HTWK Orchester Leipzig - Programmheft 2026
Orchesterleitung
Der gebürtige Schweizer Frédéric Tschumi erhielt im Alter von sechs Jahren seinen ersten Violinunterricht. Nach dem Abitur studierte er zunächst Musikwissenschaft und Germanistik in Genf und Berlin.
Von 2003 bis 2008 studierte er Dirigieren bei Professor Nicolás Pasquet und Professor Gunter Kahlert sowie Violine bei Professor Ursula Dehler an der Musikhochschule Weimar. Im Rahmen dieses Studiums erhielt er regelmäßig die Möglichkeit, Orchester wie die Jenaer Philharmonie, das Loh-Orchester Sondershausen und die Vogtland Philharmonie zu dirigieren. 2007 dirigierte er Deidamia von Händel in einer Koproduktion des Landestheaters Eisenach mit dem Studiotheater Weimar.
Von 2014 bis 2017 leitete er das Europera Jugendorchester – ein trinationales Projekt, welches Musiker aus Deutschland, Polen und Tschechien zusammenführte. Außerdem dirigierte er bis 2019 das Leipziger Universitätsorchester und war Gastdirigent beim Sächsischen Landesjugendorchester, sowie Leiter des Orchesters‘ 91 in Hamburg. Als Dozent leitete er mehrere Jahre das Dirigierseminar für die Jeunesses Musicales in Weikersheim. Seit 2018 dirigiert er die Junge Philharmonie Würzburg und seit 2023 die Philharmonie Erlangen.

Das Ensemble
Wir sind das HTWK Orchester Leipzig – ein junges Sinfonieorchester, in dem Studierende aus ganz Leipzig zusammenkommen, um gemeinsam große Musik auf die Bühne zu bringen. Seit unserer Gründung im Jahr 2013 sind wir stetig gewachsen und musizieren heute mit über 60 engagierten Musiker*innen. Aktuell werden wir von Frédéric Tschumi dirigiert, mit dem wir unsere Programme mit viel Neugier, Energie und Liebe zum Detail erarbeiten.
Unsere Mitglieder sind zwischen 18 und 35 Jahre alt und studieren die unterschiedlichsten Fächer – von Ingenieurwissenschaften bis Kunst, von Musik bis Geisteswissenschaften. Was uns verbindet, ist die Freude am Orchesterspiel und die Lust, uns musikalisch immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen. Studierende der HTWK Leipzig musizieren dabei Seite an Seite mit Kommiliton*innen der HGB, der HMT und der Universität Leipzig.
Ein Semester bedeutet für uns: ein neues Programm, neue Ideen und viele gemeinsame Proben. Jeden Montagabend treffen wir uns zu Gesamt- oder Stimmproben – mal konzentriert und detailorientiert, mal voller Energie und Klang. Das Programm entsteht dabei aus unseren eigenen Reihen, im Austausch mit unserem Dirigenten und einer gewählten Programmkommission. Am Ende jeder Probenphase stehen zwei Konzerte an wechselnden Leipziger Spielorten, etwa im Kupfersaal, in der St. Lukaskirche oder der Peterskirche. Ein ganz besonderes Highlight erwartet uns zum Abschluss der Wintersemesterphase: unser erstes Konzert im Mendelssohnsaal des Gewandhauses zu Leipzig.
Mindestens genauso wichtig wie das gemeinsame Musizieren ist für uns das Miteinander. Einmal pro Semester fahren wir für ein Probenwochenende in eine Jugendherberge im Leipziger Umland, wo intensiv geprobt, viel gelacht und natürlich auch gemeinsam gegessen wird. Außerdem begleiten wir jedes Jahr die feierliche Immatrikulation der neuen Studierenden der HTWK Leipzig musikalisch – ein fester Termin in unserem Kalender.
Organisiert wird das HTWK Orchester komplett von uns selbst. Ein ehrenamtlicher Vorstand kümmert sich um alles, was hinter den Kulissen passiert – von der Probenplanung über Konzerte bis hin zur Öffentlichkeitsarbeit. Weil viele von uns nur für ein paar Jahre dabei sind, wechseln die Aufgaben regelmäßig. So bleibt das Orchester immer in Bewegung – musikalisch wie organisatorisch.
Musikalisch nehmen wir uns dabei einiges vor. Viele unserer Mitglieder investieren zusätzlich zum Studium viel Zeit in die eigene Vorbereitung. Für Soli oder besonders anspruchsvolle Stellen arbeiten wir regelmäßig mit Musikstudierenden und professionellen Musiker*innen zusammen. Neue Orchestermitglieder werden über Vorspiele aufgenommen – denn bei aller Offenheit ist uns die musikalische Qualität wichtig.
Jedes Semester entsteht ein neues Konzertprogramm von etwa ein bis zwei Stunden. Im Mittelpunkt steht meist ein großes sinfonisches Werk oder ein Solokonzert, ergänzt durch kürzere Stücke. Unser Repertoire ist dabei so vielfältig wie wir selbst: von Bach und Mozart über romantische Sinfonien bis hin zu Filmmusik wie Star Wars oder Fluch der Karibik.
Edvard Grieg:
Suite Nr. 1 aus „Peer Gynt“, op. 46

Nr. 4: In der Halle des Bergkönigs
Edvard Grieg (1843–1907) spielte eine zentrale Rolle in der nationalen Bewegung, die die norwegische Kultur im 19. Jahrhundert prägte, und trug dazu bei, der norwegischen Musik einen festen Platz auf der internationalen Musikbühne zu verschaffen. Seine frühe musikalische Ausbildung erhielt Grieg in Leipzig, und später kehrte er als etablierter Komponist mehrfach in die Stadt zurück.
Im Jahr 1874 erhielt Grieg von Henrik Ibsen, dem norwegischen Dramatiker, den Auftrag, Musik zu dessen Bühnenstück Peer Gynt zu komponieren. Dies markierte den Beginn einer engen Zusammenarbeit, und die Uraufführung fand 1876 am Christiania Theater in der norwegischen Hauptstadt statt. Später wählte Grieg die bekanntesten Nummern der Bühnenmusik aus und stellte sie zu Orchestersuiten für den Konzertgebrauch zusammen. Die Peer Gynt-Suite Nr. 1, op. 46, wurde 1888 in Leipzig vollendet und im selben Jahr im Gewandhaus uraufgeführt.
„In der Halle des Bergkönigs“ ist der letzte Satz der ersten Suite. In Ibsens Drama betritt Peer Gynt das Reich der Trolle und entdeckt eine fremde und unheimliche Welt. Beim Eintritt in diesen Bereich erklingt ein achttaktiges Ostinato in den tiefen Registern des Orchesters. Diese einfache, treibende Figur wandert allmählich durch die verschiedenen Instrumentengruppen. Die Intensität steigert sich durch zunehmende Dynamik, dichtere Orchestrierung und schnellere Bewegung, bis die Musik in einem chaotischen Höhepunkt kulminiert, aus dem Peer schließlich fliehen muss.
Antonín Dvořák:
Sinfonische Dichtung op. 107

Der Wassermann
Antonín Dvořák (1841–1904) komponierte seine sinfonische Dichtung Der Wassermann im Jahr 1896, inspiriert von Karel Jaromír Erbens Gedichtsammlung Kytice. Das Werk gehört zu Dvořáks Spätwerk und wurde im selben Jahr in London uraufgeführt.
Die Geschichte beginnt mit dem Wassermann, der an einem See sitzt und vor sich hinsingt, während er seine bevorstehende Hochzeit vorbereitet. Am nächsten Morgen geht eine junge Frau trotz der Warnung ihrer Mutter zum See, nachdem diese einen unheilvollen Traum hatte.
Als sich die Tochter über die Wasseroberfläche beugt, steigen die Wellen auf, und der Wassermann zieht sie in die Tiefe. Im Unterwasserreich heiraten sie und bekommen im Laufe der Zeit ein Kind. Die Frau sehnt sich jedoch nach ihrer Mutter zurück und bittet darum, diese für einen Tag besuchen zu dürfen.
Der Wassermann erlaubt dies, jedoch nur unter der Bedingung, dass sie das Kind als Sicherheit zurücklässt und vor dem Läuten der Abendglocken zurückkehrt.
Die Wiederbegegnung zwischen Mutter und Tochter ist von Liebe und Trauer geprägt, doch die Mutter weigert sich schließlich, sie wieder gehen zu lassen. Als der Wassermann sie aufsucht und zurückgewiesen wird, endet alles in einer tragischen Rache. Nach einem heftigen Sturm finden Mutter und Tochter den leblosen Körper des Kindes vor der Tür.
Dvořák folgt der Handlung der Ballade eng und lässt das Orchester die Geschichte durch wiederkehrende Motive und deutliche Stimmungswechsel erzählen. Das Werk ist als freies Rondo aufgebaut, in dem das Wassermann-Motiv, das zu Beginn eingeführt wird, immer wiederkehrt und die verschiedenen Szenen mit der Mutter, der Tochter und dem Leben unter Wasser verbindet, bevor das Werk in einem dunklen und unheimlichen Epilog endet.
Peter Tschaikowsky:
Sinfonie Nr. 4 in f-Moll, op. 36
Tschaikowsky war ursprünglich Jurist bevor er sich dem Musikstudium zuwandte. Zeitlebens reagierte er äußerst sensibel auf die Aufnahme seiner Werke: Seine ersten beiden Sinfonienund
seine frühen Opern blieben weitgehend erfolglos, und auch sein Lehrer Nikolai Sabaneevtat sein erstes Klavierkonzert als unbrauchbar ab. Den ersten echten Erfolg brachte dann wiederum gerade dieses Konzert. 1877 stürzte Tschaikowsky in seine schwerste innere Krise. Verliebt in einen ehemaligen Schüler, heiratete er zugleich eine Frau – wohl vor allem, um gesellschaftlichen Erwartungen zu entsprechen und Gerüchten zu entgehen. Die Ehe scheiterte bereits nach drei Monaten, vermutlich begleitet von einem Selbstmordversuch. Offiziell geschieden wurde das Paar allerdings nie. Genau in diese Zeit fiel auch der Beginn seiner lebenslangen Brieffreundschaft mit Nadeshda von Meck, die zu einer seiner wichtigsten Förder*innen wurde. Inmitten dieser privaten Turbulenzen entstand die 4. Sinfonie, die er gegenüber von Meck als "unsere Sinfonie" bezeichnete.
In einem Brief an sie skizzierte er das „Programm“ der Sinfonie, weshalb seine Hintergedanken zu den einzelnen Sätzen heute für uns gut nachvollziehbar sind. Es war das erste Mal, dass Tschaikowsky versuchte, seine Musik in Worte zu übersetzen – ein Versuch, mit dem er selbst wohl unzufrieden blieb. Zutiefst depressiv geschrieben, sollte die Sinfonie ein "treues Echo des Erlebten" sein.

Tschaikowskys 4. Sinfonie besteht aus vier Sätzen, von denen Tschaikowsky den ersten (Andante sostenuto – Moderato con anima) als das eigentliche Herzstück betrachtete. Zu dessen Inhalt äußerte er sich ausführlich: Das einleitende Bläsermotiv – das "Schicksalsmotiv" oder "Fatum" – sei die Grundidee der gesamten Sinfonie. Es verkörpere eine schicksalhafte Kraft, die den Impuls zur Freude stets von seinem Ziel abhalte, ein "Damoklesschwert", das die Seele unaufhörlich vergifte. Dieses Fatum könne nie überwunden, sondern nur ertragen werden. Im Satzverlauf tauchen dennoch schöne, freudige Momente auf, doch abrupt kehrt das Fatum zurück und zerschlägt diese Illusion: Alles war nur Tagtraum, eine Vision von Glück.
Der zweite Satz (Andantino in modo di canzona) widmet sich einer anderen Form der Traurigkeit: der Melancholie. Es ist jenes Gefühl, das einen abends allein überkommt, wenn Erinnerungen an die Jugend und an Verluste, aber auch an schöne, erfüllende Momente aufsteigen. Ein zugleich trauriges und süßes Schwelgen in der Vergangenheit, eröffnet von der Oboe und im weiteren Verlauf aufgegriffen von Streichern und anderen Holzblasinstrumenten.
Im dritten Satz (Scherzo: Pizzicato ostinato) verzichtet Tschaikowsky weitgehend auf eine melodische Entwicklung im klassischen Sinn und schafft stattdessen ein Klangbild vonschwebender Leichtigkeit: Die Streicher spielen durchgehend pizzicato, während Holzbläser und Blech in kontrastierenden Episoden hervortreten – einmal ein keckes, fast volkstümliches Thema, dann ein marschartiger Abschnitt. Tschaikowsky verglich diese flüchtigen, unzusammenhängenden Bilder mit jenen, die durch den Kopf ziehen, wenn man getrunken hat und die Fantasie ungebunden umherschweift.
Der vierte Satz (Finale: Allegro con fuoco) bricht mit überschäumender, fast überwältigender Energie hervor. Hier schildert der Komponist die Freude anderer Menschen und seinen Versuch, an dieser Euphorie teilzuhaben. Doch auch hier kehrt plötzlich, als düstere Erinnerung, das Fatum aus dem ersten Satz zurück und unterbricht die ausgelassene Stimmung. Die Sinfonie mündet schließlich in einen triumphalen, mitreißenden Schluss, der das Fatum überwindet.
Besetzung des HTWK Orchesters Leipzig SoSe 2026
Violine 1
- Valentin Krug (Konzertmeisterin, Orchestervorstand, Stimmführung)
- Karla Friese (Konzertmeisterin, Stimmführung)
- Moritz Merkel (Orchestervorstand)
- Henrike Nestler (Orchestervorstand)
- Anne Vogler
- Clara Pflock
- Hannah Marie Feige
- Caitlyn Tantama
- Charlotte Fritz
- Deborah Prkno
- Mia Santarius (Orchestervorstand)
- Anastasia Ibe
- Elisa Tjorven Erdmann
Violine 2
- Sophia Kärmer (Stimmführung)
- Elisa Hecht
- Bruno Rössel
- Antonia Mesgarha
- Michelle Sandler
- Helene Gööck
- Agnes Voß
- Anniken Elisabeth Bolstad
- Leoni Straub (Orchestervorstand)
- Pablo Arroniz Kramer
Bratsche
- Paula Vorbrodt (Stimmführung)
- Tabea Haun
- Veronika Nicklas
- Marike Hangen
- Esther Stübe
- Hannah Charlotte Commentz
Cello
- Maximilian Heidler (Stimmführung)
- Hermine Merkel
- Frida Hermenau (Orchestervorstand)
- Joseph Sonntag
- Timon Baral
- Cedric Hülsemann (Orchestervorstand)
- Klara Lötfering
- Niko Hofmann
- Clemens Ballani
- Lydia Theresa Lehmann
- Philipp Zimmer
Kontrabass
- Heinrich Alfred Mertelsmann
- Christian Harri Böddener
Flöte
- Jessica Santosa
- Frida Jährling
- Luca Sipos (Piccolo)
Oboe
- Mabel Nestler
- Lukas Möller
- Simeon de Roos (auch Englischhorn)
Klarinette
- Wiebke Koch
- Till Müller (auch Bassklarinette, Orchestervorstand)
Fagott
- Jette Rachold
- Ariane Kleinke
Horn
- Raphael Böhler
- Emilia Loichen
- Markus Bünte
- Gino Cenedese
Trompete
- Nora Demel
- Lukas Gollnisch
Posaune
- Till Schab
- Lukas Krause
- Rebecca Ibe
Tuba
- Uwe Salomo
Schlagwerk
- Robert Langenfeld (Orchestervorstand)
- Benjamin Schreier
- Mana Tsubakimoto
- Martin Renner
- Musikalische Leitung
- Frédéric Tschumi

