KI-Tools sind längst im Alltag angekommen. Doch wie nutzt man sie sinnvoll, verantwortungsbewusst und wissenschaftlich korrekt? Zwischen Verboten, Unsicherheit und hohen Erwartungen fehlt vielen Studierenden eine klare Orientierung.
Genau hier setzt das Buch „Studentische Hausarbeiten mit KI meistern – Umsichtig relevante Skills erwerben“ an, das Ende 2025 im Springer-Gabler-Verlag erschienen ist. Entstanden ist es im Rahmen eines außergewöhnlichen Lehr- und Forschungsprojekts an der HTWK Leipzig: Studierende und Lehrende haben gemeinsam ein Fachbuch über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in wissenschaftlichen Arbeiten verfasst und dabei KI selbst als Werkzeug erprobt.
Ein wissenschaftliches Buch über Künstliche Intelligenz – geschrieben mit Künstlicher Intelligenz.
Das Besondere an „Studentische Hausarbeiten mit KI meistern“ ist nicht nur der Inhalt, sondern auch der Entstehungsprozess. Das Buch verfolgt zwei zentrale Ergebnisse: Es dient als Ratgeber für den Einsatz von KI in wissenschaftlichen Arbeiten und reflektiert die Erfahrungen des Schreibens mit KI.
Im Zentrum des Projekts stand eine Frage, die Studierende und Lehrende gleichermaßen beschäftigte: Wie lässt sich KI beim Schreiben studentischer Arbeiten sinnvoll einsetzen? Statt pauschaler Verbote oder unkritischen Erfolgsversprechen bietet das Buch einen praxisnahen Leitfaden, der den gesamten Erstellungsprozess einer wissenschaftlichen Arbeit mit künstlicher Intelligenz abdeckt: von der Recherche über das Strukturieren bis zur finalen Textfassung inklusive zahlreicher Beispiel-Prompts zur praktischen Anwendung.
Initiiert wurde das Projekt von Prof. Friedrich Figge, Professor für Electronic Publishing und Multimedia an der HTWK Leipzig. Die Idee entstand nach einem Vortrag von Springer-Nature auf der Frankfurter Buchmesse. „Ziel ist, die Möglichkeiten von KI für Studierende auf wissenschaftliche und praxisnahe Weise nutzbar zu machen, damit sie diese unabdingbare Zukunftskompetenz einsetzen können.”, erklärt Figge. Sein Lehransatz orientiert sich am Humboldtschen Ideal, Forschung und Lehre gemeinsam mit Studierenden weiterzuentwickeln.
Geleitet wurde das Projekt von Dr. Kirsten Darby, promovierte Historikerin, wissenschaftliche Bibliothekarin und Alumna der HTWK. Sie brachte ihre Expertise aus Forschung, Lehre und Informationskompetenz ein. „Die Dinge ändern sich rasant, aber die Grundlagen bleiben“, sagt Darby. „Informationskompetenz und kritisches Denken sind Kernkompetenzen der Zukunft. KI kann helfen, aber nur, wenn man ihre Ergebnisse kritisch hinterfragt.“
Wie schreibt man ein wissenschaftliches Buch mit KI?
Der Fortschritt von Künstlicher Intelligenz bewegt nicht nur die Gesellschaft, auch die Buchbranche steht Kopf. Nach erster Einweisung in die KI-Tools des Verlags ist schnell klar: Ein Buch auf Knopfdruck wird dieses Projekt keinesfalls.
Für die Studierenden war das Projekt ein intensiver Lernprozess. Anfangs herrschte Begeisterung. „Ich dachte wirklich, das geht jetzt richtig fix – ein Buch mit KI schreiben“, erinnert sich Studentin Marie Gude. Doch schnell zeigte sich: Der Einsatz von KI spart nicht automatisch Zeit: Halluzinationen, Ungenauigkeiten und fehlende Quellenangaben machen ständiges Prüfen und Nacharbeiten notwendig. „Am Ende war es mehr Arbeit als gedacht, aber auch extrem lehrreich.“
Die Vorarbeit der Autorinnen und Autoren muss so genau wie möglich sein, um qualitativ hochwertige Ergebnisse zu erzielen. Das bedeutet, detaillierte und eigenständige Quellenarbeit und Formulierung der Quelleninhalte unter Beachtung einer vorher festgelegten sachlich richtigen Reihenfolge. Die fertige Sammlung des Erarbeiteten gibt dann der verlagseigene KI-Ingenieur inklusive des Prompts an deren KI. Der generierte KI-Text wird anschließend überarbeitet, um Feedback zu liefern, welcher dann durch den KI-Ingenieur integriert wird. Ein wichtiger Prozess, um das Ziel zu erreichen, entsteht: ein Ping-Pong zwischen Feedback und Prompt.
Niklas Metzinger, der seine im Projekt erworbenen Kompetenzen später direkt in seiner Bachelorarbeit einsetzte, zieht ein positives Fazit: „Es war sehr viel Arbeit, Recherche und Durchhaltevermögen notwendig, aber schlussendlich bin ich vor allem eins: Stolz. Wann bekommt man als Student schon mal die Möglichkeit, an etwas mitzuarbeiten, das wirklich veröffentlicht wird und Teil des eigenen Portfolios ist?“
Das Ergebnis ist ein Buch, das Orientierung in einem aktuellen Themenfeld bietet und zugleich deutlich macht, dass der kompetente Umgang mit KI kein Selbstläufer ist. Richtig eingesetzt kann KI jedoch zu einem nützlichen Werkzeug im wissenschaftlichen Arbeiten werden: nicht als Abkürzung, sondern als Unterstützung im reflektierten Forschungs- und Schreibprozess. Oder, wie Kirsten Darby es formuliert: „Wer Experte ist, erkennt den Unsinn der KI. Wer es nicht ist, sollte sie nicht unkritisch nutzen.“ Ein Satz, der den Kern des Projekts auf den Punkt bringt.
Foto: Magdalena Groh
