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Ringvorlesung

Mit-Menschen
Auf dem Weg zur Weltgemeinschaft 

Die Welt wächst zusammen, die Globalisierung sorgt für eine Homogenisierung der (materiellen) Bedürfnisse und der Regeln im wirtschaftlichen Warenaustausch.

Karrierewege führen immer häufiger ins Ausland, mit der englischen Sprache auf der Zunge kommen wir durch die ganze Welt.

Die gemeinsame Teilhabe am globalen Markt macht uns aber nicht automatisch zu Verbündeten im Ringen um den Erhalt unserer Lebensgrundlagen, den Übergang zu einer Nachhaltigen Entwicklung. Seit der Club of Rome 1972 die Grenzen des Wachstums postulierte1, werden die Abstände kürzer, in denen die Weltgemeinschaft sich selbst zum Handeln aufruft.  Wenn es uns nicht gelingt, wirksam die Armut einzudämmen und für Gerechtigkeit in der Welt zu sorgen, dann verspielen wir unseren eigenen Wohlstand, unser eigenes Dasein, so die Vereinten Nationen schon 19872. Eindrücklich warnt auch die OECD vor den Folgen des Nicht-Handelns3 und fordert auf zum global abgestimmten Handeln (2012).

Wir müssen alle an einem Strang ziehen, alle Menschen. Und das ist nicht einfach. Denn mit "wir" denken wir nur selten an die Menschheit insgesamt. Unser "wir" schließt  aus statt ein, solange wir unsere Art zu leben für besser halten.

Diese Haltung gilt es zu überwinden, wollen wir eine Zukunft haben. Weltweit.

So unterschiedlich die Kulturen sind, so völlig verschieden sind die Wertvorstellungen, nach denen wir leben und handeln. Die unterschiedlichen Formulierungen der Menschenrechte aus den Traditionslinien der Aufklärung und der arabischen Welt belegen das. Eine weltweite Übereinkunft in den humanitären Grundwerten ist die große Herausforderung unserer Zeit.

Es fehlt uns die Distanz zur eigenen Weltsicht. So bemerken und benennen wir die Verfehlungen anderer gegen die universell verstandenen Menschenrechte. Innerhalb unserer eigenen Wertegemeinschaft werden Verstöße hingegen nicht mit gleicher Schärfe verurteilt. Es entsteht ein Konflikt mit der eigenen Wertvorstellung. Wie können wir dann nach außen die Einhaltung der Menschenrechte einfordern und durchsetzen?

Für eine multikulturelle Weltgemeinschaft, deren Mitglieder sich gegenseitig mit  Verständnis, Respekt und Toleranz begegnen, müssen wir uns unserer eigenen Identität bewusst werden. Es geht nicht um Verwischung von Kulturen, sondern um die vorbehaltlose Akzeptanz von Heterogenität. Das macht uns zu Mit-Menschen.

Nationalistisches Denken bietet keine befriedigenden Antworten auf die Herausforderungen von Gegenwart und Zukunft. Die zentrale Frage ist daher: Wie kann eine Welt gelingen, die auf ein einschließendes wir baut?

1) Meadows, D. L.: Die Grenzen des Wachstums: Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit. Dt. Verl.-Anst. Stuttgart:, 1972.

2) Brundtland, G. H., & Hauff, V.: Unsere gemeinsame Zukunft: [der Brundtland-Bericht]. Eggenkamp. Greven, 1987.

3) OECD-Umweltausblick bis 2050: Die Konsequenzen des Nichthandelns. OECD Publishing, Paris, 2012.

Termine

Mittwochs, 17:15 Uhr – 18:45 Uhr

12 Veranstaltungen, 19. Oktober 2016 – 25. Januar 2017

19.10.2016
Eine Menschheit - eine Welt — Einführung in die Vortragsreihe
Dr. Martin Schubert — Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig

26.10.2016
Wir sind nicht alle — Kultur als Identifikation und Distinktion
Prof. Markus Walz — Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig

02.11.2016
Don‘t ask me, I just live here —
Germany from an outsider‘s perspective, as explained by an insider

Adam Fletcher — Bestseller-Autor, Berlin

09.11.2016 - keine Live-Übertragung
Eine Kultur ohne Zentrum?!
Oder: Wie viel Multikulturalismus verträgt der Mensch?

PD Dr. Volker Caysa — Universität Leipzig

23.11.2016
Die Welt erfahren —
Beschleunigung und „Demokratisierung“ des Weltverkehrs

Dr. Thomas Kirstein — Technische Universität Berlin

30.11.2016  Fällt aus 
Was wir schaffen sollen —
Einwanderung und internationaler Konvivialismus

Prof. Volker Heins — Universität Duisburg-Essen

08. - 10.12.2016 - Begleitendes Seminar für eingeschriebene Studierende
In Stärke begegnen — So gelingt uns ein bereicherndes Miteinander
weltweit

Dr. Christina Zech — Connect Worlds, Zürich

14.12.2016
Grenzen der Transkulturalität der Menschenrechte
Dr. Philippe Brunozzi — Universität Kassel

04.01.2017  Programmänderung 
Global denken, lokal handeln — wider die Nationalisierung der Politik
Christian Wolff — Leipzig

11.01.2017
Weltbürgertum im Anthropozän
Dr. Till Bastian — Arzt und Publizist, Isny

18.01.2017
In welcher Welt wollen wir leben?
Die Zukunft transnationaler Politik aus europäischer Sicht

Daphne Büllesbach — European Alternatives, Berlin

25.01.2017
Weltbürger — Die Menschheit als Heimat?
Prof. Christoph Antweiler — Universität Bonn

Letzte Änderung: 19.1.2017
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