In stillem Gedenken an ein verstorbenes HTWK-Mitglied
Plötzlich ist er leer – der Platz in der Sonne neben dem Lipsius-Bau. Dort, wo man regelmäßig auf einen freundlichen Mann mit Pfeife traf, fehlt nun ein geschätzter Kollege, mit dem man sich „auf dem kurzen Dienstweg“ abstimmte oder einfach ein nettes Gespräch führte. Der Mann mit der Pfeife war Prof. Dr. phil. Gerhard Hacker, der am 6. August 2026 unerwartet aus dem Leben geschieden ist.
Lehre mit Herzblut und Anspruch
Wegbegleiter beschreiben ihn als menschlich und nahbar: einen Menschen, der Bildung schätzte, ohne sich auf seine Belesenheit etwas einzubilden. Seinen Studierenden begegnete der Professor für Bibliotheks- und Informationswissenschaft offen und zugewandt. Er suchte Lösungen, gab nicht schnell auf und forderte seine Studierenden zugleich heraus. Erkannte er Potenzial, motivierte er zu Höchstleistungen oder gab jenen den nötigen Stupser, die ihn brauchten. Frei nach der Philosophie „erstmal machen lassen“ gab er Studierenden und Mitarbeitenden viel Vertrauen.
Der Weg an die Hochschule
2001 wurde Gerhard Hacker zum Professor für „Bibliotheks- und Informationswissenschaft“ an die HTWK Leipzig berufen. Zuvor hatte er Slavistik, Hispanistik und Bibliothekswissenschaft an der Universität zu Köln studiert, dort promoviert und anschließend als Lehrbeauftragter und Leiter der Zweigbibliothek Fremdsprachliche Philologien der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin gearbeitet. Der wissenschaftlichen Beschäftigung mit der russischen Literatur blieb er bis zuletzt verbunden. Als Übersetzer übertrug er unter anderem Werke des russischen Schriftstellers Lew Natanowitsch Lunz ins Deutsche und trug so zu deren Vermittlung im deutschsprachigen Raum bei.
Als der Generationswechsel und der Verlust eines Kollegen dem kleinen Studiengang „Bibliotheks- und Informationswissenschaft“ zusetzte, übernahm Hacker wiederholt als Studiendekan Verantwortung und führte ihn mit Besonnenheit und Beständigkeit in ruhigere Fahrgewässer. Er entwickelte den Studiengang inhaltlich weiter und trug maßgeblich zur Einführung des gleichnamigen Masterstudiengangs bei. Heute gilt er in der Berufsbranche als prägendes Gesicht der Leipziger Bibliotheks- und Informationswissenschaft.
Die Arbeit im Rektorat
Von 2011 bis 2014 war Gerhard Hacker Prorektor für Studium und Lehre. In einer für die Hochschule schwierigen Zeit trieb er unter anderem Lehrberichte und Qualitätsmanagement voran. Das veränderte Sächsische Hochschulfreiheitsgesetz brachte Rechtsunsicherheiten, ein wiederholtes Rektorwahlverfahren und Rücktritte im Hochschulrat mit sich. Zugleich mussten Stellen und Studiengänge abgebaut sowie Fakultätsstrukturen neu geordnet werden. In dieser Phase war Hacker gemeinsam mit der damaligen Rektorin Prof.in Renate Lieckfeldt und dem Prorektor für Wissenschaftsentwicklung, Prof. Krabbes, eine feste Säule des Rektorats. Nach dem Tod Lieckfeldts unterstützte er den kommissarischen Rektor Krabbes bei zahlreichen Aufgaben.
Seine Eigeninitiative, Loyalität und sein Verantwortungsbewusstsein blieben in Erinnerung. „Ich bin bis heute für seine Loyalität dankbar und dass er mir nach Kräften den Rücken freigehalten hat“, sagt Prof. Krabbes, heute Rektor der Dualen Hochschule Sachsen. Auch sein damaliger Referent Rolf Hagge ist betroffen: „Er wird gleichermaßen als Lehrender und als Mensch sehr fehlen.“

Kolleginnen und Kollegen erinnern sich
Wichtiger jedoch als die Arbeitsbiografie ist die Erinnerung an einen Mann, der nicht nur Funktionsträger im System, sondern Vermittler, Ansprechpartner und Freund war.
„Gerhard Hacker war immer bei den Menschen – mit einem feinen Gespür für sein Umfeld. Er schenkte Vertrauen, war ansprechbar und nahbar, aber auch beharrlich und streitbar, wenn es „um die Sache“ ging, für die man das Beste wollte – das habe ich besonders an ihm geschätzt. Auf sein Wort war immer Verlass – ob in unbeschwerten Momenten oder wenn Herausforderungen zu bewältigen waren. Dabei ging sein Einsatz stellenweise weit über das übliche Maß hinaus. Seine Arbeit war für ihn Ausdruck seiner Haltung und der Werte, für die er stand. Ich werde ihn als Kollege und Mensch sehr vermissen. Mein Mitgefühl gilt seiner Familie, der ich viel Kraft in diesen schweren Zeiten des Abschieds wünsche.“, sagt Professorin Kerstin Keller-Loibl, die 25 Jahre lang Tür an Tür vertrauensvoll mit ihm zusammengearbeitet hat.
Rektor Müller erinnert sich gern an seinen einstigen Kollegen: „Gerhard Hacker habe ich über viele Jahre als engagierten, aufrichtigen und konstruktiven Kollegen sehr geschätzt. Mit großem persönlichem Einsatz hat er Verantwortung für unsere Hochschule übernommen und als Professor und Studiendekan Generationen von Studierenden geprägt. Sein Herzblut, sein herausragendes Fachwissen und sein unermüdlicher Einsatz haben die Bibliotheks- und Informationswissenschaft an der HTWK nachhaltig gestärkt. Für seine bleibenden Verdienste bin ich ihm von Herzen dankbar. Mein tiefes Mitgefühl gilt seinen Angehörigen und allen, die ihm nahestanden.“
„Der plötzliche Tod von Gerhard Hacker macht mich tief betroffen. In unserer gemeinsamen Zeit in der Hochschulleitung habe ich ihn als ruhigen und klugen Kollegen mit herzlichem Humor erlebt, der stets für seine Überzeugungen einstand. An unserer HTWK lagen ihm besonders die Studierenden und die Weiterentwicklung der Bibliothek am Herzen. Ich werde ihm ein ehrendes und dankbares Andenken bewahren. Seiner Familie und allen Menschen, die ihm nahestanden, gilt mein tiefes Mitgefühl.“, sagt Kanzlerin Prof.in Rother.
Prof. Hacker hinterlässt im Studiengang und bei den Menschen, die mit ihm zusammenarbeiten durften, eine große Lücke. Er wird sehr vermisst werden.
[ Hinweis der Redaktion: Der Nachruf der Hochschulleitung entstand aus zahlreichen Dialogen mit früheren Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern. Die Heimatfakultät Prof. Hackers hat ein digitales Kondolenzbuch zum Verfassen persönlicher Botschaften erstellt und lädt herzlich ein, Erinnerungen, Gedanken und Worte des Gedenkens zu teilen. Weiterführende Links rechts oben. ]
