FAS Modellstudie
Interdisziplinäre Modellstudie zu Schutzeinrichtungen für erwachsene Betroffene von häuslicher Gewalt (mit deren Kindern) in Sachsen: Erfassung des baulich-räumlichen Bestands, Ermittlung von Handlungsbedarfen und typologische Weiterentwicklung
Laufzeit: 01.04.2023 – 31.12.2024
Förderung: Staatsministerium für Soziales, Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt
Interdisziplinäre Forschung zu Schutzeinrichtungen für Betroffene häuslicher Gewalt in Sachsen
Ziel der interdisziplinären Modellstudie war die systematische Erfassung des baulich-räumlichen und sicherheitstechnischen Bestands sächsischer Schutzeinrichtungen für von häuslicher Gewalt betroffene Erwachsene und deren Kinder sowie die Identifikation von Handlungsbedarfen. Hintergrund ist der quantitativer Fehlbedarf an Schutzplätzen und zugleich die bislang fehlende systematische Analyse der Qualität bestehender Einrichtungen. Die Studie verbindet architektonische und sozialwissenschaftliche Perspektiven und untersucht, inwiefern räumliche Bedingungen fachlichen Anforderungen Sozialer Arbeit entsprechen. Die Ergebnisse bilden eine fachliche Grundlage für qualitative und quantitative Weiterentwicklungen des Schutzsystems sowie für den Austausch zwischen Praxis, Trägern, Planung und Politik.
Die Studie wurde an der Fakultät Architektur und Sozialwissenschaften interdisziplinär in drei Phasen durchgeführt. In Phase 1 wurden fachliche Anforderungen an Soziale Arbeit systematisch aus Literatur abgeleitet und in notwendige Funktionsbereiche und Räume übersetzt. In Phase 2 erfolgte die Erhebung des Bestands mittels des umweltpsychologischen Ansatzes der Post-Occupancy-Evaluation (POE) in 12 Einrichtungen (20 Objekte) in Sachsen. In Objektbegehungen wurden objektive Messungen baulich-räumlicher Gegebenheiten sowie leitfadengestützte Interviews mit 21 Fachkräften und 4 Schutzsuchenden realisiert. Analysiert wurden Raumprogramm, Ausstattung, Barrierefreiheit und Sicherheit. In Phase 3 wurden Weiterentwicklungsmöglichkeiten und ein Strukturentwurf eines „idealen“ Schutzhauses auf Basis der theoretischen und empirischen Erkenntnisse erarbeitet.
Die Untersuchung zeigt, dass keines der analysierten Objekte die idealtypischen Anforderungen an Soziale Arbeit in Schutzeinrichtungen vollständig erfüllt. Defizite zeigen sich in allen analysierten Kriterien. Zugleich wird deutlich, dass sich die erforderlichen Funktionsbereiche in ihrer Abdeckung zwischen Schutzhäusern und Schutzwohnungen deutlich unterscheiden und fachliche Anforderungen damit in unterschiedlichem Maße in diesen Strukturen umgesetzt werden können. Insgesamt zeigt sich neben dem quantitativen Ausbau ein qualitativer Entwicklungsbedarf. Die Ergebnisse liefern konkrete Anforderungen an Räume und Ausstattung sowie Strukturvorschläge für Neubau und Bestand. Sie können als Grundlage für Förderentscheidungen, Fortschreibung landesweiter Strategien, Planung neuer Einrichtungen sowie für Umbau- und Anpassungsprozesse im Bestand dienen. Zudem unterstützen sie Träger und Fachkräfte bei der fachlichen Reflexion und Argumentation baulich-räumlicher Bedarfe.
Projektteam
Projektleitung

- Bereich:
- FAS
- Telefon:
- +49 341 3076-6960
Projektleitung (bis 31.12.2023)

- Bereich:
- FAS
- Telefon:
- +49 341 3076-4405
Projektleitung (ab 1.1.2024)

- Bereich:
- FAS
- Telefon:
- +49 341 3076-4351
Wissenschaftliche Hilfskräfte:
- Alexa Schult (M.A. Architektur)
- Paula Süß (B.A. Soziale Arbeit)
- Sabine Zellmann (M.A. Soziale Arbeit)
Kooperationspartner
- Prof. Dr. phil. Steffi Weber-Unger-Rotino, wissenschaftliche Begleitung Sozialwissenschaften, ab 1.3.2024





