Was ist Judentum?
Seit der Französischen Revolution sollen sich Juden gelegentlich entscheiden, ob ihr Judentum Religion oder Nation sei.
Mordecai Kaplan (Judaism as a Civilization, 1934) hält das mit Recht für eine Engführung. Judentum ist eine alte Religion. Aus ihr sind Religionen hervorgegangen, deren Anhängerschaften sehr viel größer sind. Jüdisch wird ein Mensch geboren. Auch nicht jüdisch geborene Menschen können in die Gemeinschaft aufgenommen werden. Die Religion hat partikulare und universelle Elemente. Jüdische Menschen können religiös oder säkular sein, Menschen, deren profaner Alltag von Religion durchdrungen ist oder Menschen, die sich selbst als atheistisch beschreiben.
Die jüdische Gemeinschaft hat schon im Altertum den Verlust der geographischen Heimat verarbeitet. Sie war bis in die Antike auf einen Tempel konzentriert und hat sich nach dessen Verlust um neu organisiert. Leitfiguren und Führungsgestalten zu wechselnden Zeiten waren Priester, Prophetinnen/Propheten, Retterinnen und Könige, Gelehrte, Philosophen und Mystiker. Monotheismus gilt manchen als zentrale Religionsdoktrin. Andere würden sagen, diese Religion ist philosophisch, gar rationalistisch. Zugleich lebt ein mystischer Zweig der Religion. Ihre Tradition ist patriarchal geprägt und zeitigt feministische Strömungen.
Die Namen jüdisch wie israelitisch leiten sich von Stammvätern aus dem Altertum ab. Die Deutung des Namens „jüdisch“ umfasst ein Spektrum vom Bekennen bis zur Dankbarkeit.
Herr Dr. Timotheus Arndt studierte evangelischen Theologie am Katechetischen Oberseminar Naumburg. Er war erst Assistent, später wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Forschungsstelle Judentum der Theologischen Fakultät Leipzig. Von 1988 bis 1996 war er zudem Pfarrer in Podelwitz im Leipziger Land. 1991 erfolgte die Promotion durch die Kirchliche Hochschule Leipzig zum Dr. theol. 2005 bis 2023 hatte er den Vorsitz der Jüdisch-Christlichen Arbeitsgemeinschaft inne, in der er immer noch aktiv mitwirkt.