Stipendiatenprojekt „Zeit spenden“

Das Deutschlandstipendium spült zunächst 300 Euro monatlich in studentische Geldbörsen. Eine Hälfte des Geldes stammt vom Bund, die andere von Partnern aus der Wirtschaft. An der HTWK Leipzig ist das ein Erfolgsmodell – mit 59 Stipendiaten und 36 Unternehmen. Die Geförderten qualifizieren sich mit guten Leistungen, aber auch über nachgewiesenes soziales Engagement. Letzteres ist nun sogar ein Teil eines Stipendiatenprojekts.

Jared Schauer (22) betritt das Altenheim. Es ist Dienstag nach Ostern, ein kühler Nachmittag in Leipzig. Drei weitere Deutschlandstipendiaten sind mit von der Partie. Drinnen, in geselliger Atmosphäre, treffen sie auf die neugierigen Blicke eintreffender Senioren. Die „Mensch-ärgere-dich“-Bretter stehen schon bereit. Hier startet soeben ein soziales Projekt, dem sich insgesamt etwa ein Drittel aller Stipendiaten freiwillig verschrieben hat – nach einem Brainstorming im Herbst 2016.

„Wir hatten den Wunsch, etwas zu leisten. Außerhalb der Hochschule etwas zurückgeben zu wollen“, sagt Schauer, der angehende Medieninformatiker.“ Und HTWK-Mitarbeiterin Kathleen Liebold, die an der Hochschule Stipendiaten und Förderer zusammenbringt, fügt erfreut hinzu: „Das ist völlig ohne Zwang geschehen, aus der Gruppe heraus. Einfach so, aus sozialen Motiven.“ Weil sich viele andere Geförderte gerade im Auslands- oder Praktikumssemester befänden, sei die „Mitmach-Quote“ ganz erfreulich. Und schon nach dem ersten Aufeinandertreffen von Altenheimbewohnern und ehrenamtlichen Studierenden urteilt Jared Schauer: „Das ist langfristig angelegt, wir wollen den Staffelstab der nächsten Stipendiaten-Generation weitergeben. Das lohnt sich.“

Mit ans Spielbrett hat sich der 22-Jährige beim Auftakt allerdings nicht gesetzt. Ein Spezialauftrag wartete, und Schauer übernahm ihn gern: Ronny, erst Anfang 40, ist so stark übergewichtig, dass er kaum aus dem Zimmer kommt. Der HTWK-Student gesellte sich zu ihm, Rommékarten wurden ausgepackt. „Wir haben nicht durchgängig gespielt. Ich habe viel zugehört, es ging um Weltpolitik. Und um sein ganz neues Handy.“ Plötzlich waren 90 Minuten um, überraschend schnell. Ein gutes Zeichen. Wie dankbar die Leute sind! Es ist ein schönes Gefühl, wenn man mit so wenig so viel bewirken kann. Denn der Einsatz war ja eher gering, den Dank verdient man gar nicht richtig , meint der Student, als er wieder vor dem Heim steht.

In Stuttgart, seiner Heimat, habe er vor dem Studium schon eine ältere Frau betreut, beim Einkaufen geholfen. Laut Kathleen Liebold sind solche kleinen Bausteine im Lebenslauf wertvoll bei der Bewerbung um ein Stipendium. Die Gruppen wechseln sich ab im Altenheim, in drei Wochen ist Schauer wieder dran. Doch individuelle Arrangements sind nicht ausgeschlossen: Jared und Ronny sind nun Facebook-Freunde. „Wenn’s passt, gehe ich wieder hin“, sagt er.

Passen muss nebenher freilich das Studium. „Durch das Geld lebt man entspannter und ist nicht mehr so angewiesen auf die Eltern“, sagt Schauer. Einen Nebenjob hat er nicht. Apropos: Mit Medieninformatik setzt der Stipendiat auf ein weites Berufsfeld. Im vierten Semester kristallisiert sich heraus, dass am Ende ein Job an der Schnittstelle „Maschine/Programm/Mensch“ stehen soll. „Nehmen Sie mal die Benutzerführung an Fahrkartenautomaten – da ist oft noch viel Luft nach oben in Richtung intuitiver Bedienung, auch wenn modernes App-Design sich viele Wege ebnet. Das ist wichtig, denn was nützt ein tolle Programmierung, wenn das Gerät dazu keiner benutzen kann.“