In Erzählungen verstrickt – Zur Aktualität von Antisemitismus in Verschwörungstheorien
9/11, Corona, der Ukrainekrieg, der 7. Oktober 2023 – all diese historischen Ereignisse sind Einschnitte, die in der Gesellschaft nachhaltig wirksam sind. Sie erzeugen mitunter Ohnmachtsgefühle, Unsicherheiten, aber auch das Bedürfnis nach Orientierung und Erklärungen. Nicht selten gewinnen dabei einfache Deutungsmuster an Attraktivität und sind mitunter ein Nährboden für die Verbreitung von Verschwörungstheorien. Letztere sind zudem oftmals geprägt durch antisemitische Stereotype und Narrative.
Wenngleich Antisemitismus und die Notwendigkeit der Antisemitismuskritik für viele erst in den vergangenen Jahren verstärkt sichtbar geworden sind, zeigt sich, dass jahrhundertealte antisemitische Stereotype und Motive fortwährend existieren. Sie wirken bis heute – teils offen artikuliert, teils in codierter oder impliziter Form.
Daher verfolgt der Vortrag die Frage nach Kontinuitätslinien von Antisemitismus und damit verbunden antisemitischen Verschwörungstheorien bis in die Gegenwart. Er zeigt dabei zum einen auf, was Antisemitismus ist und in welchen Formen und Motiven dieser in Erscheinung tritt und zum anderen, inwiefern Antisemitismus und Verschwörungstheorien im Allgemeinen in ihren (vermeintlichen) Funktionen und Charakteristika verbunden sind. Ziel ist es, eine kritische Einordnung der Verarbeitung und damit auch Darstellung der Tradierung antisemitischer Stereotype und Narrative in aktuellen Verschwörungstheorien zu leisten.
Friederike Henjes, M.A./M. Ed. hat evangelische Theologie und Germanistik auf Lehramt sowie den Fachmaster „Ökumene und Religionen“ mit Schwerpunkt in jüdischen Studien in Osnabrück, Oldenburg und Heidelberg studiert. Von 2020 bis 2025 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Carl von Ossietzky Universität im Fachbereich Religionspädagogik und Kirchengeschichte. Derzeit promoviert sie zu antisemitischen Verschwörungstheorien und dem Topos der Apokalyptik aus einer kirchenhistorischen Perspektive. Seit 2025 ist sie Mitarbeiterin der Koordinationsstelle an der Universität Oldenburg für das landesweite „Zertifikat Antisemitismuskritische Bildung in Niedersachsen im Kontext Schule“ (ZABIN), dass für Lehramtsstudierende aller Fächer und Schulformen geöffnet ist. Ihre Forschungsinteressen und Arbeitsschwerpunkte liegen im Bereich jüdisch-christliche Beziehungen, antisemitismuskritische Bildung sowie antisemitische Verschwörungstheorien. Sie ist unter anderem Mitglied im Netzwerk antisemitismus- und rassismuskritische Religionspädagogik und Theologie (narrt). Neben ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit setzt sie sich in weiteren Projekten ehrenamtlich für die Sichtbarkeit aktuellen jüdischen Lebens in Deutschland ein.
