Forschende haben innovative Ansätze für eine wassersensible Stadtentwicklung in Oschatz erprobt. Zum Projektabschluss werden die Ergebnisse vorgestellt
Mit dem Projekt „Oschatz Blau-Grün“ haben die Stadt Oschatz, das Institut für Wasserbau und Siedlungswasserwirtschaft (IWS) der HTWK Leipzig und die StadtLand GmbH in den vergangenen drei Jahren erprobt, wie Städte den Herausforderungen von Starkregen, Hitzeperioden und zunehmender Flächenversiegelung begegnen können. Das simul+-geförderte Modellvorhaben zeigt, wie Regenwasser als Ressource genutzt und wassersensible Stadtentwicklung dauerhaft in kommunalen Planungsprozessen verankert werden kann. Die Ergebnisse werden am 25. Juni 2026 auf der Abschlusskonferenz „Blau-grüne Infrastruktur für Sachsen“ vorgestellt.
Im Mittelpunkt des Projekts stand das sogenannte Schwammstadt-Prinzip. Regenwasser soll möglichst vor Ort gespeichert, versickert oder genutzt werden, anstatt es direkt in die Kanalisation abzuleiten. So können Kanalnetze entlastet, Grünflächen bewässert und Städte besser an die Folgen des Klimawandels angepasst werden.

„Die Gesellschaft steht vor großen Herausforderungen: Einerseits werden die Auswirkungen des Klimawandels durch mehr Hitzetage sowie stärkere und intensivere Niederschlagsereignisse immer spürbarer. Andererseits steigen die Anforderungen aus der Wasserrahmenrichtlinie. Diese beruhen auf der Erkenntnis, dass die bisherige Siedlungspolitik die Umwelt belastet und insbesondere die Selbstreinigungskräfte unserer Gewässer zunehmend beeinträchtigt. Verschärft werden diese beiden Herausforderungen durch immer knapper werdende Ressourcen, um ihnen wirksam zu begegnen. Die bisherigen Ansätze, immer größere Bauwerke zu errichten, sind nicht mehr zielführend. Deshalb müssen politische Rahmenbedingungen, Regelwerke und nicht zuletzt das praktische Handeln angepasst werden. Im Projekt ,Oschatz Blau-Grün‘ haben wir dies exemplarisch umgesetzt“, sagt Tilo Sahlbach vom Institut für Wasserbau und Siedlungswasserwirtschaft der HTWK Leipzig.
Bereits 2023 wurde das Vorhaben im Rahmen des simul+-Wettbewerbs des Freistaats Sachsen ausgezeichnet. Die Projektpartner erhielten insgesamt 150.000 Euro Fördermittel für die Entwicklung und Umsetzung einer nachhaltigen blau-grünen Infrastruktur. Im Pilotquartier Oschatz West entstanden Konzepte für Regenwasserbewirtschaftung, Entsiegelung und klimaangepasste Freiraumentwicklung, die auch auf andere Kommunen in Sachsen übertragbar sein sollen.
Die Projektergebnisse zeigen, dass blau-grüne Infrastrukturen einen wichtigen Beitrag zur Klimaanpassung leisten können. Gleichzeitig wird deutlich, dass ihre erfolgreiche Umsetzung eine langfristige Verankerung in Planung, Verwaltung und Förderung erfordert.
Fachkonferenz „Blau-grüne Infrastruktur für Sachsen“
Zum Abschluss des Projekts treffen sich am 25. Juni 2026 Vertreterinnen und Vertreter aus Kommunen, Fachverwaltungen, Verbänden und Wissenschaft in Oschatz. Unter dem Leitmotiv „Wie gelingt es im Freistaat Sachsen, das Schwammstadt-Prinzip als Planungsgrundlage zu verankern?“ diskutieren sie Erfahrungen aus Modellprojekten und Perspektiven für die weitere Umsetzung.
Auf dem Programm stehen Fachvorträge, Praxisberichte aus den Städten Oschatz, Taucha und Zittau sowie Workshops zu Stadtentwicklung, Klimaanpassung und Projektumsetzung. Darüber hinaus wird ein gemeinsames Positionspapier mit Handlungsempfehlungen für Sachsen vorgestellt. Im Anschluss lädt die Stadt Oschatz zu einem Rundgang durch die umgesetzten Maßnahmen im Rahmen der Kleinen Gartenschau 2026 ein.
Veranstaltung auf einen Blick
Konferenz: Blau-grüne Infrastruktur für Sachsen
Datum: 25. Juni 2026, 9:00–16:00 Uhr
Ort: Thomas-Müntzer-Haus, Altmarkt 17, 04758 Oschatz
Veranstalter: Forschungsprojekt „Oschatz Blau-Grün“ in Kooperation mit dem IWS der HTWK Leipzig, der StadtLand GmbH und der Stadt Oschatz
Anmeldung: veranstaltung (at) iws.htwk-leipzig.de
