Bei der 3. Fachtagung „Nachhaltig Bauen und Sanieren“ an der HTWK Leipzig tauschten sich Fachleute aus Forschung, Planung, Handwerk und Baupraxis aus
Baustoffe auf Basis nachwachsender oder natürlich vorkommender Rohstoffe, gesetzliche Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Fragen rund um das Bauen der Zukunft standen am 17. September 2026 bei der Fachtagung „Nachhaltig Bauen und Sanieren“ an der HTWK Leipzig im Mittelpunkt. Zum dritten Mal kamen hierbei Fachleute aus Forschung, Planung, Handwerk, Unternehmen und Verwaltung zusammen. Die Veranstaltung wurde vom Naturbau Campus aus Oschatz, der HTWK Leipzig und der Handwerkskammer zu Leipzig gemeinsam ausgerichtet.
Dass ein solcher Austausch auf großes Interesse stößt, zeigte die Resonanz: Der Hörsaal im Trefftz-Bau der HTWK Leipzig war bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Teilnehmenden kamen vor allem aus Sachsen, aber auch aus Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie aus weiteren Teilen Deutschlands und nahmen Teil an Fachvorträgen, Live-Vorführungen, Gesprächsrunden und Austauschforen.
Von Lehm und Holz bis zu Genehmigungen und Brandschutz
Das Programm machte deutlich, wie vielfältig die Herausforderungen und Aspekte rund um Nachhaltigkeit beim Bauen sind. Neben neuen gesetzlichen Vorgaben, Zertifizierungen und Fragen der Gebäudetechnik ging es unter anderem um Holz-Lehm-Hybridbau, Lehmbau, Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen, Fassadenbegrünung und sozial nachhaltige Wohnformen.
Ein Schwerpunkt lag auf der Frage, unter welchen Bedingungen Baustoffe auf Basis nachwachsender oder natürlich vorkommender Rohstoffe tatsächlich eingesetzt werden können – etwa mit Blick auf Genehmigungen, Brandschutz und technische Anforderungen. In einem moderierten Fachaustausch diskutierten die Teilnehmenden dazu an acht Thementischen unter anderem über klimaneutrales und klimapositives Bauen, historische Baustoffe wie Lehm und Kalk, Fassadenbegrünung sowie Baumaterialien für den Innenausbau.
Praxiswissen trifft Forschung
Besonders anschaulich wurde der Anspruch der Fachtagung bei einer Praxisvorführung von Maurermeister David Pfennig. Gezeigt wurden drei Möglichkeiten, Mauerwerk mit Lehm herzustellen: eine Holz-Lehm-Hybridbauweise, ein rückbaubares Mauerwerk mit Lehm als Dünnbettmörtel sowie eines aus großformatigen Lehmsteinen, mit denen nach neuer DIN auch mehrgeschossig lastabtragend gebaut werden kann. Ergänzend gab es Brandversuche mit verschiedenen Baustoffen.
Für die HTWK Leipzig ist gerade diese Verbindung von wissenschaftlicher Erkenntnis und praktischer Erfahrung ein wichtiger Bestandteil der Zusammenarbeit: „Was besonders wertvoll ist aus Sicht der HTWK Leipzig – auch wenn wir ohnehin anwendungsorientierte Forschung betreiben – ist die Kooperation mit dem Handwerk und Fachfirmen zu Ausführung und die praktische Arbeit mit Baustoffen im Rahmen konkreter regionaler Bauprojekte. Dabei gibt es für alle Beteiligte wertvolle Einblicke, Nachhaltigkeit nicht nur wissenschaftlich und theoretisch zu diskutieren und zu definieren, sondern vor allem zu schauen, wie es sich umsetzen lässt und Ansatzpunkte zu identifizieren, wie sich das Bauen mit Baustoffen auf Basis nachwachsender oder natürlich vorkommender Rohstoffe in die breite Anwendung bringen lässt“, sagte Mitorganisator Björn Höhlig, HTWK-Professor für Nachhaltiges Bauen und Bauen im Bestand.
Höhlig forscht unter anderem zur Nutzbarmachung regionaler Lehmvorkommen für neue Baustoffe. Im aktuellen Forschungsprojekt „RegioLehm“ geht es darum, regionale Ressourcen zu erfassen, ihr Potenzial für neue Anwendungen zu untersuchen und damit Grundlagen für lokale Wertschöpfung und Stoffkreisläufe zu schaffen.
Auch aus Sicht des Handwerks gewinnt der direkte Austausch an Bedeutung, so Sven Börjesson von der Handwerkskammer zu Leipzig: „Dank der Duo-Vorträge haben wir das Handwerk in diesem Jahr noch besser eingebunden und es sichtbar gemacht. Auch unter den Teilnehmenden wuchs der Anteil aus dem Handwerk, was mich besonders freut. Und auch in diesem Jahr habe ich selbst den Blick über den Tellerrand sehr geschätzt: Was bewegt Praktiker, Forschende, Planende und die Genehmigungsstellen?“
Fachausstellung
Neben den Vorträgen und Praxisformaten bot eine Fachausstellung mit 35 Ausstellenden Raum für Information und Vernetzung. Vertreten waren unter anderem Herstellende von Baustoffen, regionale Initiativen sowie Bildungs- und Forschungseinrichtungen. Damit war die Ausstellung in diesem Jahr um zehn Ausstellende größer als im Vorjahr. „Gerade aus dem Bereich der regionalen Initativen rund um die Bauwende hatten wir in diesem Jahr großen Zulauf. Das bestätigt uns als Veranstaltende, dass es großes Interesse und großen Bedarf gibt, solche Veranstaltungen und Fortbildungsangebote weiter auszubauen“ resümiert Anja Helbig vom Naturbau Campus.
Wissenstransfer über die Region hinaus
Die HTWK Leipzig und der Naturbau Campus wollen auch in Zukunft Nachhaltigkeit beim Bauen in der Region Leipzig fördern und die gemeinsamen Aktivitäten ausbauen. Dazu haben die beiden Institutionen am Rande der Tagung eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet, um künftig gemeinsame Aktivitäten zu bündeln, den Technologie- und Wissenstransfer zwischen Hochschule und Baupraxis auszubauen und neue Projekte anzustoßen. Zu den Unterzeichnenden auf Seiten der HTWK Leipzig gehörte Rektor Prof. Dr.-Ing. Jean-Alexander Müller. Die fachliche Zusammenarbeit begleiten Prof. Dr.-Ing. Björn Höhlig vom Institut für Baustoffe und Bauverfahrenssimulation (IBBS) und Prof. Dr.-Ing. Alexander Stahr von der Forschungsgruppe FLEX. Für den Naturbau Campus sind David Pfennig und Anja Helbig verantwortlich. Die Partner planen gemeinsame Veranstaltungen und den Aufbau eines starken regionalen Netzwerks, sowie natürlich die Fortführung der Fachtagung „Nachhaltig Bauen und Sanieren“.

















