Professor Alexander Stahr im Porträt
Meine Berufung fürs Leben – über Forschung, Lehre und Leipzig

»Lehre ist nicht die Weitergabe von Wissen. Wissen entsteht in den Köpfen der anderen.«
Prof. Dr.-Ing. Alexander Stahr
Professor für Tragwerkslehre an der Fakultät Architektur und Sozialwissenschaften
Was bedeutet es, Professor an der HTWK Leipzig zu sein?
Alexander Stahr gibt im folgenden Video persönliche Einblicke in seine Arbeit, seine Motivation und seinen Weg.
5 Fragen an Professor Stahr
Über seine Arbeit, seine Motivation und das Leben in Leipzig
Was fasziniert Sie an Ihrem Forschungsgebiet?
„In meiner Forschung beschäftige ich mich intensiv mit dem Werkstoff Holz und seinen konstruktiven Möglichkeiten im Bauwesen. Holz ist ein Produkt der Natur, ein Faserwerkstoff mit einer über Jahrmillionen entwickelten inneren Struktur. Wenn wir verstehen, was im Holz passiert, können wir mit diesem Material ganz neue Dinge machen. Genau an dieser Schnittstelle beginnt für mich Forschung.“
Wie verbinden Sie Ihre Expertise mit Praxis und Kooperationen?
„Holz ist prädestiniert für die Verbindung von Handwerk und Forschung. Draußen gibt es eine Praxis-Community, die Ergebnisse spiegelt. Unsere Aufgabe ist, Perspektiven zu eröffnen – und die Lücke zu füllen zwischen Handwerk auf der einen Seite und dem Denken von Ingenieuren und Architekten auf der anderen.“
Was ist Ihnen an der Lehre besonders wichtig?
„Lehre ist für mich nicht die Weitergabe von Wissen, sondern von Informationen – Wissen entsteht in den Köpfen der anderen. Dafür muss ich Motivation wecken und sichtbar machen, wofür wir Dinge tun. Und ich will Lehre so gestalten, dass es eigentlich gar keinen Grund gibt, aufs Handy zu schauen.“
Wie bringen Sie Studierende wirklich ins Können – nicht nur ins Rechnen?
„Ein Gefühl entsteht durch Wiederholung: Dinge mehrfach tun, Erfahrungen sammeln, scheitern, korrigieren, nochmal probieren – bis man versteht, wie Lösungswege funktionieren. In unseren Formaten steht am Ende im Idealfall nicht nur ein Entwurf, sondern eine kleine gebaute Konstruktion.“
Was bedeutet Ihnen Leipzig – persönlich und beruflich?
„Ich lebe am Stadtrand: Bus alle 20 Minuten – und in fünf Minuten bin ich auf dem Feld. Diese Mischung aus guter Erreichbarkeit, Vielfalt und ‘Luft zum Denken’ ist ein Privileg. Und sie ist wichtig, um die Energie für gute Forschung und gute Lehre zu haben.“
Kooperation als Grundlage des Bauens
Planung bedeutet für Alexander Stahr, früh gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. Bauen versteht er als Teamleistung aus Entwurf, Konstruktion, Materialwissen und Ausführung. Dieses kooperative Denken zeigt sich auch in seinem Engagement für die EASTWOOD – eine Fachveranstaltung für aktuelles Holzbauwissen und Forschungstransfer, die Wissenschaft, Praxis und akademischen Nachwuchs in Leipzig zusammenbringt und persönlichen Austausch bewusst in den Mittelpunkt stellt.
Gefragter Forschungspartner
Leipzig war lange kein klassischer Holzbauforschungsstandort – was für ihn kein Gegenargument ist. Entscheidend ist nicht das Holz „an sich“, sondern der Umgang mit dem Material: digitalisierte Planungsprozesse, der Übergang in digitale Fertigung, Produktivität im Bauwesen. Das Holzbauforschungszentrum bündelt dafür in einer neuen Halle über 1000 m² Fläche – mit einem Fokus auf fertigungszentrierte Forschung.
Mein Weg zur Professur
Der Weg zur Professur ist vielfältig. Unterschiedliche Stationen in Wissenschaft, Wirtschaft oder Praxis können dorthin führen.
seit 2026: Direktor FLEX.institut an der HTWK Leipzig
seit 2014: Initiator und Vordenker der Forschungsgruppe FLEX an der HTWK Leipzig
seit 2010: Professor an der HTWK Leipzig
2008-2010: Projektingenieur und Projektleiter in der Baubranche
1999-2008: Promotion und Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Bauhaus-Universität Weimar
1993-1998: Diplom Bauingenieurwesen, Bauhaus-Universität Weimar



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