Senioren und ihre Erwartungen an Museen
Arnold-Vogt-Preis für Museumspädagogik wurde verliehen
02.01.2012, Verfasser: Fakultät MedienZum fünften Mal konnte die Fakultät Medien am 22. November 2011 den Arnold-Vogt-Preis für Museumspädagogik verleihen. Die Jury hatte einstimmig entschieden, den Preis 2011 der Dissertation von Esther Gajek "Seniorenprogramme an Museen: Eine ethnographische Annäherung an die Diversität der Erfahrungen der Teilnehmer", zuzuerkennen.
Der demographische Wandel und die Propagierung der "Best Agers" und "Silver Agers" als ergiebige Zielgruppen sind Anlass genug, die Programmangebote der Museen für ältere Menschen zum Trendthema zu machen; ein gelungenes Beispiel, wie diese Aktualität aufgegriffen werden kann, bot schon die 2009 publizierte Leipziger Diplomarbeit "Wie seniorengerecht sind Museen?" von Julia Kubicek.
Ganz im Sinn der "Erfahrungswissenschaft" bringt die preisgekrönte Untersuchung von Esther Gajek endlich die Perspektive der "Betroffenen" von Seniorenangeboten in die Fachdiskussion ein: Statt Sekundäranalysen von politischen Leitlinien, didaktischen Konzepten, Veranstaltungsprogrammen und Selbstdarstellungen nahm sie die Perspektive der älteren Menschen auf durch teilnehmende Beobachtungen, die ihrerseits den Weg zu unstrukturierten Interviews mit älteren Menschen ebneten. Damit erschließt sie erstmals unvermittelt die Erwartungshaltungen und Mitwirkungsbereitschaften älterer Menschen gegenüber Museen und deren Angeboten und proklamiert einen Paradigmenwechsel, weg vom "Betreuungsobjekt", hin zu älteren Menschen, die sich aktiv einbringen möchten, eigene Erfahrungen sammeln wollen und in Veranstaltungsteilnahmen zunächst die Abwechslung und den sozialen Kontakt sehen und nicht die Abnahme konfektionierter Leistungen.
Im Rahmen der Verleihungsfeier stellte Esther Gajek ihre Dissertation in Grundzügen vor. Besonders ergiebig für die Zuhörenden, insbesondere die erschienenen Studierenden, war ihr Ansatz, weniger gesicherte Forschungsergebnisse vorzulegen als den Weg dorthin aufzuzeigen. Selbstkritische Beobachtung der eigenen Vorgehensweise ist als "ethnologischer Blick" in der Volkskunde selbstverständlich; es war überzeugend nachzuvollziehen, wie viele mangelhafte Vorwegannahmen beispielsweise in den während der beobachteten museumspädagogischen Programme angefertigten, scheinbar anspruchslosen Dokumentationsfotos stecken. Zu tragfähigen Ergebnissen gelangt oft nur, wer Irrwege als solche erkennt und sich unterwegs getraut, von vorn zu beginnen – das hat diese Studie zu Seniorenprogrammen bestens belegt.
Ester Gajek studierte Volkskunde an der Universität München; mit der nun preisgekrönten Arbeit wurde sie in Vergleichender Kulturwissenschaft von der Universität Regensburg promoviert. Die Buchpublikation hat inzwischen der Waxmann-Verlag, Münster, für Herbst 2012 angekündigt. Unbeabsichtigt belegt diese Untersuchung die Vielfalt der akademischen Disziplinen, die – neben vielem anderem – museumspädagogische Fragestellungen bearbeiten. Die sieben Bewerbungen für den Arnold-Vogt-Preis 2011 langten aus sieben Hochschulen an, von denen fünf bisher noch nicht unter den Bewerbungen vertreten waren; Kunsthochschulen, Pädagogische Hochschulen und Universitäten beteiligen sich gleichermaßen.
Die HTWK Leipzig lobt den Arnold-Vogt-Preis seit 2006 jährlich aus; zuletzt wurde der Preis 2009 vergeben, da sich die Jury 2010 entschied, keiner der eingereichten Hochschulschriften den Preis zuzuerkennen. Der Preis soll an Dr. Arnold Vogt (1952–2004) erinnern, der von 1993 bis 2004 als Professor für Museumspädagogik an der HTWK Leipzig lehrte. Arnold Vogt brachte sich mit zahlreichen Publikationen in die Theorieentwicklung der Bildungsarbeit an Museen und sowie der Geschichtsdidaktik ein, gleichermaßen in die Museumspraxis, unter anderem als Gründungsmitglied und Ehrenvorsitzender des Arbeitskreises Museumspädagogik Ostdeutschland e.V.
Prof. Dr. Dr. Markus Walz
Studiendekan des Studiengangs Museologie
zuletzt aktualisiert am 2.01.2012E-Mail an den Autor senden


