Das Kaleidoskop jüdischer Identitäten in Deutschland: Geschichte, Intoleranz und Emotionen
Juden und Jüdinnen und Deutschland hatten schon immer eine komplexe Beziehung. Als Minderheit, die seit dem Hochmittelalter im deutschsprachigen Raum verwurzelt war, spielten die Juden vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Shoah eine grundlegende Rolle bei der Transformation der deutschen Kultur und Gesellschaft.
Nach einem kurzen historischen Überblick über die jüdische Präsenz und Kultur von der Nachkriegszeit bis heute, sowohl in der Bundesrepublik Deutschland als auch in der Deutschen Demokratischen Republik, befasst sich der Vortrag aus soziologischer Perspektive eingehend mit den vielfältigen Facetten der jüdischen Identitäten und den damit verbundenen Identifikationsfaktoren im Kontext des heutigen Deutschlands. Besonderes Augenmerk wird auf die emotionalen Erfahrungen und Bestrebungen einzelner und kollektiver Juden und Jüdinnen gelegt. Auf diese Weise wird die Interaktion dieser Gemeinschaft innerhalb der
nichtjüdischen Mehrheitsgesellschaft skizziert. Der Vortrag vernachlässigt jedoch
nicht die kritischen Themen des Alltagslebens von Juden und Jüdinnen und untersucht
die Phänomene der Diskriminierung und des Antisemitismus, die heute wieder akut
sind, sowie die damit verbundenen Emotionen.
Prof. Dr. habil. Silvana Greco ist Honorarprofessorin für Soziologie des Judentums
an der Freien Universität Berlin und für Allgemeine Soziologie an der Technischen
Universität Dresden sowie Vizepräsidentin der Stiftung Palazzo Bondoni Pastorio.
Nach ihrem Studium der Volkswirtschaftslehre und ihrer Promotion in Soziologie
habilitierte sie sich in Soziologie an der TU Dresden. Sie ist Mitglied des Fachverbands Judaistik, Jüdische Studien, Jüdische Theologie in Deutschland e.V. und der Deutschen Gesellschaft für Soziologie. Sie ist international in der Forschung und als Referentin tätig. Neben der Soziologie des Judentums gelten ihre Forschungsinteressen der Soziologie der Kultur, der Kunst, der Emotionen und des Körpers. Sie ist Autorin zahlreicher Bücher und Aufsätze in nationalen und internationalen Fachzeitschriften. Zu ihren jüngsten Veröffentlichungen gehört u.a. Counting the Miracles. Jewish Thought, Mysticism, and the Arts from Late Antiquity to the Present. (hrsg. mit J. Olszowy-Schlanger, De Gruyter, 2025).
