre 1586, als die Universität das Privileg verliehen bekam, „Bücher aller Art“ zu drucken. Im 17. Jahrhundert kam die besondere Erlaubnis hinzu, eine vom König autorisierte Version der Bibel zu veröffentlichen. Diese Erlaubnis legte den Grundstein für ein überaus profitables Geschäft während der folgenden 200 Jahre und die Expansion von OUP innerhalb des Königreiches. Der internationale Aufstieg des Verlages begann 1896 mit der Eröffnung einer Niederlassung in den USA. Heute ist Oxford einer der weltweit wichtigsten Verlage im Bereich Wörterbücher und Lernmedien.
Zahlreiche Ausstellungstücke belebten Martin Maws Ausführungen zur Geschichte des Hauses. So konnten die Studenten frühe Druckerzeugnisse anschauen und anfassen oder auch selbst eine alte Druckerpresse bedienen. Sie erhielten so einen interessanten Einblick in ein wichtiges Stück britischer Verlagsgeschichte.
Leander Wattig
Brookes University Oxford
Am dritten Tag unserer Englandreise fuhren wir mit dem Zug von London nach Oxford.
Nachdem wir uns in der Oxford University Press umgeschaut hatten, machten wir uns zu Fuß auf in Richtung Brookes University. Nach circa 1 Stunde Fußmarsch waren wir endlich angekommen und kamen an ein großes Tor hinter, dem uns gleich ein netter Pförtner empfing und uns gesagt hat, wo auf diesem Gelände der Fachbereich „Publishing“ sei.
Dort angekommen empfingen uns zwei Professoren, begleitet von zwei Studentinnen, die uns nun in den folgenden Stunden betreuten.
Nach einem kurzen Small-Talk zu unserer Reise, den Zielen und Inhalten wollten die beiden Professoren natürlich erst einmal über die HTWK und das Studium am Fachbereich Buch und Museum informiert werden.
Dann gaben uns die Professoren eine kleine Einführung über die Geschichte, Studieninhalte und -möglichkeiten an der Brookes University. Danach wurden wir durch das Haus geführt und wir erfuhren, dass neben „Publishing“ in diesem Haus auch „Art“ unterrichtet wird und man merkte es dem Charme des Treppenhauses auch an. Was uns alle sehr begeistert hat, waren die technischen Möglichkeiten, die die Studenten dort vor Ort gegeben haben, es gibt dort z.B. ein Mac-Labor, ein PC-Pool oder aber auch ein richtiges kleines Fotostudio mit allen technischen Raffinessen.
Als wir drinnen alles erkundet hatten, machten wir uns mit den zwei Studentinnen auf um den Campus zu begutachten. Und wir wurden nicht enttäuscht. Auf dem Campusgelände wird einfach alles geboten, was man als Student zum Leben braucht: eine riesige Sportanlage – indoor wie outdoor –, eine große Bibliothek, eine kleine Shoppingmall und eine Disko mit Pub.
Während unseres Rundgangs kam ich mit einer der beiden Studentinnen ins Gespräch und wir tauschten uns über die Unterschiede in der Branche zwischen Deutschland und England aus. Bis wir schließlich an den Punkt gelangten, dass die dortigen Studenten auch einmal zu uns nach Leipzig kommen könnten. Und so tauschten wir Kontakte aus und hoffen nun, dass es so schnell wie möglich zu einem lehrreichen und auch lustigen Treffen in Leipzig kommt.
Susann Geißler
FINANCIAL TIMES
Donnerstagnachmittag öffnete die Financial Times für uns ihre Tore. Andrew Bolger, seines Zeichens einziger Außenreporter der Wirtschaftszeitung in Schottland, gab einen Einblick in den Aufbau des britischen Zeitungsmarktes im Allgemeinen und die Strukturen der FT im Besonderen. Er stellte dar, dass die Verkaufszahlen im UK zurzeit stagnieren, auf dem asiatischen Markt aber geradezu zu explodieren scheinen.
Wie die meisten anderen Presseerzeugnisse, finanziert sich auch die Financial Times hauptsächlich über Anzeigen, hat aber gerade im Abonnementbereich stark zugelegt. Ebenfalls wachsend ist die Nutzung der kostenfreien Onlineversion, ca. 3 Mio. Nutzer verzeichnet die Zeitung täglich weltweit.
3 bis 4 Artikel schreibt Andrew Bolger an einem viel beschäftigten Tag, wobei bei der Financial Times mehr Wert auf Hintergrundanalyse als auf schlichte Wirtschaftsmeldung gelegt wird. Nachdem alle Artikel in London ein einheitliches Layout verpasst bekommen haben, werden sie in den zwei hauseigenen Druckereien in London und Leeds vervielfältigt und von dort in alle Teile Großbritanniens verteilt.
Nach einem 30-minütigen Gespräch endete der Besuch schließlich in einem politischen Diskurs über sinkende Bevölkerungszahlen und Schottlands Rolle in Großbritannien.
Berit Müller
Armchair Bookshop
Ein weiteres Ziel unserer Studienreise war der Armchair Bookshop in Edinburgh. Unterteilt in 2 kleine Ladengeschäfte findet man hier insgesamt ca. 200.000 zum Teil seltene Second-Hand-Bücher, aber auch wenige besonders schön aufgemachte neue Ware. Neben dem Inhaber Mr. William Lytle selbst sind hier immer wieder wechselnde an Büchern interessierte Angestellte aus aller Welt beschäftigt. Das breite Sortiment, welches durch den Ankauf von Privatleuten, die Teilnahme an Auktionen oder auch aufgrund von Geschäfte mit anderen Buchhändlern zusammengetragen wurde, hält für viele Geschmäcker kleine Kostbarkeiten bereit. Besonders spezialisiert hat man sich auf viktorianische und schottische Literatur.
Mr. Lytle kennt nach eigener Aussage alle seine Bücher und findet sie auch auf Anhieb in den langen, bis zur Decke reichenden Bücherregalen. Sein Erfolgsrezept – die richtige Reihenfolge. Kalkuliert werden alle Bücher noch ohne Computer. Auch ein Warenwirtschaftssystem sucht man bei Armchair Books vergeblich. Grundlage für den eigenen Preis sind lediglich Onlineangebote anderer Händler für dasselbe oder ähnliche Bücher sowie das eigene Empfinden. Für die ca. 100 Stammkunden werden unter Umständen auch Besorgungsgeschäfte getätigt.
Neben dem Verkauf beschäftigen sich die Mitarbeiter auch mit dem Reparieren alter, beschädigter Bücher. Dies bringt zwar nach Aussage des Inhabers nicht sehr viel Geld, aber man hat Spaß daran und freut sich, die Nachfrage der Kunden befriedigen zu können.
Vertrieben werden die vielen Bücher allerdings nicht nur im stationären Shop, sondern auch im Internet. Seit Januar 2005 können Kunden aus aller Welt unter www.armchairbooks.co.uk im Angebot von Mr. Lytle stöbern. Meist wird dies von Kunden aus Großbritannien, den USA und Neuseeland genutzt. Das Interesse vom europäischen Festland war bisher nur sehr zaghaft. Auch ohne diesen Service lief der Laden gut. Mr. Lytle ist allerdings überzeugt, dass in Zukunft immer mehr Bücher über diesen Vertriebskanal verkauft werden und kann sich schon jetzt über steigende Umsätze freuen.
Nichtsdestotrotz bleibt der persönliche Kundenkontakt essentiell für ihn als Buchhändler und macht somit seine Arbeit im urigen Armchair Bookshop zu einem eigenen Lebensgefühl.
Katja Osterburg
Napier University Edinburgh
Ein Blick in die unter Buchliebhabern wohl bekannte Edward Clark Book Collection der Napier University in Edinburgh verriet den Exkursionsteilnehmern des Studiengangs Buchhandel/Verlagswirtschaft: „Scotland is in the northern part of the island in which England also is situated, separated from England by small rivers and hills.” Mit diesen Worten beschrieben deutsche Mönche 1493 in den „Nuremberg Chronicle Liber Chronaricum“ den Norden Großbritanniens.
Gut 500 Jahre später ist es an uns, ein differenzierteres Bild über unsere Erfahrungen an der Napier Universität in Edinburgh zu geben. Am Freitag, den 13. Mai 2005 empfing Mike Storie, der Verantwortliche für den Publishing Masterstudiengang, unsere 10-köpfige Truppe auf dem Craighouse Campus. Von ihm erfuhren wir mehr über die verschiedenen Möglichkeiten, im Fachbereich „Communication & Creative Industries“ zu studieren. Unser Interesse galt natürlich speziell dem Studiengang Publishing, den es bereits seit 1968 an der Napier gibt. Damals begannen allerdings nur 6 Studenten das erste Semester in dieser Fachrichtung. Heute beginnen hier jährlich 40 Studenten das Publishing Studium, um es nach drei Jahren mit einem Bachelor abzuschließen. Anschließend an den Bachelor in Publishing ist es möglich, den Bachelor of Honors und den Masterstudiengang Publishing zu belegen. Das Ziel des Studiums ist es, Kompetenzen aufzubauen, die die Absolventen benötigen, um Aufgaben in der Medienbranche zu lösen. Die Türen zu jedem dieser Kurse stehen auch internationalen Studenten offen, wobei anzumerken ist, dass die Postgraduate-Kurse um die 3000 ₤ jährlich kosten.
Nach einer kleinen Stärkung durch einen schwarzen Tee und typisch schottischen Butterkeksen gab es eine Führung durch die altehrwürdigen Gemäuer des Campusgeländes. Kontrastreich dazu war die Besichtigung des in 2004 neu eröffneten Craiglockhart Campus, dem wohl modernsten Universitätsbau Großbritanniens. Nach zahlreichen Ohhs und Ahhs bei der Besichtigung dieses Neubaus für die Wirtschaftswissenschaftler nutzten wir die Möglichkeit, die bereits erwähnte Edward Clark Sammlung zu besichtigen, die bei vielen von uns einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Wo hat man sonst die Möglichkeit, einmal Inkunabeln (bedruckte Bücher des ausgehenden 15. Jahrhunderts) in den eigenen Händen zu halten. Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass die Vorzüge der Napier Universität nicht auf ein Blatt zu bringen sind und daher empfehlen wir jedem, bei dem ein Interesse geweckt wurde die Internetseiten der Napier University in Edinburgh: www.napier.ac.uk oder info@napier.ac.uk
Matti Holtmann
Ottakar’s – a love for books
Dass die Mitarbeiter bei Ottakar’s Bücher nicht nur verkaufen, sondern wirklich lieben, merkt man sofort, wenn man eine der dunkelgrünen Filialen betritt. Von der Gleichförmigkeit in Laden- und Sortimentsgestaltung, die man bei Buchhandelsketten oft antrifft, ist bei Ottakar’s - obwohl mit mehr als 130 Filialen selbst eine der großen - kaum etwas zu spüren. Es gehört zur Unternehmensphilosophie, die Geschäfte möglichst individuell an den Ort anzupassen, an dem sie sich befinden. Und das bedeutet auch, den Mitarbeitern völlig freie Hand zu lassen.
Einer dieser Bücherliebhaber und Manager der Edinburgher Filiale in der George Street ist Matthew Perren. Mit viel Enthusiasmus für seine Arbeit und Geduld für unsere zahllosen Fragen berichtete er uns aus dem Alltag in einer britischen Buchhandlung. Besonders beeindruckt waren wir von dem eigens für Ottakar’s entwickelten und klug durchdachten Intranet, in das uns Matthew freimütig Einblick gewährte. Dieses System hält für jeden Mitarbeiter auf Mausklick wichtige Daten bereit, ermöglicht die ständige Kommunikation zwischen den einzelnen Filialen und macht sogar das Wälzen von Verlagskatalogen überflüssig.
Service wird bei Ottakar’s groß geschrieben, und es ist keineswegs nur eine hohle Phrase. Denn zwischen den einladenden, dunklen Holzregalen darf nur arbeiten, wer sich für Bücher begeistern kann – und diese Begeisterung auch an die Kunden weitergibt.
Anett Daniel
Literary Pub Tour in Edinburgh
„City of everywhere, broken necklace in the sun, you are caves of guilt, you are pinnacles of jubilation.”
So beschreibt der Poet Norman MacCaig den vielseitigen Reichtum der Stadt Edinburgh, die so viele faszinierende Schriftsteller und Dichter hervorgebracht und geprägt hat, von denen einige auch heute noch weit über die schottischen Landesgrenzen bekannt sind.
Auf den Spuren dieser literarischen Größen wollen wir wandeln und belegen daher einen lebhaften Crash-Kurs in „Schottischer Literatur“ bei der Scottish Literary Tour Trust in Form einer Literary Pub Tour. Denn, wohlgemerkt, scheinbar keine einzige Literaten-Biographie in Schottland kommt an den „pubs and taverns“ von Edinburgh vorbei:
Hier trifft sich das Volk. Hier wird debattiert. Hier spielt sich das intellektuelle und kulturelle Leben ab. Und: hier wird getrunken, was das Zeug hält.
Wie merkwürdig das in manchem Ohr auch klingen mag, aber der Schwung, der Einfallsreichtum und die verbale Magie in vielen schottischen Werken rührt wahrscheinlich von den zahlreichen „dams and pints of ale“ her. Ja, viele Ideen, viele literarische Stoffe wurden sogar erst hier, in der trinkenden Gesellschaft, entdeckt und entwickelt. So zumindest ist die Auffassung des Lebemannes Mr. Clart, einer fiktiven Figur, die uns während der ganzen Tour begleitet und die in der ebenfalls fiktiven, intellektuellen Mrs. McBrain ihren Kontrapunkt findet. Es ist der Antagonismus dieses von Martin McNaughton und Dewi Wynne Jones verkörperten Paares, der die Literary Pub Tour zu einem unvergesslichen Erlebnis macht.
Zum einen diskutieren die Beiden leidenschaftlich, inwiefern die Trinkhallen und Freudenhäuser inspirierend auf Künstler und ihr Schaffen seit dem 18. Jahrhundert gewirkt haben mögen. Ausgangspunkt dieses immer wiederkehrenden Widerstreits sind die biographischen Stationen einzelner „Dichter und Denker“, angefangen von Robert Fergusson und Robert Burns über Sir Walter Scott und Henry Mackenzie bis hin zu Robert Louis Stevenson und Deacon Brodie. Dabei werden einige dieser Lebensstationen schauspielerisch recht amüsant und anspruchsvoll nachgestellt, so etwa die platonische Liebesbeziehung zwischen Robert Burns und seiner Brieffreundin Clarinda alias Nancy McLehose.
Des Weiteren verraten uns Mr. Clart und Mrs. McBrain im Laufe des zweistündigen Rundgangs die Hintergrundgeschichten für so bekannte Romane wie „ Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ (Stevenson) oder „Waverly“ (Scott) und tragen uns Gedichte und Schlüsselsätze in der schottischen Literatur sowohl in Englisch als auch im traditionellen Schottisch vor.
Die Literary Pub Tour ist eine sehr interessante Reise durch Raum und Zeit in der Welt schottischer Literaten: sie beginnt am historischen Grassmarket und führt von dort einmal quer durch die Old Town in die New Town mit kurzen Aufenthalten in fünf verschiedenen Pubs. Dabei liefern Mr. Clart und Mrs. McBrain als „laufendes Theater“ informative Fakten und Anekdoten aus den letzten 300 Jahren Literatur- und Landesgeschichte. Den 1997 verliehenen Scottish Thistle Award for Arts and Tourism haben sich die beiden Schausteller in unseren Augen redlich, wortwörtlich „redlich“ verdient!
Cornelia Kinsky
Writers` Museum
Das Schriftsteller-Museum ist dem Leben und der Arbeit der drei bekanntesten schottischen Schriftsteller gewidmet: Robert Burns (1759-1796), Sir Walter Scott (1771-1832) und Robert Louis Stevenson (1850-1894).
Das Schriftsteller-Museum befindet sich im historischen Lady Stair`s House, das 1622 für Sir William Grey of Pittendrum, einen Edinburgher Kaufmann, erbaut wurde.
Unter den Ausstellungsstücken befinden sich der Stockdegen, den Robert Burns bei seiner Arbeit als Zollbeamter benutzte und sein Schreibtisch aus seinem Haus in Dumfries; Sir Walter Scotts Schachfiguren, das Schaukelpferd aus seiner Kinderzeit und sein Esstisch aus seinem Haus NR. 39 Castle Street; die Druckerpresse, auf der Scotts Waverley- Romane gedruckt worden sind; Robert Louis Stevensons Angelrute, seine Pfeife und die Reitstiefel, die er während seines Aufenthalts auf Samoa trug.
Ruth Deppenwiese
zuletzt aktualisiert am 19.01.2011E-Mail an den Autor senden












