Das Verbundprojekt „SieWo – Sie wohnt gewaltfrei“ hat 30 Frauen und ihre Kinder auf dem Weg in sicheren Wohnraum unterstützt. Bei der Abschlussveranstaltung stellten die Projektpartner Ergebnisse und Handlungsempfehlungen vor
Nachhaltiger Gewaltschutz endet nicht mit dem Verlassen eines Frauen- und Kinderschutzhauses. Erst eine sichere und langfristige Wohnperspektive ermöglicht Betroffenen den Aufbau eines selbstbestimmten Lebens. Zu diesem Ergebnis kommt das Verbundprojekt „SieWo – Sie wohnt gewaltfrei“, das nach 18 Monaten Laufzeit abgeschlossen wurde. Bei der Abschlussveranstaltung am 10. Juni 2026 stellten die Projektpartner ihre Ergebnisse und Empfehlungen vor. Im Projekt konnten 30 Frauen und ihre Kinder (Stand 17.06.2026) in einen eigenen Wohnraum vermittelt werden oder durch das Beratungs- und Unterstützungsangebot selbst eine sichere Wohnung finden. Zudem ermöglichte eine gezielte Kampagne eine Kooperationsvereinbarung sowie dauerhafte Vermittlungsstrukturen mit Leipziger Wohnungsunternehmen. Das von der HTWK Leipzig und der Kontaktstelle Wohnen umgesetzte Modellvorhaben hat gezeigt: Nachhaltiger Gewaltschutz für Betroffene häuslicher Gewalt gelingt, wenn auch für sichere Wohnperspektiven gesorgt ist. Die Ergebnisse sowie Handlungsempfehlungen auf Basis der wissenschaftlichen Begleitung stellten die Beteiligten am Mittwoch, dem 10. Juni 2026 bei der Abschlussveranstaltung des Projekts vor.
Wohnraumvermittlung als Baustein des Gewaltschutzes
Das Projekt adressierte eine zentrale Herausforderung im Gewalthilfesystem: Frauen und Kinder müssen häufig länger als vorgesehen in Schutzunterkünften bleiben, weil geeigneter Wohnraum fehlt. Grund dafür ist unter anderem ein angespannter Wohnungsmarkt mit einem Mangel an bezahlbarem Wohnraum, was die Situation gewaltbetroffener Frauen erheblich erschwert. Viele Betroffene können die Einrichtungen nicht verlassen, obwohl die akute Gefahr bereits überwunden ist, weil sie keine eigene Wohnung finden. An dieser Schnittstelle setzte das Projekt SieWo an: Es kombinierte die aktive Ansprache von Vermietenden durch eine Kommunikationskampagne mit der Wohnraumvermittlung und individuellen Beratung für Betroffene sowie der wissenschaftlichen Begleitung durch die HTWK Leipzig. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass gezielte Wohnraumvermittlung das Gewalthilfesystem entlasten kann. Jede erfolgreiche Wohnungsvermittlung kann dazu beitragen, Kapazitäten in Schutzunterkünften für akut schutzsuchende Personen freizumachen.
Drei zentrale Erfolgsfaktoren wurden durch die wissenschaftliche Auswertung herausgearbeitet:
- Die Adressierung von Wohnungsunternehmen mit passenden Wohnungsangeboten ist entscheidend für erfolgreiche Vermittlungen.
- Die Sensibilisierung von Wohnungsunternehmen und Vermietenden erhöht die Bereitschaft zur Zusammenarbeit.
- Persönliche Kontakte und verlässliche Kooperationen stärken das Vertrauen aller Beteiligten und erleichtern Vermittlungsprozesse.
Verstetigung bleibt Herausforderung
Mit der Präsentation der Forschungsergebnisse endet vorerst die Finanzierung durch den Freistaat Sachsen aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds Plus (ESF+). Die Verbundpartner HTWK Leipzig und Kontaktstelle Wohnen warnen vor den Folgen eines Wegfalls des Unterstützungsangebots: Er begünstigt längere Verweildauern in Schutzhäusern, zusätzliche Belastungen der Beratungsstrukturen und eine steigende Zahl abgewiesener Schutzsuchender. Dr. Friederike Frieler, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der HTWK Leipzig, resümiert: „,SieWo‘ macht deutlich: Gewaltschutz ist erst nachhaltig, wenn auch für sichere Wohnperspektiven gesorgt ist.“
Ergebnisse und Empfehlungen veröffentlicht
Die zentralen Projektergebnisse sowie Handlungsempfehlungen für Politik, Wohnungswirtschaft und Gewalthilfeeinrichtungen wurden in einer Abschlussbroschüre veröffentlicht. Die Publikation steht online zum Download bereit; gedruckte Exemplare können über das Kontaktformular des Projekts angefordert werden.

