Verantwortungsvolles Handeln in der Technikentwicklung
In dem Vortrag geht es um die Frage, ob denjenigen, die Technik entwickeln, eine besondere Verantwortung aufgrund ihrer Expertise und ihrem Handeln zukommt, worin diese besteht, wie man diese begründen kann und welche Herausforderungen mit dieser spezifischen Form der Verantwortung einhergehen. Der Vortrag widmet sich damit dem Hauptthema der Ingenieursethik. Zunächst gehe ich auf den historischen Kontext ein, aus dem heraus die Ingenieursethik entstanden ist (Berufsethos, Zweiter Weltkrieg, ‚Technikkonflikte‘ in der BRD). Sodann erläutre ich den Begriff der Verantwortung und kläre, was es eigentlich bedeutet, jemanden Verantwortung zuzuschreiben bzw. Verantwortung zu übernehmen. Anhand zwei basaler Modelle von Verantwortung stelle ich die Bedingungen vor, unter denen die Verantwortungszuschreibung ethisch gerechtfertigt erscheint. Auf dieser historischen und begrifflichen Grundlage aufbauend stelle ich zentrale Herausforderungen für eine verantwortungsbewusste Ingenieurspraxis zur Diskussion (wie Verantwortungsdiffusion, ‚responsibility gap‘) und erläutere, welche ethischen Instrumente Ingenieurinnen und Ingenieure in ihrer beruflichen Praxis nutzen können, um selbst ethische Entscheidungen zu treffen. Abschließend betrachte ich strukturelle und organisatorische Bedingungen der Ingenieursethik.
Suzana Alpsancar ist Professorin für Philosophie und Ethik technisch-wissenschaftlicher Kulturen an der Universität Paderborn. Sie leitete ebendort die gleichnamige Fachgruppe am Heinz Nixdorf Institutes und ist Mitglied des Software Innovation Campus. Zudem fungiert sie als Principal Investigator im ERC-Synergy Grant „Cultures of the Cryosphere. Infrastructures, Politics, and Futures of Artificial Cooling“, in dem SFB/TRR 318 „Constructing Explainability” sowie dem NRW-Forschungsnetzwerk SustAInable Life-cycle of Intelligent Socio-Technical Systems (SAIL). Alpsancars Arbeitsschwerpunkte liegen in Fragen nach normativen, ethischen, und epistemologischen Herausforderungen in digitalisierten Welten.
Sie ist die Autorin von „Das Ding namens Computer“ (2012), Mitherausgeberin des Jahrbuchs Technikphilosophie (erscheint jährlich) sowie der Fachzeitschrift Digital Society sowie des Sammelbandes „Philosophische Digitalisierungsforschung. Verantwortung, Verständigung, Vernunft, Macht“ (2024). Sie hat zahlreiche Aufsätze zur Philosophie und Ethik von KI und digitalen Infrastrukturen verfasst.
