Game-Studies rund um Werte, Mythen und Religionen bei der Langen Nacht der Computerspiele an der HTWK Leipzig
Nach einer Schweigeminute für die Opfer des Attentats in der Leipziger Innenstadt eröffnete der Rektor der HTWK Leipzig, Prof. Dr.-Ing. Jean-Alexander Müller, das wissenschaftliche Symposium zur Computerspielekultur. Beim diesjährigen Science Mashup im Rahmen der Langen Nacht der Computerspiele am 9.Mai 2026 drehte sich alles um „Werte, Mythen, Religionen“.
„Das Spiel ‚Mensch ärgere Dich nicht‘ werden Sie nach meinem Vortrag nie wieder ohne diese Idee spielen“, versprach Dr. Manuel Stübecke im Eröffnungsvortrag. Der studierte Theologie und evangelische Pfarrer stellte für den Spieleklassiker einen Bezug zum Hinduismus und zur Erlösung vom Karma vor. „Stimmt“, sagte Moderator Dr. Sebastian Stoppe“, „in Zukunft werde ich das Spiel mit anderen Augen sehen!“
Mord- und Künstlermythos
Den ersten Themenblock bildete „Religion, Mythos & kulturelle Tiefenstrukturen des Spiels“. Im Anschluss an Manuel Stübecke sprach Ron Heckler unter dem Titel „Nichts ist wahr. Alles ist erlaubt“ über Assassinen, ihre Bedeutung in Vergangenheit und Gegenwart sowie den Einfluss dieses Mythos auf das Gaming-Narrativ in der Spieleserie „Assassin’s Creed“.
Lara Konkel führte das Publikum „Zwischen Wahnsinn und Bosskampf“ durch emotionale und psychologische Dimensionen der Spielwelt von „Starry Knight“. Das Spiel hat das Leben von Vincent van Gogh zum Inhalt. Dabei zeigte sie unter anderem, wie Archetypen rund um das Thema „Kunst und Wahnsinn“ in Spielen dargestellt werden und welche Wirkung sie entfalten können.
Im zweiten Themenblock „Werte, Entscheidungen & Ethik im Spiel“ stand die Frage im Mittelpunkt, wie Games unser Denken und Handeln beeinflussen. Roberto Zeugner sprach über Entscheidungen und Wertekonflikte in Spielen sowie deren Einsatz im Ethik- und Philosophieunterricht.
Geschichte im Spiel, Spiel in der Geschichte
Michael Geidel diskutierte, wie weit die Freiheit beim Gestalten von Spielen zu zeitgeschichtlichen Themen geht, und wies auf rechtsextreme Diskurse auf Gaming-Plattformen hin. Um ein tausend Jahre altes Spiel ging es bei Prof.in Dr. Gabriele Hooffacker. Sie zeigte mit ihrem Vortrag „Zahlenkampf – Harmonie statt Chaos“, wie Zahlen, Regeln und Spielmechaniken beim „Zahlenkampfspiel“ gesellschaftliche Vorstellungen im Mittelalter transportierten. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass Spiele nicht nur gegeneinander gespielt, sondern auch gemeinsam gewonnen werden können.
Spiele für die Zukunft
Zum Abschluss richtete Thorsten Zimprich den Blick auf die Praxis der Spieleentwicklung. In seinem Vortrag thematisierte er die Verantwortung von Game Design im Umgang mit Werten, Religionen und Mythen und fragte, welche Weltbilder Games heute vermitteln. Ganz interaktiv ließ er das Publikum Vorschläge für „Games im Jahr 2035“ entwickeln. Die Ideen reichten von „Das Kleine gewinnt“ bis zu „Der Letzte gewinnt“.
Die HTWK Leipzig veranstaltete das Science MashUp bereits zum siebten Mal. Alle bisherigen Vorträge sind auf YouTube verfügbar. Auch dieses Mal werden die Beiträge in einem Tagungsband veröffentlicht werden.
Wie Rektor Jean-Alexander Müller hervorhob, zeigt das Science Mashup, dass Computerspiele weit mehr sind als bloßer Zeitvertreib: Sie transportieren Werte, erzählen Geschichten und eröffnen neue Perspektiven auf die Gesellschaft.
Fotos: Carmen Sziller

