Prof. Thomas Riechert und landeskirchliche Archive bringen im Auftrag der evangelischen Kirche Metasuche für kirchengeschichtliche Forschungsdaten voran
Wie lassen sich Personaldaten aus zahlreichen kirchlichen Archiven und Datenbanken besser für die historische Forschung nutzbar machen? Mit dieser Frage beschäftigten sich Fachleute aus Archiven, Wissenschaft und Digital Humanities im Projekt „Meta-Pfarrerbuch“ an der HTWK Leipzig.
Historische Personendaten besser vernetzen
Pfarrerbücher gehören zu den wichtigsten Quellen der kirchenhistorischen Forschung. Sie enthalten Informationen zu Pfarrerinnen und Pfarrern sowie weiteren kirchlichen Amtsträgern und liegen bislang überwiegend in gedruckter Form oder als voneinander getrennte digitale Datenbestände vor. Dadurch ist eine übergreifende Recherche bislang nur eingeschränkt möglich.
Ziel des Projekts „Meta-Pfarrerbuch“ ist es, ausgewählte Basisinformationen aus verschiedenen Datenbanken in einer gemeinsamen Metadatenbank zusammenzuführen und so die Recherche über zahlreiche Datenbestände hinweg zu ermöglichen. Die Metadatenbank speichert dabei nicht die eigentlichen Datensätze, sondern verweist auf die jeweiligen Originaldatenbanken und verknüpft diese miteinander. So bleiben die Daten weiterhin bei den verantwortlichen Einrichtungen, können aber gemeinsam durchsucht werden.
Dadurch sollen historische Forschungsfragen künftig einfacher beantwortet werden können – etwa zu Karrierewegen von Pfarrerinnen und Pfarrern, ihrer Ausbildung oder ihren familiären Beziehungen. Gleichzeitig werden Datenbestände sichtbar, die bisher in übergreifenden Recherchen nicht berücksichtigt werden konnten.
HTWK Leipzig entwickelt technische Grundlage
Das Projekt entstand 2022 auf Anregung des Verbands kirchlicher Archive. Dabei kam der Kontakt zur HTWK Leipzig über Prof. Dr. Thomas Riechert zustande, der bereits die sächsische Online-Pfarrersuche wissenschaftlich begleitet hatte. Die evangelischen Kirchen finanzieren das Vorhaben einer Meta-Datenbank und beauftragten die HTWK Leipzig mit der Entwicklung der Metadatenbank.
Zu Beginn des Projekts untersuchte das Projektteam, welche Datenbestände bereits digital vorliegen und wie sie strukturiert sind. Insgesamt wurden 106 unterschiedliche Datenfelder erfasst und dokumentiert. Für die gemeinsame Metadatenbank verständigten sich die Beteiligten anschließend auf 26 zentrale Felder, die als gemeinsame Grundlage für die Verknüpfung der unterschiedlichen Datenquellen dienen.
Parallel entwickelt das Projekt ein gemeinsames Vokabular für Begriffe wie Familienbeziehungen, Lebensabschnitte, Ämter oder Ausbildungswege. Damit können Informationen aus verschiedenen Datenbanken einheitlich beschrieben und miteinander verknüpft werden.
Workshop an der HTWK Leipzig

Am 7. Juli 2026 traf sich die Arbeitsgruppe Meta-Pfarrerbuch an der HTWK Leipzig zu einem Technologie- und Strategieworkshop. Teilnehmende waren Vertreterinnen und Vertreter kirchlicher Archive sowie Teammitglieder der Arbeitsgruppe Digital Humanities der HTWK Leipzig.
Im ersten Teil der Veranstaltung stellte Prof. Thomas Riechert die entwickelte Forschungsdateninfrastruktur vor und demonstrierte den Import von Daten aus unterschiedlichen Quellen. Anschließend konnten die Teilnehmenden die Meta-Suche in Minitutorials praktisch erproben, Fragen diskutieren und weitere Anforderungen für die Entwicklung sammeln.
Im abschließenden Strategieworkshop stand die Zukunft der Forschungsplattform im Mittelpunkt. Diskutiert wurden unter anderem der langfristige Betrieb der Meta-Suche, die Einbindung weiterer Datenbestände sowie künftige wissenschaftliche Projekte auf Basis der gemeinsamen Forschungsinfrastruktur.
Mit der Entwicklung der Metadatenbank leistet die HTWK Leipzig einen Beitrag dazu, historische Personendaten aus kirchlichen Archiven besser zugänglich zu machen und neue Möglichkeiten für die digitale Geschichtsforschung zu schaffen.



