Krieg oder Biowasserstoff
Öffentliche Ringvorlesung der HTWK Leipzig beginnt am 14.10.2009
07.10.2009,Leipzig, Oktober 2009 – Im Wintersemester 2009/2010 veranstaltet die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK Leipzig) im Studium generale die Ringvorlesung „Krieg oder Biowasserstoff“. Sie findet ab 14. Oktober 2009 jeweils mittwochs 17.15 Uhr im Laborgebäude Naturwissenschaften, Gustav-Freytag-Straße 41a, Raum LNW006, statt. Die Leitung hat Professor Dr. rer. nat. Klaus Bastian, der zahlreiche hochkarätige Referenten aus Wissenschaft und Wirtschaft eingeladen hat. Interessierte sind herzlich willkommen; die Vorlesung ist öffentlich. Das vollständige Programm mit allen Terminen finden Sie anbei.
Die Lösung Energiefrage ist die Frage der Fortexistenz der Menschheit schlechthin. Auf Grund der Verknappung der fossilen Primärenergieträger Öl und Gas drohen die westlichen Nationen de facto mit Krieg. Selbst „Rettungsaktionen“, das heißt statt Erdöl Sonnenenergie aus den arabischen beziehungsweise islamischen Ländern Nordafrikas zu fördern, vermindert diese Kriegsbedrohung nicht. Was fehlt ist ein technisches Konzept der Energiegewinnung, das Energieautarkie und damit letztlich den Frieden gewinnen und sichern lässt.
Ein technisches Konzept der Energiegewinnung beziehungsweise genauer des Energiemanagements, das dies ermöglichen würde, hat Karl-Heinz Tetzlaff in seinem Buch „Wasserstoff für alle“ vorgestellt (www.bio-wasserstoff.de). Die Grundidee ist so radikal wie bahnbrechend. Das heutige Energieversorgungssystem mit seinem Sekundärenergieträger Strom, seinem Stromverbundnetz, den zugehörigen Kraftwerken (Atom, Öl, Kohle) und mit seinen thermodynamischen Prozessen wird abgelöst. Und zwar durch den Sekundärenergieträger Wasserstoff, der aus Biomasse hergestellt und über ein Gasnetz verteilt wird. Dieses ist von der Erdgastechnik her vorhanden, technisch erprobt und nach nur kleinen Umbauten sofort nutzbar.
Drei Probleme – eines davon nur ein Denkproblem – gilt es zu lösen.
• Die Biowasserstoffherstellung muss gelingen, und zwar effizient, d.h. wirtschaftlich. Hier macht Tetzlaff Vorschläge, wie mit bekannten chemischen Umwandlungen der Verfahrenstechnik direkt und verlustarm aus Biomasse Wasserstoff hergestellt werden kann. Die Biomasse kann auf den einheimischen Feldern wachsen. Die „Ölscheichs“ der Biowasserstoffwirtschaftsgesellschaft werden die Bauern sein. Die Kartellgesetze müssen so gestaltet werden, dass der Mittelstand im Bereich der Energie- bzw. hier dann eben Rohstoffgewinnung nicht unter die Räder von Monopolbetrieben gerät (wie heute bei Öl und Strom zu beobachten).
• Die Verbraucher, Haushalte und Industrie, müssen technisch so ausgestattet sein, dass sie mit dem ihnen angelieferten Wasserstoff sowohl ihren Wärme- als auch ihren Strombedarf decken können. Dazu muss es auch möglich sein, Autos mit Wasserstoff zu betreiben, diese also im Prinzip am Gasnetz „betanken“ zu können. Die zugehörige Technik scheint die Brennstoffzelle zu sein. Diese lässt am einfachsten die Aufteilung und Verteilung von Wärme- und Strom dezentral vor Ort gelingen.
• Die Ideologie, dass ein Energieversorgungssystem unbedingt mit einem Stromnetz bekannter Art funktionieren müsse, muss überwunden werden. Wenn das Biowasserstoffsystem installiert ist und funktioniert, dann wird es nicht mehr nötig sein, über Stromverbundnetze den Strom zu beziehen. Eine konsequent dezentrale Kraft-Wärme-Kopplung auf Basis von Brennstoffzellen hat die Wärme als primäre Nutzenergie und liefert Strom im Überschuss. Eine wärmegeführte Energiewirtschaft ist auf Verbraucherseite praktisch verlustfrei. Das Biogasverbundnetz mit Herstellern und Nutzern arbeitet um den Faktor zwei effizienter als jedes Stromverbundnetz. Und die Gasrohrleitungen dienen als Speicher. Den Klima- und Umweltschutz bekommen wir gratis hinzu.
In der Ringvorlesung sollen die Argumente von Befürwortern und Gegnern dieses Konzeptes vorgestellt und diskutiert werden. Die Studenten sollen sich mit dem komplexen Sachverhalt befassen und die Frage untersuchen, ob eine solche Transformation des Energiesektors wünschenswert ist und wie man ihn beginnen muss. Vollständige Informationen kann man hier nicht geben, aber die wesentlichen Möglichkeiten, Engpässe und Konflikte werden dargestellt.
Ringvorlesung im Studium generale der HTWK Leipzig
Krieg oder Biowasserstoff
Jeweils mittwochs 17.15 Uhr in LNW006, Gustav-Freytag-Straße 41a
14.10.2009 Prof. Dr. rer. nat. Klaus Bastian (HTWK Leipzig):
Peak-Oil, grüner Strom, grüner Wasserstoff – Herausforderungen des Energiewandels
21.10.2009 Prof. Dr. rer. nat. Rainer Stich (HTWK Leipzig):
Wasserstoff chemisch und physikalisch
28.10.2009 Dipl.-Ing. Karl-Heinz Tetzlaff (www.bio-wasserstoff.de):
Krieg oder Biowasserstoff – wie wir der Öl-, Klima- und Kostenfalle entkommen
04.11.2009 Dr. Ulf Bossel (European Fuel Cell Forum Luzern):
Wasserstoff löst keine Energieprobleme.
– Regenerativ erzeugter Strom ist die Leitwährung der solaren Energiewirtschaft.
11.11.2009 Seminar
Bet- und Bußtag
25.11.2009 Dr. Marco Klemm (Deutsches Biomasse-Forschungszentrum Leipzig):
Biomasse – Potentiale und Umwandlung in Wasserstoff
02.12.2009 Dr. Leonhard Kasek (NABU Leipzig):
Konflikte im Umgang mit der Natur
09.12.2009 Dipl.-Ing. Karl-Heinz Tetzlaff (www.bio-wasserstoff.de):
Die grüne Wasserstoffwirtschaft, Ressourcen und Effizienz
16.12.2009 Seminar
Jahreswechsel
06.01.2010 Dipl.-Ing. Mike Nagler (April-Netzwerk):
Den Paradigmenwechsel selbst in die Hand nehmen
– Wie beginnt man energiepolitische Kurswechsel
13.01.2010 Dipl.-Ing. Gert Müller-Syring (DBI Gas- und Umwelttechnik):
Vorbereitung der Wasserstoffwirtschaft unter Nutzung des bestehenden Erdgasleitungsnetzes als Katalysator
20. 1. 2010 Dipl.-Ing. Klaus-Joachim Pfeuffer (Stadtwerke Leipzig):
Stadtwerke und ihre Gasnetze in einer Wasserstoffwirtschaft
27.01.2010 Schlussveranstaltung
Das Programm finden Sie auch hier.
Die einzelnen Termine der Ringvorlesung sind hier aufgelistet.
Ansprechpartner:
Prof. Dr. rer. nat. Klaus Bastian
Fakultät Informatik, Mathematik und Naturwissenschaften, HTWK Leipzig
Telefon: 0341/3076-6432
Mail: bastian (at) imn.htwk-leipzig.de
zuletzt aktualisiert am 12.05.2011E-Mail an den Autor senden

