Wie alte Windkraftflügel Städte resilienter gegen den Klimawandel machen können, präsentieren HTWK-Studierende am 22. und 23. Juli 2026
In wenigen Jahren werden viele Rotorblätter von Windkrafträdern erneuert werden müssen. Doch was ist mit den vielen ausgedienten Flügeln? Wie können diese weitergenutzt und umgestaltet werden? Im Entwurfsseminar „Klimagerechte Baukonstruktion – ReRotor“ befassten sich Architektur-Masterstudierende der HTWK Leipzig im Sommersemester 2026 mit der Frage, wie Städte und Landschaften lebenswerter und klimaresilienter, aber auch wie dafür alte Rotorblätter eingesetzt werden können. 10 Modelle von Fassadenkonzeptionen präsentieren die Studierenden am 22. und 23. Juli 2026 beim Sommerrundgang der Fakultät Architektur und Sozialwissenschaften (FAS) in der Karl-Liebknecht-Straße 145 (Lipsius-Bau), 04277 Leipzig, 4. OG.
Materialkreislauf als Thema in Forschung und Lehre
Wie ein geschlossener Composite-Materiakreislauf auf Gesellschafts- und Umweltthemen Einfluss nehmen und wie ein vollständiger Materialkreislauf mit hochwertigen Zwischenprodukten gelingen kann, erforscht und praktiziert an der HTWK Leipzig die Forschungsgruppe Composite Circularity Lab (CCL) der Professur Leichtbau mit Verbundwerkstoffen von Prof. Dr.-Ing. Robert Böhm. Um das Thema auch in der anwendungsnahen Lehre stärker einzubringen, entstand als Kooperation zwischen der FAS und dem CCL das Entwurfsseminar „ReRotor“, betreut von FAS-Professor Frank Schüler und CCL-Mitarbeitenden Dr. Pamela Voigt sowie Dimitrij Seibert in der Werkstatt.
Die Architektur-Studierenden Niklas Hengelhaupt, Theo Jörgensen, Paul Baierl, Hannah Sack, Julia Färbinger, Lena Focken, Jule Ottenberg, Lukas Höft, Leon Heimer, Emily Seemann, Clara Merrem und Christine Urbanowicz, Manuel Lippert, Henrike Bartsch, Lilly Zeißig, Deyaa Moussa, Lorenz Rehbein, Nicolai Jäkle, Annika Malin Kiehn und Alexander Romanjuta entwickelten in Zweiergruppen Bausysteme als 1:1 Modelle aus einem Abschnitt eines E40-6 Flügels.
Ressource Rotorblatt – Herausforderungen bei der Bearbeitung
Alte Rotorblätter stellen durch ihre hohe Witterungsbeständigkeit und lange Lebensdauer eine wertvolle Ressource dar. Deren einzelne Bereiche besitzen unterschiedliche konstruktive Eigenschaften und bieten dadurch vielfältige Möglichkeiten für eine Weiterverwendung im Bauwesen. Gleichzeitig erschwert die dauerhaft verbundene Materialstruktur eine sortenreine Trennung der einzelnen Bestandteile, wodurch die direkte Wiederverwendung ganzer Bauteile besonders interessant wird.
Während des Entwurfs und der Bearbeitung stellten sich die Studierenden daher folgenden Herausforderungen: Wie verhalten sich die in Form und Dimension verschiedenen Bauteile zueinander? Wie kann mit Varianzen und Ungenauigkeiten umgegangen werden? Welche Verbindungspunkte eignen sich am besten, um die notwendige statische Stabilität und Aussteifung zu ermöglichen? Wie sehen die Verbindungselemente an den Berührungspunkten genau aus? Ist mit dem Konzept eine Ecklösung realisierbar? Dazu nutzten die Studierenden verschiedene Bearbeitungswerkzeuge, suchten nach zeit- und aufwandeffizienten Bearbeitungstechniken, testeten Schraub- und Steckverbindungen, verwendeten hierfür Rotormaterial, gängige Schrauben und Bolzen, aber auch selbst entwickelte im 3D-Druck hergestellte Klemmen.
Prototypen aus Rotorblättern überzeugen mit Leistungsfähigkeit und Vielseitigkeit
Entstanden sind zehn Prototypen von Vorhangfassaden, Verschattungssystemen bis hin zu selbsttragenden Begrünungssystemen als Stecksysteme, Lamellenstrukturen, Zugtragwerke sowie bewegliche Fassadenelemente. „Die Prototypen überzeugen durch die Vielseitigkeit von Bauteilen aus Rotorflügeln als großflächige Querschnitte, Platten, Lamellen, Leisten. Die Ergebnisse inspirieren, machen Mut, bauen Vorurteile und Unwissen gegenüber dem Hochleistungsmaterial, dessen Leistungsfähigkeit nach der Erstnutzung, aber auch dessen Umgestaltung ab. Vorurteile, die den Einsatz in der Architektur, im Industrie- und Landschaftsbau bisher behindern. Also in Bereichen, die einen hohen Materialverbrauch haben, der bisher durch Neumaterial gedeckt wird“, so CCL-Mitarbeiterin Dr. Pamela Voigt.
Ausstellung: „ReRotor“-Präsentation:
- Eröffnung am 22.07.2026 um 19 Uhr (Ende der Veranstaltung: 23 Uhr).
- Ausstellung am 23.07.2026 von 10 Uhr bis 16 Uhr.
- Im Lipsius-Bau (4. OG) in der Karl-Liebknecht-Straße 145, 04277 Leipzig.
Der Eintritt ist frei.
Beim Leipziger Fassadentag am 15.09.2026 an der HTWK Leipzig werden die Modelle ebenfalls präsentiert.


