Wissenschaftskino

Leipzigs Wissenschaftseinrichtungen laden regelmäßig zu einer öffentlichen Filmvorführung mit anschließender Diskussion ins Zeitgeschichtliche Forum ein. Der Eintritt ist stets frei. Aktuelle Termine finden Sie auf der Website der Stadt Leipzig.

Die HTWK Leipzig hat in diesem Rahmen im Januar 2017 den Film „Sand – Die neue Zeitbombe“ gezeigt. Anschließend beantworteten Professor Klaus Holschemacher, Tilo Sahlbach (beide HTWK Leipzig) und Hermann Keßler (Umweltbundesamt) Fragen aus dem Publikum.

Sobald weitere Termine für Filmvorführungen mit anschließender Podiumsdiskussion mit Expertinnen und Experten der HTWK Leipzig feststehen, finden Sie an dieser Stelle alle nötigen Informationen.

Rückblick zum Wissenschaftskino im Januar 2017

Ausführlicher Rückblick

Gibt es ihn tatsächlich wie „Sand am Meer“ – oder wird Sand allmählich knapp? Die achte Ausgabe der Veranstaltungsreihe „Wissenschaftskino Leipzig“ am 24. Januar 2017 im Zeitgeschichtlichen Forum ging dieser Frage mit einer Filmvorführung und anschließender Podiumsdiskussion nach. Organisiert wurde der Abend von der HTWK Leipzig. Rund 135 Leipzigerinnen und Leipziger nutzten die Gelegenheit, den französischen Dokumentarfilm „Sand – die neue Umweltzeitbombe“ auf großer Leinwand zu sehen und im Anschluss mit drei Experten über das Gesehene zu diskutieren.

Der Film verfolgt die Spuren des Sandabbaus auf der ganzen Welt und zeigt die beängstigenden Auswüchse von internationalem Sandhandel, größenwahnsinnigen Bauprojekten und verschwindenden Stränden. Denn heute wird so viel Sand benötigt wie noch nie: Für Mikrochips, Glasflaschen und Zahnpasta – vor allem aber für Beton. Bei der Podiumsdiskussion diskutierten Klaus Holschemacher, Professor für Stahlbetonbau an der HTWK Leipzig, Tilo Sahlbach, geschäftsführender Direktor des Instituts für Siedlungswasserwirtschaft und Wasserbau an der HTWK Leipzig, sowie Hermann Keßler, Fachgebietsleiter für „Ressourcenschonung, Stoffkreisläufe, Mineral- und Metallindustrie“ am Umweltbundesamt Dessau-Roßlau, darüber, wie Wissenschaft, Wirtschaft und Politik auf die Ressourcenknappheit reagieren und beantworteten Fragen aus dem Publikum.

Zunächst ordnete Hermann Keßler ein, dass Deutschland sich nicht im großen Maßstab am internationalen Sandhandel beteilige, da es anders als Singapur oder Dubai seinen Bedarf aus vorhandenen Sand- und Kiesablagerungen stillen kann. Allerdings würde auch deren Abbau zunehmend zu Konflikten zwischen Naturschützern, Anwohnern und Baufirmen führen. Ein ressourcenschonenderes Bauen sei deshalb dringend nötig.

Professor Klaus Holschemacher griff den Faden auf und erklärte, dass zahlreiche Wissenschaftler an der HTWK Leipzig und auf der ganzen Welt an der Optimierung des Betons sowie neuen Verbundwerkstoffen arbeiteten. Denn alternative Baustoffe wie Lehm oder Holz könnten schlichtweg nicht mit der Tragfähigkeit von Stahl- oder Carbonbeton mithalten, weshalb Sand und Kies auch künftig benötigt würden. Bis Sand entsteht, dauert es jedoch Jahrtausende.

Tilo Sahlbach erläuterte, dass ein Großteil der Sandressourcen auf dem Weg ihrer Entstehung vom Gebirge ins Meer in Staudämmen hängen bleiben. Deshalb, vor allem aber wegen der Wanderrouten von Fischen, seien durchlässige Staumauern ein aktuelles Thema für Wasserbauingenieure – bislang aber noch nicht im Praxiseinsatz. Die Stranderosion können solche technischen Lösungen aber trotzdem nur verzögern – gegen die Kraft der Natur könnten die besten Ingenieure auf Dauer nichts ausrichten.

Nach fast einer Stunde Diskussion war klar: Auch wenn in Deutschland noch genug Sand vorhanden ist – Planer, Politiker und Wissenschaftler müssen zusammenarbeiten, um natürliche Ressourcen wie Sand und Kies auf Dauer zu erhalten.

(Rebecca Schweier, EINBLICKE. Forschungsmagazin 2017, S. 16)