
Wo steht der Mensch?
Öffentliche Ringvorlesung im Studium generale
Giordano Bruno starb am 17. Februar 1600 auf dem Scheiterhaufen. Er hatte als erster die Unendlichkeit des Universums postuliert und damit gleich zweifach gegen die Vorstellungen seiner Zeit verstoßen: Eine unendlich ausgedehnte (materielle) Welt ließ keinen Platz mehr für ein Jenseits, ein Universum von ewiger Dauer stellte Schöpfung und jüngstes Gericht infrage.
Er rüttelte damit nicht nur an den Dogmen der Kirche. Er nahm den Gläubigen auch die Gewissheit der Errettung ihrer Seelen, der Vergebung ihrer Sünden und des Einzugs in das Paradies – oder ins Fegefeuer. Der Sinn des Lebens war bis dahin klar definiert und für jedermann offenbar. Nun kam Zweifel am Jenseits auf. Bei Menschen, die sich den aufkommenden Naturwissenschaften zuwandten, verlor die Kirche an Autorität. Sie suchten die Antworten auf ihre Fragen nicht mehr in der Bibel, sondern bei Galileo Galilei, Francis Bacon, René Descartes, den Wegbereitern unseres modernen Wissenschaftsverständnisses.
Physik, Chemie und Biologie entwickelten seitdem eine enorme Dynamik, versprachen sie doch Antworten auf die faustische Frage, „was die Welt im Innersten zusammenhält“. Doch bei allem Wissenszuwachs geriet der ursprüngliche Auftrag, den „Sinn des Lebens“ zu ergründen, ins Hintertreffen.
Vier Jahrhunderte nach Giordano Bruno wollen wir uns die Frage stellen, was aus der einstigen „Krone der Schöpfung“ geworden ist. Welche Antworten können uns Hirnforschung, Biochemie und andere Disziplinen auf die von Immanuel Kant formulierte Frage „Was ist der Mensch?“ geben.
Was zeichnet den Menschen gegenüber anderen Organismen aus? Steht er an der Spitze der Evolution oder ist er eine bedeutungslose Erscheinung im Lauf der Erdgeschichte? Warum suchen wir überhaupt nach einem Sinn im Leben? Und wie halten wir Menschen es mit der Religion? Wird uns Glaube nur antrainiert oder dürstet unser Gehirn nach Mystik und ewigen Wahrheiten?
Termine
Mittwochs, 17:15 – 18:45
21. März 2012 – 20. Juni 2012
Ort
HTWK Leipzig, Karl-Liebknecht-Straße 132, 04277 Leipzig
Raum G119
Programm
21.03.2012
Von der Krone der Schöpfung an die Spitze der Evolution? - Eine Einführung in die Vorlesungsreihe
Dr. rer. nat. Martin Schubert (HTWK Leipzig)
28.03.2012
Aufklärung 2.0
Andreas Müller, M. A., Philosoph und Autor (Würzburg)
04.04.2012
Unsere haarige Verwandtschaft: Zum Verhältnis Mensch-Menschenaffe
Dr. Colin Goldner (Great Ape Project)
11.04.2012
Ich sehe was, was Du nicht siehst – visuelle Halluzinationen
Prof. Dr. Erich Kasten (Georg-August-Universität Göttingen)
18.04.2012
Atheismus – Von der Religionskritik zur Weltanschauung
Prof. Dr. sc. nat. Knut Löschke (Leipzig)
25.04.2012
Keine Angst vor Gott. Zur Aktualität der Mystik Meister Eckharts
PD Dr. Reiner Manstetten (Heidelberg)
02.05.2012 - entfällt
09.05.2012
Gehirn und Persönlichkeit im Blick der Medizin
Prof. Dr. med. Volker Sturm (Zentrum für Neurochirurgie der Uniklinik Köln)
16.05.2012
Wer hat Angst vor der Evolution – Wie kam der Sinn des Lebens in die Welt?
Prof. Dr. Thomas Junker (Universität Tübingen)
23.05.2012
Das Rätsel Nahtod - eine Annäherung aus Erlebtem und Wissenschaft
Alois Serwaty (netzwerk nahtoderfahrung e.V., Emmerich am Rhein)
30.05.2012
Sterblichkeit und Kultur: Die Perspektive der experimentellen Sozialpsychologie
Prof. Dr. habil. Immo Fritsche (Institut für Psychologie I der Universität Leipzig)
06.06.2012
Inwieweit bestimmen Gene, dass wir werden, was wir sind?
Prof. Dr. Gunter Reuter, (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg)
13.06.2012 - Tag der Wissenschaften (Dies Academicus) / Hochschulsommerfest
20.06.2012
Giordano Bruno Superstar: Die Wirkung des Giordano Bruno auf die bildende Kunst von 1600 bis zur Netzkunst 2012
Dietmar Schoder, B. A., (Wien)
Achtung! Dietmar Schoder musste leider kurzfristig absagen.
Ersatzweise spricht an diesem Tag Prof. Dr. Klaus Bastian zum Thema Ethik und Gesellschaft.
27.06.2012
Sind wir allein im All?
Prof. Dieter B. Herrmann
zuletzt aktualisiert am 26.07.2012E-Mail an den Autor senden



