„Bilde dich selbst, und dann wirke auf andere durch das, was du bist!“
Wilhelm von Humboldt
Demokratie
Perspektiven aus dem WS 2015/2016 neu bewertet
Unter dem Eindruck nationalistischer und fremdenfeindlicher Parolen von PEGIDA hatte das Studium generale im Wintersemester 2015/2016 zur Ringvorlesung "Demokratie - Wer hält die Fäden in der Hand?" eingeladen. Viele fürchteten um den Bestand unserer liberalen Demokratie und gingen damals auf die Straße. Am meisten in Leipzig: 30.000 setzten am 12. Januar 2015 ein starkes Zeichen gegen die nicht einmal 5.000 LEGIDA-Anhänger.
Ein Jahrzehnt später führt der wachsende Erfolg der AfD - und insbesondere die Wahlergebnisse in unserem Nachbarbundesland Sachsen-Anhalt - bei vielen Menschen erneut zu Zukunftsängsten. Wir wollen das zum Anlass nehmen, die Resultate der Ringvorlesung von 2015/2016 unter dem Eindruck der aktuellen politischen Entwicklungen neu zu bewerten.
In Deutschland feiert die Demokratie ihr 76-jähriges Bestehen. Das ist bemerkenswert, denn Demokratie ist eine fragile Staatsform und die Vorbilder der griechischen Antike erreichten höchstens 65 Jahre. Im Weichen der politisch-argumentativen Auseinandersetzung vor populistischen Verlautbarungen sehen nicht wenige Anzeichen für eine Krise. Wie lange hält also unsere Demokratie noch? Wie viel Protestwähler verträgt sie, wie viel Lobbyismus, wie viel Globalisierung und welches Maß an Meinungsfreiheit?
Die historischen Betrachtungen am Anfang der Vorlesungsreihe werden zeigen, wie wenig die antiken Vorbilder mit unserer heutigen Vorstellung von Demokratie gemein haben und wie der Wunsch nach wirtschaftlicher Freiheit die Mitbestimmung in die Neuzeit brachte. Es stellt sich dabei die Frage, ob Demokratie und Kapitalismus sich gegenseitig bedingen. Und es verwundert nicht, dass Kritiker hinter dem Export des Demokratiegedankens vor allem ökonomische Ziele vermuten.
In der Demokratie wirken viele Akteure. Der Einzelne streitet nach Kräften für seine Ziele. Die Summe der Einzelinteressen ist nicht identisch mit der Vorstellung vom Gemeinwohl.
Gleich wie – der hohe Wert, den wir Europäer dem Idealbild der Demokratie beimessen, erlaubt uns nicht, Alternativen zu denken. Das ist unser historisches Erbe. Doch wenn unsere Demokratie in Bedrängnis geraten ist, was können und müssen wir dann für ihre Rettung tun?

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Aufzeichnungen
Wintersemester 2015/2016
In diesem Semester wird keine "live"-Ringvorlesung an der HTWK Leipig im Studium generale angeboten. Die Aufzeichnungen sind bereits ab Beginn abrufbar, die Reflexion erfolgt aber im wöchentlichen Turnus.