Dr. Tom Radisch unterstützt mit seiner Forschung die Umsetzung der Energiewende im Wärmesektor. Dafür ehrte ihn die Stiftung HTWK mit dem Dissertationspreis 2025
Wenn vor reichlich 20 Jahren Gebäude geplant wurden, war schnell klar: geheizt wird mit Öl oder Gas. Heute konkurrieren eine größere Auswahl an Heizsystemen, die zunehmend auch auf erneuerbaren Energien basieren, wie Wärmepumpen, Pelletheizungen, Solarthermie oder Fernwärme. Dabei ist die Wahl des Heizungssystems eine wichtige und langfristige Entscheidung, die früh getroffen werden muss und meist über mehrere Jahrzehnte bestehen bleibt. Spätere Änderungen sind in der Regel sehr aufwendig und teuer. Doch wie finden Planerinnen und Planer heraus, zu welchem Gebäude welche Heizung am besten passt?
Eine Methode, mit der Planende das passende Heizungssystem für ein Gebäude frühzeitig finden können, stellte Dr.-Ing. Tom Radisch in seiner Promotion zum Thema „Heizungstechnischer Variantenvergleich in frühen Planungsphasen mithilfe multikriterieller Entscheidungsunterstützung“ vor. Die mit „summa cum laude“ bewertete Promotion verfasste er in einem kooperativen Verfahren zwischen der HTWK Leipzig und der Technischen Universität (TU) Dresden. Für diese Forschungsleistung ehrte ihn die Stiftung HTWK mit dem Dissertationspreis 2025. Seine Betreuer waren Prof. Dr.-Ing. John Grunewald vom Institut für Bauklimatik der TU Dresden und Prof. emer. Dr.-Ing. Ulrich Möller von der Fakultät Bauwesen der HTWK Leipzig.
Entscheidungsgrundlage für Planende geschaffen
„Wenn wir heute mit der Planung eines Gebäudes beginnen, ist häufig noch unklar, wie es beheizt werden soll“, so Radisch. In der Baupraxis werden Entscheidungen teilweise zu spät getroffen, basieren auf starken Vereinfachungen oder passen nicht zu den Anforderungen der Auftraggeberinnen und Auftraggeber. Für sie rücken bei der Heizungswahl neben den Kosten immer häufiger auch weitere Aspekte wie Versorgungssicherheit, Umweltfreundlichkeit oder Komfort in den Mittelpunkt und sind miteinander in Einklang zu bringen. Dafür entwickelte Radisch eine Methode, die auf multikriterieller Entscheidungsunterstützung basiert. Damit bricht er die Komplexität der Möglichkeiten und Einflussfaktoren herunter, um eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu schaffen.
Die Heizungswahl sollte im Planungsprozess zu einem möglichst frühen Zeitpunkt erfolgen, um Kosten und Aufwand gering zu halten. In einer Fallstudie stellt er exemplarisch sechs mögliche Heizungsanlagen eines Mehrfamilienhauses vor und zeigt, wie Gebäude- und Anlagensimulationen zur frühzeitigen Bewertung der zum Haus passenden Heizung herangezogen werden können. Die Heizungsanlagen unterscheiden sich dabei nicht nur hinsichtlich der Wärmeerzeugung, bei der zum Beispiel mehrere Wärmepumpensysteme, Fernwärme, Pelletheizung oder Solarthermie gegenübergestellt werden, sondern auch hinsichtlich der Anlagen zur Wärmespeicherung und -verteilung im Gebäude.
Aktueller Anwendungsbereich: kommunale Wärmeplanung
Mit Gebäudemodellen und Planungsmethoden beschäftigte sich der studierte Energie-, Gebäude- und Umwelttechniker bereits während seines Studiums und in seiner darauf folgenden wissenschaftlichen Mitarbeit im Forschungsprojekt „DigiTransSachs“, bei dem Radisch Unternehmen bei der Einführung von Planungsmethoden des Building Information Modeling begleitete. Seine neue Planungs- und Auswahlmethode ermöglicht ein zielgerichtetes Vorgehen im Rahmen des Transformationsprozesses und kann Objektplaner und Bauphysikerinnen sowie weitere Planende der Technischen Gebäudeausrüstung dabei unterstützten, die Qualität der Gebäudeplanung unter Berücksichtigung der rechtlichen, technologischen und finanziellen Rahmenbedingungen zu verbessern.
Die Erkenntnisse seiner Arbeit bringt er heute als Mitarbeiter eines Ingenieurbüros in der Planungspraxis ein. „Ein aktueller Anwendungsbereich ist die kommunale Wärmeplanung, bei der alle 10.000 Kommunen in Deutschland bis 2028 eine Strategie entwickeln müssen, wie die Wärmeversorgung ab 2045 ausschließlich mithilfe erneuerbarer Energien erfolgt“, so Radisch. Der Hochschule ist er weiterhin als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Gebäudeenergietechnik von Prof. Gero Guzek verbunden. Dort forscht er daran, wie Gebäude mit dem bestmöglichen Heizungssystem ausgestattet werden können.


