Leitungen der Mitgliedseinrichtungen vom Leipzig Science Network und Gäste tauschten sich am 9. März 2026 zur exzellenten Forschung mit Holz aus
Zum ersten Mal kam der Leipzig Science Club an die HTWK Leipzig: In der Veranstaltungsreihe vom Leipzig Science Network (LSN) tauschen sich die Leitungen der LSN-Mitgliedseinrichtungen regelmäßig über geplante Clusterinitiativen und über exzellente Forschung am Wissenschaftsstandort Leipzig aus und vernetzen sich miteinander. Thema am 9. März 2026 war die Ressource Holz, deren Nutzung und Potenziale, aber auch damit verbundene Konflikte.
Rund 50 geladene Vertreterinnen und Vertreter der LSN-Mitgliedseinrichtungen sowie Gäste aus Wissenschaft, Stadtgesellschaft und Politik nutzten die Gelegenheit, bei dem inspirierenden Abend Einblicke in aktuelle Forschung zu erhalten, sich interdisziplinär auszutauschen und zu vernetzen, denn die nachhaltige Ressource Holz ist gleichermaßen wichtig als Baustoff, Kohlenstoffspeicher und als Teil von Erholungsräumen.
„Es war mir eine große Freude, die Partnerinnen und Partner des Leipzig Science Networks bei uns an der HTWK Leipzig begrüßen zu können. Der Abend bot eine gute Gelegenheit, der Community unsere Visionen vorzustellen und zu zeigen, welche Potenziale wir im Netzwerk gemeinsam heben können – im Bereich des Holzbaus, aber auch bei zahlreichen anderen Themen“, so Prof. Dr. Jean-Alexander Müller, Rektor der HTWK Leipzig nach der Veranstaltung.
Holz als Baustoff, Kohlenstoffspeicher und Teil von Erholungsräumen
Prof. Dr. Alexander Stahr, Professor für Tragwerkslehre, Leiter der Forschungsgruppe FLEX und wissenschaftlicher Leiter des HolzBauForschungsZentrums an der HTWK Leipzig zeigte in seinem Vortrag „Auf dem Holzweg – angewandte Forschung im HolzBauForschungsZentrum der HTWK Leipzig“, dass die Produktivität im Baugewerbe sinkt und insbesondere das holzverarbeitende Handwerk Beschleunigung und Unterstützung braucht. Zentrale Hebel dafür seien Automatisierung, Digitalisierung und der Einsatz von KI. Der Fokus sollte auf der Wiederverwertung bereits genutzten Holzes liegen, zum Beispiel indem Gebäude bereits für unterschiedliche Nutzungsformen konzipiert werden – vom Parkhaus zum Wohnhaus – denn auch eine nachwachsende Ressource ist endlich.
Im Vortrag „Baum tut gut!“ machte Prof. Dr. Aletta Bonn, Professorin für Ökosystemleistungen am Umweltforschungszentrum Leipzig (UFZ/iDiv/FSU) deutlich, dass die Biodiversitäts- und Klimakrise trotz politischer Rahmenvereinbarungen weiter voranschreitet. Stadtgrün wirke nachweislich gesundheitsfördernd und sei ein echter Motor für das körperliche und seelische Wohlbefinden: So steigere beispielsweise die Vogelvielfalt die Lebenszufriedenheit und Bäume direkt vor der eigenen Haustür würden signifikante positive Effekte zeigen. Doch der gesundheitliche und gesellschaftliche Wert von Bäumen wird aktuell zu wenig berücksichtigt.
Eine Perspektive aus volkswirtschaftlicher Sicht ergänzte Prof. Dr. Martin Quaas, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Leipzig und Leiter der Arbeitsgruppe Biodiversitätsökonomik am Deutschen Zentrum für Integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig, in seinem Kommentar. Demnach habe Holz einen wirtschaftlich größeren Wert bei der CO2-Bindung als durch seine Nutzung. Naturnahe Grünflächen würden die Zufriedenheit ganzer Nachbarschaften erhöhen; ein volkswirtschaftlich hochrelevanter Erholungswert.
Leipziger Einrichtungen denken Wissenschaft, Stadtentwicklung und Nachhaltigkeit zusammen
In der anschließenden gemeinsamen Diskussion wurde deutlich: Die mitteldeutsche Wirtschaft kann den vollständigen Lebenszyklus der Holzverwertung aktuell nicht abbilden. Wälder werden wieder vielfältiger und biodiverser. Die Holzwirtschaft passt sich schrittweise an, aber insgesamt gilt: Wir müssen lernen, mit weniger Holz auszukommen. Denn Holz ist als Baustoff nicht überall sinnvoll, sondern lohnt sich insbesondere im Bereich Wohnen und Bildung. Ein vielversprechendes Forschungsfeld ist die Auswirkung von Kindheits- und Jugenderfahrungen in und mit der Natur auf das spätere Leben. Holzimporte aus dem Ausland bleiben sowohl unter Nachhaltigkeits-, als auch unter ökonomischen Gesichtspunkten sinnvoll.
Die Gäste nutzten die inspirierenden Einblicke im anschließenden Empfang im Creative Club der HTWK Leipzig für weiterführende Gespräche, auch über mögliche Forschungskooperationen. „Der Abend zeigte, wie in Leipzig Wissenschaft, Stadtentwicklung und Nachhaltigkeit zusammen gedacht werden“, freut sich Kathleen Schlütter, Geschäftsführerin vom LSN, über den gelungenen Abend an der HTWK Leipzig.

























