Dissertationspreis der HTWK Stiftung

Zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses vergibt die Stiftung der HTWK Leipzig jährlich einen mit 3.000 Euro dotierten Preis für eine herausragende Dissertation. Auch für das Jahr 2018 können sich Promovendinnen und Promovenden auf Vorschlag ihres Betreuers bewerben - Frist: 1. August 2018. (Intranet-Nachricht) (Bekanntmachung als PDF).

Ein Korsett für schwache Stützen aus Beton (2017)

Um ein neues Stockwerk auf ein Bauwerk aufsetzen zu können oder eine Brücke für mehr Last befahrbar zu machen, müssen unter Umständen die Stützen der Bauwerke verstärkt werden. Wie das mit minimalem Materialeinsatz gelingen kann, hat Dr.-Ing. Stefan Käseberg im Rahmen seiner Promotion untersucht. Seine mit „magna cum laude“ bewertete Dissertation schafft die ingenieurwissenschaftlichen Grundlagen zur nachträglichen Verstärkung von Bauwerken aus Stahlbeton mithilfe von Carbon. Damit hat er nach Einschätzung seines Doktorvaters Professor Klaus Holschemacher für ein „aktuell bestehendes bautechnisches Problem eine hervorragende Lösung gefunden“. Für seine Doktorarbeit erhielt er bei der Feierlichen Immatrikulation der HTWK Leipzig am 10. Oktober 2017 im Gewandhaus zu Leipzig den Dissertationspreis 2017.

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Ein Großteil aller Bautätigkeiten entfällt auf die Sanierung bestehender Gebäude, Straßen und Brücken. Das liegt nicht nur daran, dass das Material altert – auch die Anforderungen an die Bauwerke verändern sich stetig. Dieser Wandel zielt oft auf Steigerung: Mehr Bevölkerung, mehr Verkehr, schwerere Maschinen und Fahrzeuge. Um bestehende Bauwerke für größere Lasten zu verstärken, kann auf die Stützen eines Gebäudes oder einer Brücke eine zusätzliche Schicht Beton aufgetragen werden. Einer der Nachteile dieses Verfahrens: Die tragenden Elemente des Bauwerks werden dadurch deutlich breiter, nicht immer ist dafür ausreichend Platz. Außerdem bringt das Verfahren eine Menge Staub und Lärm mit sich – gerade in Wohnhäusern ist das ungünstig. In seiner Dissertation beschreibt Stefan Käseberg, wie Betonstützen durch eine dünne Schicht aus carbonfaserverstärktem Kunststoff (CFK) verstärkt werden können. „Die Carbonschicht legt sich dabei wie ein Korsett um die Stütze aus Stahlbeton und erhöht mit minimalem Ressourceneinsatz ihre Tragfähigkeit“, erklärt Käseberg.

Auf Grundlage von über 150 eigens durchgeführten Versuchen entwickelte der Bauingenieur in seiner Dissertation ein Berechnungsmodell, welches den sicheren und effizienten Einsatz des neuartigen Verfahrens ermöglicht. „Bis das Verfahren in Form einer offiziellen Richtlinie die Baupraxis übergeht, wird es wohl noch etwas dauern. Aber schon heute ist die baupraktische Anwendung möglich, da bei der zuständigen Bauaufsichtsbehörde eine Zustimmung im Einzelfall beantragt werden kann“, so der Bauingenieur. In der Fachwelt wird Käsebergs Forschung bereits mit regem Interesse diskutiert. So konnte der Nachwuchswissenschaftler den Dissertationspreis auch nicht persönlich entgegen nehmen, da er zeitgleich in Shanghai seine Forschungsergebnisse auf einer internationalen Konferenz präsentierte.

Stefan Käseberg machte eine Lehre zum Zimmerer, bevor er an der HTWK Leipzig Bauingenieurwesen im Diplom und anschließend im Master studierte. Seit 2008 forscht er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter in verschiedenen Forschungsprojekten am Institut für Betonbau (IfB) der HTWK Leipzig. Für sein Promotionsvorhaben in Kooperation mit der Technischen Universität Dresden wurde Käseberg mit einem Stipendium des Freistaats Sachsen aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) unterstützt. Professor Klaus Holschemacher (HTWK Leipzig) und Professor Manfred Curbach (TU Dresden) betreuten die Arbeit. Seit seiner Promotion im Sommer 2016 leitet Käseberg die Forschungsgruppe Massivbau am IfB.

Der Dissertationspreis der Stiftung HTWK wird seit 2014 jährlich an eine herausragende Dissertation mit maßgeblicher Entstehung an der HTWK Leipzig verliehen. Die Stiftung HTWK fördert die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig durch die Beschaffung und Weiterleitung von Mitteln zur Unterstützung und den Ausbau von Lehre und Forschung. Der diesjährige Dissertationspreis wurde von der „Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH“ gestiftet.

Die Dissertation „Verstärkung von Stahlbetonstützen mit Kreisquerschnitt durch Umschnürung mit CFK-Werkstoffen“ ist 2016 in der Schriftenreihe des Instituts für Betonbau erschienen und steht darüber hinaus in der sächsischen Open-Access-Datenbank Qucosa frei zur Verfügung.

Ein Fortschritt für die Barrierefreiheit (2016)

Im Jahr 2016 geht der Dissertationspreis erstmals an eine Frau: Dr. phil. Julia Dobroschke. Ihre Dissertation mit dem Titel „Produktionsprozesse für Lehrwerke im Universellen Design unter besonderer Berücksichtigung der Anforderungen blinder und sehbehinderter Kinder im Inklusionsunterricht“ hat sie 2015 im Rahmen eines kooperativen Promotionsverfahrens an der Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie der Universität Leipzig und der Fakultät Medien der HTWK Leipzig mit dem Prädikat „summa cum laude“ verteidigt.

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Dobroschke entwickelte ein Konzept, wie Schulbücher für sehbehinderte und blinde Kinder einfacher hergestellt werden können. Denn trotz verbindlicher Vorgaben der UN-Behindertenrechtskonvention wird nur ein Bruchteil der für Sehende zur Verfügung stehenden Bücher für blinde und sehbehinderte Nutzer aufbereitet. Aus diesem Grund müssen Lehrmaterialien für Kinder oft von Eltern und Lehrern in Handarbeit erstellt werden. „Die Arbeit von Frau Dobroschke zielte darauf ab, teure barrierefreie Sonderlösungen zu vermeiden, indem die Prinzipien des ‚Universellen Designs‘ angewandt werden“, heißt es in der Begründung der Jury. Ohne weiteren größeren Aufwand entstehen so nicht nur barrierefreie Dateiformate, sondern auch moderne Publikationsformen wie z. B. Apps oder E-Books. Mit ihrer Arbeit liefere Dobroschke einen „höchst wertvollen Beitrag zur Weiterentwicklung des wissenschaftlichen Kenntnisstandes“. Eine konsequente Umsetzung des ‚Universellen Designs‘ nütze sehenden wie auch sehbehinderten Lesern gleichermaßen, erklärte Dobroschke, die an der Deutschen Zentralbücherei für Blinde in Leipzig (DZB) in der Auftragsverwaltung im Etablierungsprojekt BIKOSAX (Barrierefreie Informations-und Kommunikationsangebote in Sachsen) arbeitet.

Angewandte Forschung führt zur Unternehmensgründung (2015)

Den 2015 zum zweiten Mal ausgelobten Dissertationspreis erhielt Bauingenieur Dr.-Ing. Torsten Müller für seine Arbeit zum Biegetragverhalten von Stahlfaserbeton. Die Promotion wurde in einem kooperativen Verfahren an der Universität Leipzig abgeschlossen, Gutachter der Dissertation waren Prof. Nguyen Viet Tue (TU Graz) und Prof. Klaus Holschemacher (HTWK Leipzig). Das dort untersuchte Thema bildete dem Preisträger die Grundlage für eine erfolgreiche Existenzgründung, der „Baustoffprüflabor Müller & Lobisch GmbH“.

Der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Dr. Joachim Wicke, würdigte Müllers Leistung bei der Immatrikulationsfeier 2015: „Angewandte Forschung führt auch unmittelbar zur Unternehmensgründung und zu wirtschaftlichem Erfolg. Der diesjährige Preisträger des Dissertationspreises ist der Beweis.“ 

Hochgradig relevant (2014)

Erstmals vergeben wurde im Jahr 2014 der Dissertationspreis der Stiftung HTWK für eine herausragende Dissertation in einem der Wissenschaftsgebiete der HTWK Leipzig. Den Preis erhielt Bauingenieur Dr. Markus Schmidt für seine Arbeit zur Vermeidung von Schädigungen in frisch eingebautem Beton. Die Promotion wurde in einem kooperativen Verfahren mit der University of the West of Scotland in Paisley durchgeführt.

Schmidts Dissertation mit dem Originaltitel „Early Age concrete curing based on capillary pressure measurement“ war gleichzeitig die erste dort verteidigte Arbeit eines HTWK-Absolventen. Paisley liegt wenige Kilometer westlich von Glasgow, die Hochschulpartnerschaft besteht bereits seit 2003. Im Sommer des vergangenen Jahres sei Schmidt mit besten Ergebnissen aus Schottland zurückgekehrt, würdigt Joachim Wicke bei der Preisverleihung im Gewandhaus. Der Vorsitzende der Stiftung HTWK ergänzt: Auch thematisch sei die Arbeit von Markus Schmidt „unglaublich relevant“. Die Forschung zur Vermeidung von Rissen in plastischem Beton ist extrem nützlich für die Zukunft im Bau. So wundert es kaum, dass die Arbeiten zur der Thematik fortgesetzt werden sollen. 

„Die Forschungsarbeit und das Verfassen der Dissertation in englischer Sprache waren herausfordernde Aufgaben“, sagt Markus Schmidt. Nun hofft der Preisträger, dass einige seiner Ergebnisse den Weg in die Praxis finden.