Dissertationspreis der HTWK Stiftung

Zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses vergibt die Stiftung der HTWK Leipzig jährlich einen Preis für eine herausragende Dissertation. Auch für das Jahr 2017 können sich Promovendinnen und Promovenden auf Vorschlag ihres Betreuers bewerben (Download Bekanntmachung).

Ein Fortschritt für die Barrierefreiheit

Den mit 3.000 Euro dotierten Dissertationspreis hat die Stiftung HTWK in diesem Jahr erstmals an eine Frau verliehen: Dr. phil. Julia Dobroschke. Ihre Dissertation mit dem Titel „Produktionsprozesse für Lehrwerke im Universellen Design unter besonderer Berücksichtigung der Anforderungen blinder und sehbehinderter Kinder im Inklusionsunterricht“ hat sie 2015 im Rahmen eines kooperativen Promotionsverfahrens an der Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie der Universität Leipzig und der Fakultät Medien der HTWK Leipzig mit dem Prädikat „summa cum laude“ verteidigt.

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Dobroschke entwickelte ein Konzept, wie Schulbücher für sehbehinderte und blinde Kinder einfacher hergestellt werden können. Denn trotz verbindlicher Vorgaben der UN-Behindertenrechtskonvention wird nur ein Bruchteil der für Sehende zur Verfügung stehenden Bücher für blinde und sehbehinderte Nutzer aufbereitet. Aus diesem Grund müssen Lehrmaterialien für Kinder oft von Eltern und Lehrern in Handarbeit erstellt werden. „Die Arbeit von Frau Dobroschke zielte darauf ab, teure barrierefreie Sonderlösungen zu vermeiden, indem die Prinzipien des ‚Universellen Designs‘ angewandt werden“, heißt es in der Begründung der Jury. Ohne weiteren größeren Aufwand entstehen so nicht nur barrierefreie Dateiformate, sondern auch moderne Publikationsformen wie z. B. Apps oder E-Books. Mit ihrer Arbeit liefere Dobroschke einen „höchst wertvollen Beitrag zur Weiterentwicklung des wissenschaftlichen Kenntnisstandes“. Eine konsequente Umsetzung des ‚Universellen Designs‘ nütze sehenden wie auch sehbehinderten Lesern gleichermaßen, erklärte Dobroschke, die an der Deutschen Zentralbücherei für Blinde in Leipzig (DZB) in der Auftragsverwaltung im Etablierungsprojekt BIKOSAX (Barrierefreie Informations-und Kommunikationsangebote in Sachsen) arbeitet.

Angewandte Forschung führt zur Unternehmensgründung

Im Jahr 2015 wurde der Dissertationspreis der Stiftung HTWK zum zweiten Mal für eine herausragende Dissertation aus einem der Wissenschaftsgebiete der HTWK Leipzig vergeben. Den Preis erhielt Bauingenieur Dr.-Ing. Torsten Müller für seine Arbeit zum Biegetragverhalten von Stahlfaserbeton. Die Promotion wurde in einem kooperativen Verfahren an der Universität Leipzig abgeschlossen, Gutachter der Dissertation waren Prof. Dr.-Ing. habil. Nguyen Viet Tue (TU Graz) und Prof. Dr.-Ing. Klaus Holschemacher (HTWK Leipzig).
Das dort untersuchte Thema bildete dem Preisträger die Grundlage für eine erfolgreiche Existenzgründung, der „Baustoffprüflabor Müller & Lobisch GmbH“.
Der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Dr. Joachim Wicke, würdigte die Preisverleihung im Rahmen der Immatrikulationsfeier 2015 mit den Worten „Angewandte Forschung führt auch unmittelbar zur Unternehmensgründung und zu wirtschaftlichem Erfolg. Der diesjährige Preisträger des Dissertationspreises ist der Beweis“. 

Hochgradig relevant

Erstmals vergeben wurde im Jahr 2014 der Dissertationspreis der Stiftung HTWK für eine herausragende Dissertation in einem der Wissenschaftsgebiete der HTWK Leipzig. Den Preis erhielt Bauingenieur Dr. Markus Schmidt für seine Arbeit zur Vermeidung von Schädigungen in frisch eingebautem Beton.
Die Promotion wurde in einem kooperativen Verfahren mit der University of the West of Southland in Paisley durchgeführt.Schmidts Dissertation mit dem Originaltitel "Early Age concrete curing based on capillary pressure measurement" war gleichzeitig die erste dort verteidigte Arbeit eines HTWK-Absolventen. Paisley liegt wenige Kilometer westlich von Glasgow, die Hochschulpartnerschaft besteht bereits seit 2003. Im Sommer des vergangenen Jahres sei Schmidt mit besten Ergebnissen aus Schottland zurückgekehrt, würdigt Joachim Wicke bei der Preisverleihung im Gewandhaus. Der Vorsitzende der Stiftung HTWK ergänzt: Auch thematisch sei die Arbeit von Markus Schmidt "unglaublich relevant". Die Forschung zur Vermeidung von Rissen in plastischem Beton ist extrem nützlich für die Zukunft im Bau. So wundert es kaum, dass die Arbeiten zur der Thematik fortgesetzt werden sollen.
Der Dissertationspreis ist mit 3.000 Euro dotiert, die Vergabe wird von Siemens unterstützt. "Die Forschungsarbeit und das Verfassen der Dissertation in englischer Sprache waren herausfordernde Aufgaben", sagt Markus Schmidt. Nun hofft der Preisträger, dass einige seiner Ergebnisse den Weg in die Praxis finden.