Krieg oder Biowasserstoff
Prof. Dr. Klaus Bastian
Die Lösung der Energiefrage ist die Frage der Fortexistenz der Menschheit schlechthin. Aufgrund der Verknappung der fossilen Primärenergieträger Öl und Gas drohen die westlichen Nationen de facto mit Krieg. Selbst "Rettungsaktionen", d.h. statt Erdöl Sonnenenergie aus den arabischen bzw. islamischen Ländern Nordafrikas zu fördern, vermindert diese Kriegsbedrohung nicht. Was fehlt ist ein technisches Konzept der Energiegewinnung, das Energieautarkie und damit letztlich den Frieden gewinnen und sichern lässt.
Ein technisches Konzept der Energiegewinnung bzw. genauer des Energiemanagements, das dies ermöglichen würde, hat Karl-Heinz Tetzlaff in seinem Buch "Wasserstoff für alle" vorgestellt. Die Grundidee ist so radikal wie bahnbrechend. Das heutige Energieversorgungssystem mit seinem Sekundärenergieträger Strom, seinem Stromverbundnetz, den zugehörigen Kraftwerken (Atom, Öl, Kohle) und mit seinen thermodynamischen Prozessen wird abgelöst. Und zwar durch den Sekundärenergieträger Wasserstoff, der aus Biomasse hergestellt und über ein Gasnetz verteilt wird. Dieses ist von der Erdgastechnik her vorhanden, technisch erprobt und nach nur kleinen Umbauten sofort nutzbar.
Drei Probleme - davon eins nur ein Denkproblem - gilt es zu lösen.
1. Die Biowasserstoffherstellung muss gelingen und zwar effizient, d.h. wirtschaftlich. Hier macht Tetzlaff Vorschläge, wie mit bekannten chemischen Umwandlungen der Verfahrenstechnik direkt und verlustarm aus Biomasse Wasserstoff hergestellt werden kann. Die Biomasse kann auf den einheimischen Feldern wachsen. Die "Ölscheichs" der Biowasserstoffwirtschaftsgesellschaft werden die Bauern sein. Die Kartellgesetze müssen so gestaltet werden, dass der Mittelstand im Bereich der Energie- bzw. hier dann eben Rohstoffgewinnung nicht unter die Räder von Monopolbetrieben gerät (wie heute bei Öl und Strom zu beobachten ist).
2. Die Verbraucher, Haushalte und Industrie müssen technisch so ausgestattet sein, dass sie mit dem ihnen angelieferten Wasserstoff sowohl ihren Wärme- als auch Strombedarf decken können. Dazu muss es auch möglich sein, Autos mit Wasserstoff zu betreiben, diese also im Prinzip am Gasnetz "betanken" zu können. Die zugehörige Technik scheint die Brennstoffzelle zu sein. Diese lässt am einfachsten die Aufteilung und Verteilung von Wärme und Strom dezentral vor Ort gelingen.
3. Die Ideologie, dass ein Energieversorgungssystem unbedingt mit einem Stromnetz bekannter Art funktionieren müsse, muss überwunden werden. Wenn das Biowasserstoffsystem installiert ist und funktioniert, dann wird es nicht mehr nötig sein, über Stromverbundnetze den Strom zu beziehen. Eine konsequent dezentrale "chemische Kraft-Wärme-Kopplung" auf Basis von Brennstoffzellen hat die Wärme als primäre Nutzenergie und liefert Strom im Überschuss. Eine wärmegeführte Energiewirtschaft ist auf Verbraucherseite praktisch verlustfrei. Das Biogasverbundnetz mit Herstellern und Nutzern arbeitet um den Faktor zwei effizienter als jedes Stromverbundnetz und die Gasrohrleitungen dienen als Speicher. Den Klima- und Umweltschutz bekommen wir gratis hinzu.
In der Ringvorlesung sollen die Argumente von Befürwortern und Gegnern dieses Konzeptes vorgestellt und diskutiert werden. Die Studenten sollen sich mit dem komplexen Sachverhalt befassen und die Frage untersuchen, ob eine solche Transformation des Energiesektors wünschenswert ist und wie man ihn beginnen muss. Vollständige Informationen kann man hier nicht geben, aber die wesentlichen Möglichkeiten, Engpässe und Konflikte werden dargestellt.
Zu folgenden Themen werden Fachleute ihres Gebietes Vorträge halten:
- Biowasserstoff
- Biomasse - Potenzial und Umwandlung in Wasserstoff
- Konflikte im Umgang mit der Natur
- Stadtwerke und ihre Gasnetze in einer Wasserstoffwirtschaft
- Den Paradigmenwechsel selbst in die Hand nehmen
- Wasserstoff chemisch und physikalisch
- Brennstoffzellen, Stand der Entwicklung und Perspektiven
- Landwirtschaft - Kosten und Lieferstabilität von Energiepflanzen
- Braunkohle als Alternative?
- Der demographische Wandel und die Energiepioniere
zuletzt aktualisiert am 26.07.2012E-Mail an den Autor senden
Dr. rer. nat.
